Die weit verzweigte Familie der Kemnather in der mittleren Oberpfalz

Wer sich mit der Geschichte der mittleren Oberpfalz beschäftigt, stößt unweigerlich auf die weit verzweigte Familie der Kemnather. Die taucht namentlich 1150 erstmals auf.

Bei dieser Ansicht aus den 1960er-Jahren war der Zustand des damals noch bewohnten, ehemaligen Landsassenschlosses in Hohenkemnath noch einigermaßen in Ordnung. Wer holt nun das heruntergekommene Schloss aus seinem Dornröschenschlaf?
von Josef SchmaußerProfil

Von Heimatpfleger Josef Schmaußer

Der ehemalige Amberger Schulrat und Heimatforscher Hans Jungwirth (7.11.1894 – 23.2.1976) hat vor Jahrzehnten alle Quellen mit Literaturangaben rund um die weit verzweigte Familie der Kemnather zusammengestellt. Dieter Dörner, Sprecher der Heimatpfleger in der Region, bekam die kleine Mappe aus dem Nachlass des ehemaligen Heimatpflegers der Stadt Amberg, Otto Schmidt, und reichte sie wiederum an seinen Hohenkemnather Kollegen Josef Schmaußer weiter. Er hat die akribisch geordneten Quellen durch eigene Recherchen ergänzt.

Erstmals wird 1150 mit Gotfridus de Chemenaten ein Kemnather genannt. Leider fehlt hier eine Ortsangabe. Wenig später, 1184, 1294, 1322 finden sich Mitglieder der Kemnather in Sandersdorf, Sulzbach, Rosenberg, Neidstein, Hauseck (bei Holnstein) Kirchenreichbach, Lutzmannstein (1332), Hohenburg, Laber, Ebermannsdorf, Wingershof (Amberg), Ebermannsdorf, Theuern, Pfaffenhofen, Kloster Pielenhofen an der Naab, Breitenstein, Helfenberg und in „Kemnath in (auf) der Höh“, Hohenkemnath.

Die Kemnather in Hohenkemnath

Der Ort Hohenkemnath wird erstmals 1283 urkundlich erwähnt. In dieser Zeit werden Ministerialen von Herzog Ludwig dem Strengen für Hohenkemnath bezeugt, und der Kurfürst in Amberg übergab einem Mitglied der weit verzweigten Familie der Kemnather, Stephan von Kemnath, das Landsassengut Hohenkemnath zur Verwaltung. Archäologe Dr. Mathias Hensch ist der Ansicht, dass das in einer Schenkungsurkunde von 1009 (Kaiser Heinrich II.) erwähnte „Keminata“ mit Hohenkemnath gleichzusetzen sei. Falls sich diese Hypothese bei weiteren Forschungen erhärten würde, wäre das für das Pfarrdorf eine Sensation.

Der Name des Dorfes lautet in den ältesten Urkunden „Chemnaten apud Amberg“ und „Kemnathen superior“. Später finden wir „Kembnath uff der Höch“ und „Hohen Kemnath“. „Kemnath“ wird von dem lateinischen „caminata“, mittelhochdeutsch „cemenatee“, abgeleitet und bedeutet „ein mit einer Feuerstelle versehenes Gemach“. Wahrscheinlich verdankt Hohenkemnath seine Entstehung der Nähe an der südlich am Ort vorbeiführenden „Hohen Straße“. Interessant ist auch die Lage an der Bistumsgrenze zu Eichstätt (Interessensphäre der Franken – Bayerische Herzöge in Regensburg).

Die Legende von den Eiern

1313 wird Chunrat (Konrad) Kemnather in einer Urkunde des Klosters Kastl als Zeuge benannt. Im gleichen Jahr wird über Rudger und Konrad Kemnather berichtet: „An dem gerit bei Gammelsdorf nahmen auch die beiden Brüder teil.“ In der am 9. November 1313 geschlagenen Schlacht siegte der oberbayerische Herzog Ludwig IV, (reg. 1294-1347, später Kaiser Ludwig der Bayer) bei Gammelsdorf (Landkreis Freising) über das österreichische Heer. Schon bei der Schlacht von Gammelsdorf stand der berühmte Feldhauptmann Seyfried Schweppermann auf der Seite Ludwig des Bayern und fiel durch besondere Tapferkeit auf. Die Legende von den Eiern („Jedem Mann ein Ei, dem frommen oder braven (tapferen) Schweppermann aber zwei“) wird jedoch der Entscheidungsschlacht um die Kaiserkrone 1322 bei Mühldorf, „der letzten Ritterschlacht“, zugeordnet. Am 7. Mai 1316 erhielt Rüdiger der Kemnather für ein im Königsdienst verlorenes Pferd 8 Pfg. auf seinem Hof in Fronberg (bei Hahnbach). 1354 verlieh Kaiser Karl IV. die verbrannte Ruine Hauseck an Konrad Kemnather von Hohenkemnath.

