St.-Wolfgang-Kirche Holzhammer vor 25 Jahren fertiggestellt

Mit viel Engagement, Arbeitseinsatz und Spendenfreude haben sich die Bewohner von Holzhammer vor 25 Jahren einen Traum verwirklicht. Der Bau der St.-Wolfgang-Kirche dürfte einmalig in der Geschichte der Diözese Regensburg gewesen sein.

Die schmucke Dorfkirche in Holzhammer, die die Bewohner des Orts vor 25 Jahren mit vereinten Kräften in nur einem Jahr selbst errichtet haben.
von Autor SHProfil

Was man alles auf die Füße stellen kann, wenn die Dorfgemeinschaft miteinander anpackt, das bewiesen die Holzhammerer in den vergangenen Jahrzehnten beim Bau von Schützenheim, Feuerwehrhaus und Dorfstadel, insbesondere aber mit der Dorfkirche St. Wolfgang, die heuer 25. Geburtstag feiern kann. Die bis zur Gebietsreform 1972 selbständige Gemeinde Holzhammer besaß früher keine eigene Kirche. Die Gläubigen der Ortschaft hielten ihre Sonntags- oder Schulgottesdienste seit Menschengedenken in der dortigen Schlosskapelle ab. Der Schlosseigentümer wollte 1991/92 die Kapelle renovieren, jedoch wurde man sich bezüglich der finanziellen Beteiligung des Dorfes nicht einig.

Da erinnerten sich die Gläubigen an die schon in den 50er-Jahren geborene Idee, eine eigene Kirche zu errichten. Bei einer Dorfversammlung am 18. Mai 1992 in der Gastwirtschaft Prechtl mit 70 Teilnehmern gab es ein Patt, da sich 35 für einen Kirchenneubau und 35 für eine Renovierung der Schlosskapelle aussprachen. Eine daraufhin schriftlich durchgeführte Meinungsumfrage unter den Bürgern ergab eine klare Mehrheit von 144 Stimmen zu 24 Stimmen für einen Kirchenbau.

Nachdem der baufällige Zustands des Glockenstuhls in der Kapelle keine Gottesdienste mehr zuließ und man dafür in den Unterrichtssaal des Feuerwehrhauses ausweichen musste, stand für die 290-Seelen-Gemeinde endgültig fest, ein eigenes Gotteshaus zu bauen. Für dieses Vorhaben gründete man 1992 unter Leitung von Michael Schmidt von der Kirchenverwaltung im Beisein von Stadtpfarrer Josef Gebhardt im Gasthaus Prechtl einen Kirchenbauverein, dem 52 Holzhammerer beitraten. Norbert Friedl wurde dabei zum Vorsitzenden gewählt. Im Laufe der Zeit stieg die Mitgliederzahl bis auf ungefähr 120 an.

Bei der Such nach einem geeigneten Grundstück standen Plätze neben dem Friedhof und in der Eisenstraße zur Diskussion. Grundstücksverhandlungen der Stadt Schnaittenbach mit der Familie Jäger/Stauber in der Eisenstraße verliefen erfolgreich, nachdem der Verein den Standort als ideal eingestuft hatte. Der beauftragte Architekt Josef Hoyer aus Neunaigen stellte drei Kirchenbaumodelle zur Abstimmung vor, wobei die Nummer drei (jetzige Bauausführung mit 20 Meter langem und 11 Meter breitem Kirchenschiff, 22 Meter hohem Turm und fast 140 Plätze für Gottesdienstbesucher bei Baukosten von etwa einer Million Mark die überwältigende Zustimmung fand.

Nach schwierigen Verhandlungen, an denen Architekt Hoyer, Pfarrer Josef Gebhardt sowie Michael Schmidt, Albert Bauer und Norbert Friedl teilnahmen, sowie einem Brandbrief Gebhardts gelang es schließlich, die anfangs skeptische Diözese in Regensburg und die Bischöfliche Finanzkammer vom Kirchenbau zu überzeugen. Und auch das Rosenkranzbeten auf der Fahrt nach Regensburg war erfolgreich, denn man bekam am 18. April 1994 nicht nur das Ja von Regensburg, sondern auch noch die Zusage über einen Zuschuss von 600 000 Mark. Mit der finanziellen Rücklage der Holzhammerer, dem Zuschuss der Stadt, Spenden der Bevölkerung, der umliegenden Pfarreien und Vereinen war bald der finanzielle Grundstock für den Baubeginn gelegt, der am 22. April 1994 mit dem ersten Spatenstich von Landrat Hans Wagner, Bürgermeister Karl Färber und Stadtpfarrer Josef Gebhardt eingeleitet wurde. In nur einem Vierteljahr waren bereits rund 250 000 Mark an Spendengeldern zusammengekommen. Das ganze Dorf und selbst evangelische Christen identifizierten sich mit dem Kirchenbau.

Sternwallfahrt zur Dorfkapelle

Schnaittenbach

Am Pfingstsonntag, 22. Mai 1994, wurde der Grundstein für die Holzhammerer Kirche gelegt, die in beispielloser Eigeninitiative und vereinten Kräften nach nur einem Jahr Bauzeit fertiggestellt werden konnte. Am 20. Juli 1994 wurde der Dachstuhl gehoben und einen Tag später feierte man in der Gastwirtschaft Prechtl Hebmahl. Die vier Glocken mit den Namen St. Wolfgang, Heilige Maria, St. Josef und St. Vitus, allesamt gestiftet, wurden bei der Firma Perner in Passau gegossen und am 23. Oktober 1994 durch Prälat Josef Kett aus Regensburg feierlich geweiht.

Mit Ausnahme von Eingangstür, Fußboden, Glocken und Kirchenuhr wurde dank der ehrenamtlichen Bauspezialisten aus dem Dorf alles in Eigenregie gebaut. Insgesamt 139 Helfer leisteten rund 15 000 unentgeltliche Arbeitsstunden. Tagtäglich arbeiteten bis zu 25 Personen am Kirchenbau, die Arbeiten gingen unfallfrei über die Bühne. Die künstlerische Ausgestaltung des Innenraums mit Altar, Ambo, Tabernakel usw. lag in den Händen von Günter Mauermann aus Weiden, während der im Eigentum der Holzhammerer stehende Kreuzweg und die Gottesmutter von der Schlosskapelle umgesiedelt wurden. Es war ein überwältigendes Ereignis, als 1994 die erste Christmette in der vollbesetzten, aber noch nicht ganz fertiggestellten neuen Kirche gefeiert werden konnte.

Krönender Höhepunkt war die Einweihung der St.-Wolfgang-Kirche am 2. Juli 1995 im Jubiläumsjahr des heiligen Wolfgang, dessen 1000. Todestag die Diözese Regensburg 1994 festlich beging. Bischof Manfred Müller vollzog den Weiheakt und zelebrierte mit etlichen Geistlichen aus der Region Schnaittenbach den Festgottesdienst. Im Juli 1995 wurden die Außenanlagen fertiggestellt und der vom Künstler Mauermann aus Weiden gefertigte Brunnen am Kirchplatz in Betrieb genommen. Die Weihe der Orgel mit 14 Registern aus der Werkstatt der Firma Mattes aus Metten durch Weihbischof Vinzenz Guggenberger erfolgte im Juni 1997.

Bischof Manfred Müller weiht im Beisein von Geistlichen aus der Region Schnaittenbach die Dorfkirche in Holzhammer vor 25 Jahren ein.
Heben des Dachstuhls der Dorfkirche Holzhammer im Juli 1994.
Kircheninnenraum Holzhammer
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