11.06.2021 - 08:46 Uhr
HohenburgOberpfalz

Zum Ratschen und Einkaufen ins Rathaus: Ein Besuch im Marktladen Hohenburg

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„Es ist nicht unbedingt so, dass die Leute nur nach dem Preis kaufen. Die wollen Qualität. Und regional.“ Genau das gehöre zu den Trümpfen des Marktladens in Hohenburg, sagt dessen Geschäftsführer Egon Wittl.

Getränke, Küchenrolle, Lebensmittel: Im Marktladen in Hohenburg bekommen die Kunden alles, was sie für den täglichen Bedarf brauchen. Vieles aus dem Sortiment wird in der Region produziert.
von Heike Unger Kontakt Profil

Ein kurzer Ratsch muss sein. Aber eigentlich pressiert’s Bürgermeister Florian Junkes an diesem Morgen um 8 Uhr. Er muss gleich weiter zu einem Termin in Ensdorf. Aber vorher kauft er noch schnell ein: Käse, Wurst, Getränke. Ein Heimspiel für den Gemeindechef – der Hohenburger Marktladen logiert im Erdgeschoss des Rathauses. Für Junkes ein Vor-, aber auch ein Nachteil: Die Leberkässemmel ist stets verlockend nah.

Während der Bürgermeister zu seinem Termin eilt, begrüßt Egon Wittl einen anderen Kunden im Marktladen. „Guten Morgen, Richard“, man ist per du. Der Geschäftsführer der Genossenschaft, die den Laden betreibt, kennt die meisten Kunden. Kein Wunder: Wittl ist Hohenburger. Und er ist auch jeden Tag im Laden. Nicht nur an seinem Schreibtisch, in dem kleinen Raum hinter der Küche.

Der Chef packt gern mit an

Gerade rückt Wittl wieder mal die Bierkästen zurecht, damit sie ordentlich an ihrem Platz stehen. Er packt gern mit an. Im Vorbeigehen füllt er die geplünderten Getränkekisten mit neuen Flaschen auf – das vergangene Wochenende macht sich mit Lücken im Sortiment bemerkbar. Auch im Kühlregal, bei den Joghurts vom Ziegl-Hof. „Aber das ist ja gut so.“ Die Nachlieferungen sind schon bestellt.

Der Ziegl-Hof aus Ammelhofen (Pilsach/Landkreis Neumarkt) ist einer von elf Produzenten aus der Region, die, neben einem Großhändler fürs klassische Sortiment, den Marktladen beliefern. Die Gewürzmanufaktur Zimtstangl & Muskatblüte beispielsweise produziert in Hohenburg. Das Bier kommt von der Brauerei Winkler aus Amberg, Mehl und Getreide wie Dinkel von der Kreuzermühle in Allersburg. Deren Backstube ist auch einer von zwei Bäckern, die die Brotregale im Marktladen füllen. Im Wechsel mit der Bäckerei Hofmann aus Velburg. Die, berichtet Wittl, beliefert den Netto-Markt in Kastl, was die Anfahrt nach Hohenburg erschwinglich macht.

Nicht nur der Preis zählt

Die Preise muss der Geschäftsführer schon im Blick behalten. Auch wenn die Kunden akzeptieren, dass der kleine Laden im Rathaus da nicht mit einem Supermarkt mithalten kann. „Wir sind ein bisschen teuerer, aber nicht wesentlich. Und die Leute machen trotzdem mit“, freut sich Wittl über die Akzeptanz. Er zeigt auf das Regal mit den Eiern, preislich in zweierlei Varianten. Viele Kunden nehmen die etwas teureren, aus der Freilandhaltung vom Hohenburger Schaller-Hof. Der, sagt Wittl, verlange etwas mehr, weil er auch die bei der billigeren Konkurrenz verschmähten männlichen Küken aufzieht. Das honorieren die Kunden.

Den Namen „Dorfladen“ hört Wittl nicht so gern. Hohenburg sei schließlich kein Dorf, meint er mit einem Augenzwinkern. Aber ganz im Ernst: „Dorfladen“ habe sowas von Tante-Emma-Laden – und das treffe es einfach nicht richtig. Ob Tante Emma einst auch Tintenfisch im Angebot hatte? Wohl eher nicht. Der Marktladen verkauft ihn, in der Tiefkühlung gibt es auch die beliebten Garnelen. Kundenwünsche werden, so weit möglich, erfüllt, merkt Wittl dazu an. Natürlich nicht die jedes einzelnen, das ginge nicht. Aber wenn es entsprechende Nachfrage gibt, kommen Artikel ins Sortiment. Oder fliegen auch wieder raus. Wie die Nuss-Nougat-Creme, die keiner kaufte: Die Kunden wollten Nutella. Deshalb gibt es jetzt das Original.

