20.05.2019 - 15:20 Uhr
HohenburgOberpfalz

Tour durch Amberg-Sulzbach zeigt: Nachhaltigkeit spart Geld

Bürgermeister Florian Junkes (Hohenburg) ist überzeugter "E-Mobilist" und "Pholtaiker": Deshalb führte eine "E-mobile" Rundreise durch Amberg-Sulzbach auch in seine Garage.

Der Hohenburger Bürgermeister Florian Junkes (Bildmitte) ist nicht nur Energieberater, sondern auch ein überzeugter Nutzer von E-Mobil und PV-Anlage. Er rechnete den Teilnehmern der Landkreis-Tour vor, dass sich eine Investition in Sonnenstromnutzung schon nach wenigen Jahren amortisiert.
von Autor GFRProfil

Die Tour des Zentrums für erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit (ZEN) gehörte zum Programm der Klimaschutzwoche der Stadt Amberg und des Landkreises Amberg-Sulzbach. An den einzelnen Stationen bewiesen überzeugte Klimaschützer anhand ihrer Projekte, dass nachhaltiges Handeln durchaus möglich ist, ja sogar jede Menge Geld spart.

Erstes Ziel mit E-Mobilen der Marken Tesla, BMW, Nissan, Hyundai und Renault war der Hohenburger Bürgermeister Florian Junkes. Er hat den fossilen Energieverbrauch seines Hauses hoch über Hohenburg schon erheblich reduziert - und kommt nach eigenen Aussagen mit knapp 1500 Litern Heizöl im Jahr aus. Dafür wurde sein Neubau energetisch optimal ausgestattet. Als Energieberater weiß Junkes, wovon er spricht. Seine Photovoltaikanlage (PV) liefert Sonnenstrom, den er früher in schweren Blei-Akkus gespeichert hat. Heute stehen moderne Lithium-Akkus im Keller.

Junkes' PV-Anlage liefert Spitzenwerte, mit denen er sich gut 280 Tage im Jahr selbst versorgen kann - ohne Stromeinkauf aus dem Netz. "Meine PV-Anlage funktioniert schon bei bewölktem Himmel. Wenn die Sonne scheint, schafft das jeder", sagte Junkes. Außerdem sei jeder selbst schuld, der keine PV-Anlage auf dem Dach habe. Die 120 Quadratmeter große PV-Anlage mit 17,3 Kilowatt- peak/kWp Leistung deckt den Eigenverbrauch von gut 6500 kW/a für Haus und E-Auto. Natürlich ist Florian Junkes ausschließlich E-mobil unterwegs. Das "ewige Gejammer", dass es in Deutschland kein gutes Netz an Ladesäulen gebe, hat er satt: In Deutschland stünden mehr Ladesäulen, als E-Mobile unterwegs seien, betonte er.

Junkes empfahl auch, die Kundendienstkosten vergleichen: Die seien für einen größeren SUV schon bei jährlich 1000 Euro und höher anzusetzen. Bei einem Elektroauto seien sie gerade einmal bei einem Zehntel - wenn das E-Mobil überhaupt zum Kundendienst müsse. Und dann hat Junkes noch einen kernigen Spruch parat: Nur die hätten Probleme mit E-Mobilität, die kein Elektroauto fahren. "Wir haben nur diese Welt, auf der wir derzeit leben", meint Junkes. Er riet jedem, der prüfen will, ob sein Haus für eine PV-Anlage geeignet ist, das neue Solarkataster der Stadt Amberg und des Landkreises zu nutzen: Hier ist online feststellbar, welche Nutzung möglich ist

Das Amberg-Sulzbacher Solarpotenzialkataster

Amberg
Die E-Mobile der Caritas-Sozialstation in Hirschau werden jeden Tag mit Solarstrom betankt. Der kommt von der auf dem Carport montierten Photovoltaikanlage.
Im Blickpunkt:

Erneuerbare Energie: Beispiele im Landkreis

PV-Freiflächenanlage (Ebermannsdorf)