Ein wichtiger Edelmann ist Philipp Kemnather, am 4. Oktober 1523 als Siegler für die Güter „beim Lenzenberg, Haag“ genannt. Über ihn gibt es die meisten Archivalien. 1539 ist er Verwalter des Klosters Kastl. Am 6. November 1577 bietet er dem Kloster Ensdorf einige Lehen zum Kauf an. Am 7. Juli 1585 übergibt er mit „seiner Hausfrau“ dem Sohn Wolf das Schloss und Landsassengut Hohenkemnath mit allen Edelmanns- und Landsassenfreiheiten, niederer Wildbahn, den Rechten älteren Herkommens, Vogelweiden, Vogelherden, Kirchweihschutz samt dem Regelhof und halben Teil des Hegenbergs (heute Heiligenberg nördlich von Inselsberg), desgleichen allen Holzbezirk, dann drei Höfe zu Hohenkemnath, item (ebenso, ferner) den Weiher und Behälter zu Hausen, den Zehent über das ganze Dorf Hohenkemnath, item den Zehent am Stock zu Hausen am Zantner Berg (Stockau?), den Schaftrieb im Ort, die Mannschaften, alle Gülten und Zinsen und das kleine Recht zu Hohenkemnath (hier werden die Höfe angeführt, darunter die Tafern, die Georg Schuller inne hat).

"In Schuldenlast" geraten

Am 17. April 1615 folgt Hans Leonhard Kemnather von „Kemnath uff der Höch“ seinem Vater Wolf. Er war Assessor am Hofgericht zu Amberg. Am 27. Februar 1610 heiratete er Maria Katharina Sauerzapf von Rohrbach. Wolf von Kembnath und Besitzer des Hammers Vilswörth war um 1593 „in Schuldenlast“ geraten und musste 1588 seinen damaligen Besitz Hofmark Zant an die Rummel von Lonnerstadt veräußern.

Nach der Schlacht am Weißen Berg (8. November 1619) zog einer der Sieger, der strenggläubige Katholik Kurfürst Maximilian von Bayern, gleich in die ihm als Dank für seine Waffenhilfe zugesprochene Oberpfalz mit dem Verwaltungssitz Amberg. Eine weitere Folge war für die Bevölkerung ein erneuter Glaubenswechsel. Am 5. Februar 1629 fragt die Amberger Regierung an, ob es dem Leonhard Kemnather zu Oberkemnath wirklich ernst mit seiner Konversion sei, zu der er sich erbietig gemacht habe. Wenn nicht, hat er das Land innerhalb von drei Tagen zu verlassen. Der Hofkastner in Amberg hat mit dem Pfarrer und Johann Leonhard Kemnather verhandelt. Johann Leonhard hat ersucht, der Pfarrer möge seinen Stuhl wieder an den Seitenaltar stellen lassen wie früher. „Er will bis zum 1. Fastensonntag katholisch werden“.

Der Tod klopft an

1630 verkaufte Hans Leonhard Kemnather das Landsassengut Hohenkemnath an seinen Bruder Wolf Philipp. Letzterer hatte Anna Maria Sauerzapf aus der Schönhofener Linie zur Frau. Der Franziskanerpater Buber berichtet am 5. November 1633, dass Wolf Philipp Kemnather katholisch geworden ist. Doch bald klopfte der Tod an. Die Quellen berichten, dass 1633 beide Brüder an der Pest verstarben. Wolf Philipp hinterließ einen Knaben, Wolf Wilhelm. Zu dessen Vormündern wurden Sebastian Wolf Portner zu Theuern und Sigmund Georg von Finsterweiling verpflichtet.

Inzwischen hatte die Witwe Anna Maria Hans Heinrich Schott von Amberg geheiratet. Die finanzielle Lage war schlecht. Das Hohenkemnather Landsassengut kam auf die Gant (Zwangsversteigerung). Endres Haller von Hallerstein ersteigerte das Gut, verkaufte es aber an Johann Benjamin Hopfner, Mitglied des Rates von Amberg.

Familie Haller von Hallerstein

Am 21. November 1632 stirbt Maria Katharina K., die Frau von Hans Leonhard. Für das Geläut in St. Martin zu Amberg waren 5 fl zu entrichten. Der Ehemann „Junker Hans Leonhard Kemanther“ folgte ihr 1639. Am 26. Januar 1647 stirbt auch Anna Maria, die in 2. Ehe mit Hans Heinrich Schott verheiratet war. Am 12. April 1652 wurde die Hofmark Hohenkemnath von Andreas Haller von Hallerstein, auf Prackenfels, Kalchreuth, Drukendorf, Pfleger von Rieden, erworben. Die weit verzweigte Familie Haller von Hallerstein hatte um 1700 auch Besitz in Rieden und Ursensollen.

Alte Jagdgeschichten rund um den Hirschwald

Hirschwald bei Ensdorf
Im berühmten Wappenfries in der Klosterkirche Kastl erscheinen als Wappen die beiden Sicheln/Sensen.
Am 6. Mai 1498 wird Kaspar Kemnather als Siegler bei einem Urfehdebrief genannt. Sein Grabstein im Turm der Pfarrkirche Hohenkemnath. Die Umschrift lautet übersetzt „Gestorben am Montag vor Pfingsten 1512)“.
Das aktuelle Wappen der Gemeinde Ursensollen.
Selbst im heruntergekommenen Zustand drückt das Hauptportal im Osten des in zwei Bauabschnitten entstandenen ortsprägenden Schlosses noch die ehemalige Bedeutung aus.

 

 

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