Auch amerikanische Kunden

Gekauft wird, was man kennt: Diese Devise gilt auch für eine besondere Kundengruppe – die Amerikaner, die im Ort wohnen. Sie haben mit Doreen vom Mitarbeiter-Team eine Ansprechpartnerin, die fließend Englisch spricht. Die US-Bürger kamen auch vorher schon in den Laden. „Sie kaufen halt Sachen, die sie kennen“, berichtet Wittl mit einem lachenden Seitenblick auf die Wursttheke – „Bauernseufzer eher nicht.“ Neuerdings werden diese Kunden sogar gezielt angesprochen, mit Flyern in Englisch. Auf Deutsch gibt es auch welche, die in den Briefkästen verteilt werden: Sie machen auf Sonderangebote und Aktionen wie das Wintergrillen aufmerksam. Warmes Essen kommt überhaupt gut an: Die Mitarbeiterinnen, fünf sind es, kochen auch jeden Tag Mittagessen im Laden. Heute gibt’s Pfälzer mit Kraut. „Das mögen nicht nur die Bauarbeiter“, sagt Wittl angesichts der vielen Baustellen in und rund um Hohenburg. Auch viele Stammgäste holen sich regelmäßig ihr Mittagessen.

Bei Christiane Riesnert, einer der Angestellten, die heute Dienst tut, stehen die Pfälzer persönlich nicht so hoch im Kurs. Aber natürlich ist der Kunde König. Und der wird in diesem Fall sogar von einer Fachfrau verköstigt: Riesnert ist Hauswirtschafterin. Sie kommt aus NRW, lebt aber schon seit 13 Jahren in Allersburg. Und wollte unbedingt im Marktladen arbeiten. „Ich mag den Umgang mit Leuten“, sagt sie, „und ich koche gern“. Chili, Spaghetti, Schaschliktopf. „Ich weiß, was die Kunden für Vorlieben haben“, meint sie. Und kommt längst auch mit dem Dialekt gut zurecht. Meistens jedenfalls.

Auf einen Kaffee mit dem Chef

Auch Egon Wittl hat einen „weiten Weg“ hinter sich. Nicht räumlich gesehen, schließlich ist er Hohenburger. Aber beruflich: Er war Lehrer. Und er war einer der Ersten, die sich für die Marktladen-Idee begeisterten und sich der Genossenschaft anschlossen. Rund 300 Bürger haben sich mit einer Einlage von mindestens 250 Euro beteiligt. Wittl war und ist überzeugt von dem Konzept. „Ich hab’ die Gemüseregale selber gebaut.“ Als dann sein Vorgänger nach einem Jahr ganz plötzlich kündigte, „hab’ ich mich breitschlagen lassen“, die Geschäftsführung zu übernehmen. „Einer muss es ja machen.“

Seit 1. September 2020 ist er der Chef. Aber auch Mädchen für alles, holt zweimal die Woche frisches Obst und Gemüse, repariert aber auch mal, wenn etwas kaputt geht. Alles ehrenamtlich. „Das wissen die meisten gar nicht“, sagt Wittl: „Man muss sich damit identifizieren“, sonst gehe es nicht. Und irgendwie entspreche es auch seiner Lebenseinstellung. „Wenn ich etwas anpacke, dann mache ich es ordentlich.“

Kunden sagen "unser Laden"

Ein bissl mehr Frequenz wäre schön, meint der Geschäftsführer bei einer Tasse Kaffee an einem der Tische vor dem Marktladen. Der hat auch einen kleinen Cafébetrieb. Ein Treffpunkt im Ortszentrum, der jetzt, nach einer längeren Corona-Zwangspause, wieder langsam auflebt. Der Laden an sich war die ganze Zeit offen. Die Pandemie hat sich trotzdem bemerkbar gemacht, Angst vor dem Virus hat manchen Kunden abgehalten. „Aber wir hatten keinen einzigen Fall einer Infektion.“ Und dann war da noch die lange Sperrung der Ortsdurchfahrt wegen der Brandhäuser am Marktplatz: Der Durchgangsverkehr fehlte und damit auch die auswärtigen Kunden. Jetzt kommen sie wieder, die Straße ist wieder frei.

An diesem Vormittag sind es vor allem Hohenburger, die im Marktladen einkaufen. Anita Donhauser gehört auch dazu. Auch sie ist von Anfang an in der Genossenschaft. „Wir sind stolz, dass wir den Marktladen haben“, sagt sie. „Vorher hast’ ja wegen jeder Semmel wo hinfahren müssen“. Das bedeutete: „Mindestens 10, 14 Kilometer für a Packl Butter.“ Jetzt bekommt sie im Marktladen „alles, was ich brauche“. Sie kauft gern hier ein – und ganz bewusst. „Ich will ja den Laden am Leben halten.“ Donhauser braucht etwas fürs Mittagessen, heute mal ohne Fleisch. Kartoffeln mit Quark soll’s geben, verrät sie, während sie das Geschäft betritt und betont dabei, ganz überzeugte Genossenschafterin: „Wir haben im Marktladen extrem gute Kartoffeln.“

Ein Jahr nach der Eröffnung: Der Marktladen läuft gut

Hohenburg
Hintergrund:

Öffnungszeiten im Marktladen Hohenburg

  • Montag bis Freitag 6 bis 12.30 Uhr
  • Samstag 7 bis 12.30 Uhr
  • Dienstag und Freitag auch 15 bis 18 Uhr
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