7720 PV-Module stehen auf der PV-Freiflächenanlage der „SonnEn“ GmbH & Co KG in Ebermannsdorf. Laut Geschäftsführer Hubertus Freiherr von Eyb wurde diese Anlage in Rekordzeit erbaut. Zwar hätten sich ab Ende 2010 Planung und Genehmigung fast zwei Jahre hingezogen. Aber im April 2012 seien die ersten Module montiert und nach nur knapp zwei Monaten Bauzeit ans Netz angeschlossen worden. 2018 habe die Anlage zehn Prozent mehr Strom erzeugt als erwartet. Auch heuer sei der Ertrag bislang zufriedenstellend.

Da die Anlage (Leistung 1,8 Megawatt auf 4,5 Hektar Gesamtfläche) an einem leichten Nordhang steht, wurden zwischen den Modulreihen größere Abstände eingehalten, um eine gegenseitige Beschattung zu vermeiden. Weder von der Autobahn A 6 her noch von den umliegenden Straßen ist die PV-Anlage zu sehen. Trotzdem sei im Genehmigungsverfahren ein Blendschutzgutachten gefordert worden. Rechnerisch könne Ebermannsdorf von hier zu gut 70 Prozent mit Strom versorgt werden, berichtete von Eyb. Wenn die Anlage in Jahrzehnten abgebaut werden müsse, könne die Fläche problemlos landwirtschaftlich genutzt werden, da der Boden nicht mit Schadstoffen kontaminiert sei.

Nahwärmenetz (Viehberg)

Erste Planungen für ein Nahwärmenetz in Viehberg gab es 2012: Einige Häuser und deren Heizungen waren 25 Jahre oder älter, also stand ein kostspieliger Austausch an. Anfangs konnten sich 20 Immobilienbesitzer mit Nahwärme anfreunden. Sie informierten sich beim ZEN – und im Herbst 2014 war die Hackschnitzelheizung fertig, das erste Haus angeschlossen. Derzeit werden 17 Häuser versorgt, drei bis vier könnten noch angeschlossen werden. Mit Hackschnitzeln, die der Betreiber in der Region kauft, werden die beiden Heizkessel (je 200 KW Wärmeleistung) betrieben.

Wind- und Sonnenstrom (Köfering)

Windkraft und Sonnenstrom versorgen ein Mehrfamilienhaus in Köfering. Das Windrad mit einer Nabenhöhe von fast 20 und einer Flügellänge von 3,4 Metern liefert 7,5 kWp, die PV-Anlage etwa 4,3 kWp. Der Speicher ist auf 12 kWp ausgelegt, der Warmwasserspeicher fasst 1000 Liter. Spezielle Wechselrichter sichern bei Stromausfall eine Notstromversorgung.

Caritas-Sozialstation und E-Mobile (Hirschau)

Von den 35 Einsatzfahrzeugen der Caritas-Sozialstation „tanken“ bereits zehn nur noch PV-Strom. Da die E-Mobile täglich maximal 80 Kilometer unterwegs sind, brauchen sie keine großen Akkus, werden vorwiegend vormittags gefahren und dann aus der eigenen PV-Anlage auf Hausdächern und Carports geladen. Diese (82 kWp Leistung) erwirtschaftet jährlich einen Überschuss von gut 6000 Euro. Nach den guten Erfahrungen will die Sozialstation ihren E-Mobil-Fuhrpark erweitern. 2014 bis 2017 konnten die Treibstoffkosten von ursprünglich 80 000 Euro jährlich auf die Hälfte reduziert werden.

Auf einer Fläche von 4,5 Hektar stehen östlich von Ebermannsdorf 7720 PV-Module, die 1,8 Megawatt Strom liefern. Damit könnte Ebermannsdorf rechnerisch zu 70 Prozent mit Strom versorgt werden. Hubertus Freiherr von Eyb (rechts) informierte die Teilnehmer der Landkreis-Tour über „seine“ Photovoltaik-Freiflächenanlage.

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