28.10.2019 - 17:13 Uhr
HohenfelsOberpfalz

Geheimnisse des Übungsplatzes Hohenfels: Orient-Café und ein Stück Autobahn

Eine Tour der Feuerwehr Allersburg-Berghausen durch den Truppenübungsplatz Hohenfels erlaubt ungewöhnliche Einblicke. Hier, im militärischen Sperrgebiet, gibt es sogar ein Stück Autobahn.

Normalerweise hat die Öffentlichkeit hier keinen Zutritt: Die Feuerwehr Allersburg-Berghausen hatte eine Tour durch den Übungsplatz Hohenfels organisiert.
von Paul BöhmProfil

Die Feuerwehr Allersburg-Berghausen hatte eine Truppenübungsplatz-Rundfahrt organisiert. Beeindruckend war für viele Teilnehmer der Spaziergang hinauf in das ehemalige Juradorf Lutzmannstein über einen herbstbunten Blätterteppich am Fuß des Schlossberges samt einer Führung von Norbert Wittl vom Hohenfelser Büro für Öffentlichkeitsarbeit.

Vorangegangen war die Fahrt durch den Nainhof, vorbei am Hauptquartier des US-Kommandeurs, an Kindergarten, Schule, Feuerwehr und natürlich dem Burger King, ehe man das Feldlager Albertshof durchstreifte. Norbert Wittl erzählte dazu Wissenswertes, etwa zur großen Fahrzeug-Waschanlage oder zu den doch recht rustikalen Unterbringungsmöglichkeiten für die übenden Soldaten.

In der Pfarrkirche St. Maria und St. Lucia fanden die Allersburger ein Allerheiligenlicht, das Unbekannte dort aufgestellt haben.

Dass Hohenfels eine sehr wichtige Ausbildungseinrichtung der US Army ist, zeigt sich auch daran, dass nicht nur in Europa stationierte US-Soldaten üben. „Es kommt mehrmals im Jahr vor, dass auch Truppenverbände und Einheiten der Nato und ihrer Verbündeten nach Hohenfels zum Trainieren kommen. In Hohenfels ist es nicht der scharfe Schuss, sondern die realitätsnahe Gefechtsfeldausbildung, für die das über 16000 Hektar große Terrain genutzt wird“, erzählte Norbert Wittl.

200 Kilometer Panzerstraßen

Nach der Überquerung des Schwender Dammes hatte man einen schönen Blick über große Teile des Lager-Innenbereiches und seiner Infrastruktur. Von der Teerstraße führen Wege kreuz und quer durch das Gelände. „Mehr als 200 Kilometer dieser Panzerstraßen werden von unserem Bauhof am Standort mit gepflegt.“

Ein Stück Autobahn für besondere Ausbildungs-Szenarien weckte ebenso das Interesse der Teilnehmer, wie die Fahrt durch mehrere Ortschaften mit orientalischem Einschlag. Die Gruppe konnte sich die einen knappen Kilometer lange Feldlandebahn anschauen und im großen Übungsdorf beim Café Aladin ein wenig flanieren - auch wenn sie dort vor verschlossenen Türen stand.

Über Enslwang und Schwend führte der Weg nach Raversdorf in die Hohenburger Ecke. Von der ehemaligen Ortschaft Kittensee sieht man so gut wie gar nichts mehr, weil das schul- und pfarrmäßig nach Pielenhofen zugegliederte Dorf inmitten einer Panzerschießbahn lag. Heute prägen neue Häuser und Gehöfte das Dorf mit seinem Minarett. Bestaunen konnte man aber auch die Unbekümmertheit mancher Rotwildherde, die in der Dämmerung zum Äsen auf die Freiflächen kommt.

Galerie aus Sterbebildern

Auf dem Weg nach Schmidheim erzählte Norbert Wittl aus dem Leben der hier früher wohnenden Menschen und auch manche Anekdote dazu. Interessant war für die Tour-Teilnehmer noch ein Blick in das ehemalige Dorfkirchlein St. Bartholomäus. Dort haben die ehemaligen Schmidheimer eine kleine Ahnengalerie an Sterbebildern zusammengetragen. Mit der Kirchweih im Dorf erinnern die Schmidheimer im Juli jedes Jahres an ihr einst großes Fest. „Da kommen sie alle zusammen“, erzählte Norbert Wittl. Gleich neben dem Kirchlein findet man auch noch die Ruinen des ehemaligen Brauereigebäudes, der Familie Rödl, die das Schicksal im Herbst 1951 ins Niederbayerische verschlagen hat. Für ein paar Stunden kommen sie einmal im Jahr zusammen, und es spielt eine zünftige Kirwamusik, so wie es früher einmal gewesen ist.

Die ehemalige Pfarrkirche St. Maria und St. Lucia in Lutzmannstein hat wieder ein Dach bekommen. Darüber haben sich die Allersburger bei ihrem Rundgang durch das einstige Dorf besonders gefreut.

Norbert Wittl erzählte auch aus der Geschichte des Romans „Wolfsgrund“, den die Autorin Gerda Stauner im Frühjahr dieses Jahres auf dem kleinen Dorfplatz direkt zwischen Kirche und Wirtshaus vorgestellt hat. Es ist eine Erzählung von Ludwig, dem Wirtssohn, und von dem Bauernmädchen Agathe, die sich immer heimlich nach dem Gebetläuten hinter der Kegelbahn getroffen haben. Eine immer wieder aufflammende Liebesgeschichte, die schon so machen Leser in ihren Bann gezogen hat.

Der Roman "Wolfsgrund"

Hohenfels

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