15.09.2020 - 16:34 Uhr
HohenfelsOberpfalz

Truppenübungsplätze: Hunderttausende Euro für mehr Unabhängigkeit von den USA

Ein Truppenabzug der Amerikaner hätte weitreichende Folgen für die Region. Um die Gemeinden rund um die Übungsplätze zu stärken, macht der Freistaat Hunderttausende Euro locker, wie Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ankündigt.

Ein Truppenabzug der Amerikaner hätte weitreichende Folgen für die Region.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Ob die Amerikaner nun große Teile ihrer Truppen aus Deutschland abziehen – ungewiss. Vorbereitet wollen der Freistaat und die umliegenden Gemeinden der Übungsplätze Grafenwöhr und Hohenfels dennoch sein. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, Stefan Braun als stellvertretender Landrat sowie mehrere Bürgermeister aus der Region trafen sich deshalb am Dienstagvormittag zu einem Runden Tisch im König-Ruprecht-Saal.

Ergebnis: Der Freistaat zeigt sich spendabel und will den „Truppenübungsplatz-Anrainerkommunen eine Perspektive geben“, wie Aiwanger erklärte. Konkret sollen „jährlich mehrere Hunderttausend Euro“ in Personal fließen, das sich um die Themen Flächen- und Reginalmanagement kümmert. Gewerbeansiedlungen sollen laut dem Wirtschaftsminister optimiert, Leerstände erfasst und mögliche Investoren gefunden werden. „Es geht darum, ganz konkret anzustoßen, dass wir gezielt Firmen ansiedeln, Leerstand abarbeiten, sich neue Menschen in heute leerstehenden Objekten ansiedeln. Das wird am Ende Hunderte Arbeitsplätze in die Region bringen“, so Aiwanger.

"Wollen 2021 durchstarten"

Das Geld soll zunächst einmal in den kommenden drei Jahren fließen. Für das Regionalmanagement beziehungsweise das Personal soll es eine 90-prozentige Förderung geben. Aiwanger betonte, dass diese Maßnahme unabhängig von der Entscheidung der Amerikaner greift: "Dieses Thema haben wir schon angeschnitten, als diese Hiobsbotschaft aus den USA (der mögliche Truppenabzug) noch nicht hier war. Wir wollen unsere eigene Entwicklungsperspektive setzen - nicht nur von amerikanischen Entscheidungen abhängen."

Darauf angesprochen, wie die Vertreter der Kommunen auf die Lösungsansätze reagiert hätten, erklärte Aiwanger: "Wir sind eigentlich nur auf Euphorie gestoßen." Tatsächlich lobte Stefan Braun in seiner Funktion als stellvertretender Landrat das Vorhaben: "Für den Landkreis und die Anrainergemeinden ist das absolut zufriedenstellend. Wir sind einen wesentlichen Schritt vorangekommen."

Braun erhofft sich vom Regionalmanagement, dass Arbeitsplätze in der Region gehalten und vielleicht sogar neue generiert werden. Nun gehe es darum, dass sich die Gemeinden zusammensetzen und Ziele formulieren: "Wo wollen wir uns verbessern? Wo können wir uns weiterentwickeln?" Ziel sei es, Ende des Jahres die Anträge für das Personal zu stellen, für dessen Förderung es beim Runden Tisch die Zusage auf einen positiven Bescheid gab. "Anschließend wollen wir 2021 durchstarten, um auch konkret in die Umsetzung zu gehen", sagte Braun. Der stellvertretende Landrat sprach außerdem von der "Hoffnung, dass der Truppenabzug nicht zum Tragen kommt". Sollte das dennoch der Fall sein, müssten Sondermaßnahmen getätigt werden - etwa Behördenverlagerungen, Sonderförderprogramme oder Wirtschaftsförderung. Auch das sei am Dienstag bereits "andiskutiert" worden. Vertreten waren die Bürgermeister der elf Gemeinden Auerbach, Edelsfeld, Freihung, Hohenburg, Kastl, Königstein, Schmidmühlen, Kirchenthumbach, Weiherhammer, Burglengenfeld und Kallmünz, die sich im "Aktionsbündnis für mehr Wertschätzung der Truppenübungsplatzanrainer" zusammengeschlossen haben.

Aiwanger in Vilseck

Der Wirtschaftsminister wird sich bereits am Donnerstag erneut mit dem Thema beschäftigen. In Vilseck - die Stadt würde ein Truppenabzug der Amerikaner besonders hart treffen - sucht Aiwanger das Gespräch mit Bürgermeister Hans-Martin Schertl und den Stadträten.

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger lässt den Kommunen rund um die Truppenübungsplätze Hohenfels und Grafenwöhr in den kommenden Jahren mehrere Hunderttausend Euro zukommen. Dieses Versprechen gab er im Anschluss an einen Runden Tisch im König-Ruprecht-Saal im Landratsamt Amberg-Sulzbach.
Grafenwöhr
Kommentar:

Resistenz gegen zukünftige Krisen

Wie gut Bund und Länder Krisen meistern können, haben sie in den vergangenen Monaten bewiesen. Obwohl Corona mit voller Wucht die Wirtschaft traf, steht Deutschland im internationalen Vergleich noch recht gut da – den relativ geringen Infektionszahlen und der Kurzarbeit sei Dank.
Der Truppenabzug der Amerikaner könnte aber vor allem der Region einen zweiten heftigen Schlag verpassen. Noch ist zwar ungewiss, ob die USA tatsächlich Ernst machen und ihre hochmodernen und strategisch günstig gelegenen Übungsplätze selbst schwächen. Dennoch sind die jetzt eingeleiteten Maßnahmen des Freistaats und der Gemeinden richtungsweisend und richtig. Mehr Unabhängigkeit von den Amerikanern bedeutet, in Zukunft resistenter gegen Krisen und die Launen eines (vielleicht noch weitere vier Jahre regierenden) Donald Trumps zu sein.

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