08.01.2021 - 15:55 Uhr
HohenfelsOberpfalz

Vor 70 Jahren wurde Hohenfels wieder Truppenübungsplatz

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Vor 70 Jahren wurde der Übungsplatz Hohenfels erweitert. Seine Vergrößerung 1951 war nicht zum ersten Mal der Grund dafür, dass hier Ortschaften aufgelöst wurden und Menschen ihre Heimat verloren.

Im alten Truppenübungsplatz-Teil liegt die Ortschaft Kirchenödenhart. Sie wurde schon 1938 geräumt. Erhalten geblieben ist nur die Filialkirche von Dietldorf "St. Maria Magdalena".
von Paul BöhmProfil

70 Jahre werden es heuer, dass Hohenfels wieder als Truppenübungsplatz genutzt wird. Mit der Forderung nach einer erneuten militärischen Nutzung des ehemaligen Wehrmachtsübungsplatzes gab es im Jahr 1951 auch die Westerweiterung. Um gut 6000 Hektar wurde der Truppenübungsplatz Hohenfels 1951 erweitert. Verschwunden sind damit aus dem Erweiterungsgebiet die Gemeinden Lutzmannstein, Pielenhofen, Griffenwang und Geroldsee. Auch die Randgemeinden waren von den Gebietsabtretungen betroffen.

Bereits 1937 wurde ein Übungsplatz für das 7. Bayerische Armeekorps nach der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht 1935 in Nazi-Deutschland gefordert. Damals wurden, teilweise unter Druck, 60 Ortschaften und 247 Höfe abgelöst und damit 1622 Menschen in alle Winde verstreut. „Wenn Sie nicht unterschreiben, dann sehen wir uns in Dachau wieder“, soll es damals öfter geheißen haben.

Neue Heimat nach der Flucht

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann man auf dem Wehrmachtsübungsplatz damit, in den ehemaligen Ortschaften Ostflüchtlinge anzusiedeln: Viele dieser Dörfer waren da noch in einem einigermaßen brauchbaren Zustand. Meist waren es Flüchtlinge aus dem Böhmerwald, aus Schlesien, Ostpreußen, Baltendeutsche, Menschen aus dem Egerland und Wolhyniendeutsche, die jedoch in Hohenfels nur vorübergehend eine Bleibe finden sollten.

Noch 1948 glaubte niemand daran, dass die militärische Ära des Geländes nochmals neu aufleben würde. Man begann, mit staatlichen Beihilfen viele Höfe neu zu besiedeln und aufzubauen. In den folgenden Jahren verhärteten sich dann aber die Ost-West-Beziehungen. Der Kalte Krieg und die Koreakrise gaben auch mitten in der Oberpfalz den Ausschlag dafür, dass die in Süddeutschland stationierten Einheiten, speziell die der Seventh United States Army/US Army Europe, einen Übungsplatz suchten.

US-Besuch im Rathaus

Mitten hinein in die laufende Wiederbesiedelung erschienen bereits im März 1951 Zivilbeamte der US-Militärregierung im Hohenfelser Rathaus. Sie interessierten sich für die wirtschaftliche Lage des Hohenfelser Landes und seine Bevölkerungsstruktur. Dieser Besuch hinterließ zunächst den Eindruck, dass er einer allgemeinen Information diente, möglicherweise aber auch im Zusammenhang mit einer US-Wirtschaftshilfe oder dergleichen stehen könnte. Er führte jedoch auch bald zu der Vermutung, dass die Besatzungsmacht sich allgemein über das Hohenfelser Land informieren wollte, um selbst prüfen zu können, ob ihr möglicher Anspruch auf einen Truppenübungsplatz vertretbar und erfolgversprechend sei.

Ehemalige Bewohner treffen sich wieder in Lutzmannstein

Amberg

Doch an die Verwirklichung solch eines Vorhabens glaubte niemand ernsthaft, weil es keiner wahrhaben wollte. Nicht einmal Gerüchte machten die Runde. Und die lokale Zeitung wusste in dieser Zeit nur von Begebenheiten allgemeinen Interesses zu berichten:

