26.02.2020 - 21:46 Uhr
HohenburgOberpfalz

Schweigender Marsch der Zylinder

Wer redet, zahlt. Und vom Freibier darf kein Norgerl im Glas bleiben: Beim Marsch der Zylinder am Aschermittwoch in Hohenburg herrschen strenge Regeln.

Seth, ein US-Soldat aus Kentucky, der zurzeit in Hohenfels stationiert ist, war wohl der weitest angereiste Zylinderkopf und ließ sich den Kronsild-Fisch schmecken.
von Autor GFRProfil

Ging es am Faschingsdienstag auf dem Pracht-Boulevard in Hohenburg noch laut und heiß her, so herrschte dort am Mittwoch eisernes Schweigen: Denn wer beim Marsch der Zylinder am Aschermittwoch das absolute Redeverbot bricht, dem droht ein drastisches Bußgeld. Nicht zugelassen sind Handys, auch das Betatschen von Wirtin oder Bedienung wird sanktioniert. Und wenn es tatsächlich Freibier gibt, dann darf nicht das kleinste Norgerl im Glas bleiben. Wer flucht oder gar im Wirtshaus einschläft, dessen Inhalt im Geldbeutel schrumpft erheblich zusammen.

Dort, wo am Faschingsdienstag beste Laune und Frohsinn herrschten, war am Aschermittwoch Totenstille. Plaudern oder Handynutzung kosten schließlich viel Geld.

Sammeln hieß es am Mittwoch zuerst einmal beim Mosner, wo Zeremonienmeister Klaus Schindler die eisernen Statuten für den Marsch der Zylinder verkündete, die Zylinder-Träger registriert und gewogen wurden. Ist auch jeder ordentlich und sauber gekleidet und bereit für das fast zwölfstündige Spektakel? Zwischenstopps „zum Erholen und Nachtanken“ gab es bei VR-Bank und Hammermühle, bei der Feuerwehr, im Sportheim, beim Hartl sowie im Allerburger Dorfhaus. Nach dem Stodl ging's wieder zurück zum Mosner, wo sauere Bratwürst' und Presssack auf die ausgemergelten Zylinderköpfe warteten.

Aufpassen, hier verkündet der Zeremonienmeister Klaus Schindler die Regularien für den Marsch der Zylinder in Hohenburg: absolutes Schweigen, Wirtin und Bedienung in Ruhe lassen. Und das Freibier muss bis auf den letzten Tropfen geleert werden.

Wer unterwegs schwächelte, dringend auch feste Nahrung benötigte, der konnte sich aus den mitgeführten Eimern mit Kronsild-Fischen stärken. Die kleinen, sauren Schwänze und Bauernbrot für gerade einmal 50 Cent waren die geeignete Unterlage für mehr als reichlich vorhandenen Hopfenblüten-Tee.

Die Fischzüge im Landkreis Amberg-Sulzbach

Amberg
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