  • 3. Mai 1951: in der Ortschaft Pielenhofen wurde der Kirchturm gestrichen.
  • 9. Mai 1951: Protestversammlung in Hohenburg. Sieben Anliegergemeinden fordern die Rückgabe ihrer Grundstücke, die sie 1938 abtreten mussten. Die allgemeinen Entschädigungssummen hatten sie durch Krieg und Währungsreform verloren.
  • Juni 1951: Die Zeitung berichtete wiederholt über die bei Land und Bund vorgebrachten Anträge, die Kreise Parsberg und Neumarkt zu Notstandsgebieten zu erklären.
  • Bei einem „Siedlerforum“ in Nainhof wünschte sich ein Siedler Klarheit über die Eigentumsverhältnisse der geschenkten Amerikakühe und forderte, bei der Kreditgewährung auch zurückkehrende einheimischen Siedler mit einzubeziehen. Ein anderer Siedler erinnerte an das Versprechen des Bayerischen Staatsministers Schlögl bei der Übergabe der 30 Vollbauernstellen in Machendorf, wonach jeder Siedler eine entsprechende Waldzuteilung erhalten solle. Auch die Eigentumsverhältnisse seien noch nicht geklärt. Die Bayerische Landessiedlung solle beim Bund vorstellig werden, um Sondermittel für die Siedler zu bekommen. Vorgesehen waren damals 152 Vollbauernstellen und 27 Nebenerwerbssiedlungen mit insgesamt 3500 Hektar. Weiterhin wurde von den Siedlern gefordert, dass die Waldzuteilung vorangetrieben werden solle. Von insgesamt 1200 Hektar Wald war die Rede.
  • Am 4. Juli 1951 berichtete die Zeitung: „Der 100 stündige Pumpversuch an einem neuen, 91 Meter tiefen Brunnen zur Wasserversorgung der Gemeinde Lutzmannstein hatte Erfolg“. Der Brunnen liegt in einer Talsenke bei Judeneidenfeld, unweit von der Hohenburger Abzweigung nach Velburg.

Ein erster Hinweis in der Zeitung

Eine Meldung in der Parsberg-Hemauer Umschau „Wird Hohenfels wieder Truppenübungsplatz?“ war ein erster Hinweis und ließ aufhorchen. Im Juni 1951 forderte die Besatzungsmacht für ihre im süddeutschen Raum stationierten Truppen der 7. US-Army von der Bundesrepublik Deutschland mit Nachdruck die Abtretung eines Truppenübungsplatzes. Nachdem die Amerikaner Hohenfels und Wildflecken zunächst abgelehnt hatten, kündigten sie den Zusammentritt einer Kommission zur Festlegung der Grenzen des von ihnen gewünschten Truppenübungsplatzes Hammelburg an. Unter dem Eindruck der Koreakrise pochten die Amerikaner auf eine schnelle Entscheidung der Deutschen für weitere Übungsplätze.

Das erste Angebot für einen Übungsplatz, der den Umfang des ehemaligen Wehrmachtsübungsplatzes von etwa 10.200 Hektar weit überstieg, lehnten die Amerikaner ab. Trotzdem rückte Hohenfels als Ersatz für Hammelburg bei den zuständigen deutschen Regierungsstellen immer mehr in den Vordergrund. Zurückblickend erscheint es nicht ausgeschlossen, dass das Bundeskanzleramt nicht nur die künftige politische Entwicklung zur berücksichtigen hatte, sondern dass auch die ihm sicher bekannte, schwierige und kostenintensive wirtschaftliche Entwicklung dieses Gebietes eine maßgebliche Rolle spielte.

Erweiterung wird Thema

Am 25. Juli 1951 berichtet der Bundestagsabgeordnete Karl Kahn (CSU) aus Regensburg bei einer Versammlung in Parsberg, dass die Entscheidung für Hohenfels noch nicht gefallen sei. Doch auch wenn heute die Amerikaner von der Beschlagnahme abgesehen hätten, sei die Sache deshalb noch nicht ad acta gelegt, soll er damals gesagt haben. Zu 90 Prozent aber sei Hohenfels vorerst nicht mehr als Übungsplatz vorgesehen. Sollte jedoch der deutsche Verteidigungsbeitrag Wirklichkeit werden, so werde für deutsche Truppen nachfolgender Jahre ein Übungsplatz benötigt, bei dem nur auf bereits bestehende Anlagen zurückgegriffen werden müsse. Dann wäre auch Hohenfels wieder ein Thema.

Eine erneute Besprechung am 31. Juli mit der Dienststelle Blank machte dann sehr schnell deutlich, dass Hohenfels als Ersatz für Hammelburg sehr wohl ernsthaft erwogen wurde. Dass es nicht bei dem bisher bekannten Ausmaß bleiben würde, wenn der Platz für schwere Artillerie und Panzerwaffen verwendetet werden sollte, war abzusehen: Eine Ausweitung auf 20 bis 25 Kilometer Länge und 10 bis 15 Kilometer Breite wäre unbedingt notwendig. Auch eine verfasste Denkschrift der Landräte von Parsberg und Neumarkt sollte die Entscheidung dann nicht mehr stoppen können. Eine angedachte Nordausdehnung, hinein in den Hirschwald, war von der Dienststelle Blank bereits im Vorfeld verworfen worden.

Auf einmal geht es ganz schnell

Bereits am 7. August 1951 beschlossen dann in Amberg Vertreter der 7. US-Army, des Military Post Nürnberg, des Landes Bayern, der örtliche Kreis-Resident-Officer und der Bonner Regierungsbehörde EUCOM die Westerweiterung des Hohenfelser Übungsplatzes. Damit war Fakt: Der alte Wehrmachtsübungsplatz von etwa 10.200 Hektar Größe wird nach Westen hin um weitere 6000 Hektar erweitert. Die Amerikaner drängten dabei auf eine sehr schnelle Ablösung. Als Termin war der 15. November 1951 gesetzt.

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