24.01.2019 - 10:51 Uhr
Iber bei HahnbachOberpfalz

Erziehung für junge Obstbäume

Trotz zahlreicher Lehrmeinungen zum Oeschberg-Palmer-Schnitt - in einem sind sich die Experten einig: Der Obstbaum lässt sich nach der Schnittmethode leicht pflegen und bringt guten Ertrag.

Eduard Eckl (links) erklärt den Teilnehmern des Obstbaumschnittkurses zunächst die Grundstruktur des Oeschberg-Palmer-Schnitts.
von Adele SchützProfil

"Uns ist derzeit keine Erziehungsmethode bekannt, nach der so naturnah, nachvollziehbar und erfolgreich alle Obstbäume erzogen werden können, wie nach der Oeschberg-Palmer-Methode", betont Eduard Eckl, stellvertretender Vorsitzender des Bezirksverbands für Gartenbau und Landespflege sowie Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Iber. Als Mitglied des Arbeitskreises Obst im Kreisverband für Gartenbau und Landespflege Amberg-Sulzbach lehrt er die bewährte, effektive Methode in Baumschnittkursen. Die praktiziert er in Iber, insbesondere auf der Vereinswiese des Gartenbauvereins Iber, und Umgebung. Mit Erfolg.

Viele Lehrmeinungen

Der sogenannte Oeschbergschnitt ist in den 1920er Jahren in der Schweiz erwachsen. In den 1950er Jahren wurde er von Helmut Palmer auch in Deutschland verbreitet und ausgebaut. In den letzten Jahren wird diese Schnittmethode auch in Bayern verstärkt gelehrt und gilt bei staatlichen Einrichtungen, wie Triesdorf und Deutenkofen, als allgemeine Lehre.

Eduard Eckl bedauert aber, dass sich inzwischen verschiedene Lehrmeinungen zum Oeschberg-Palmer-Schnitt entwickelt haben, die zum Teil stark voneinander abweichen. Oft wird, nach seinen Aussagen, der Oeschbergschnitt gar nicht mehr genannt oder bewusst verschwiegen.

Auch neue Namen würden erfunden, wie beispielsweise Pyramidenkrone oder Rundkrone. Diese schwammigen Begriffe will Eckl nicht verwenden, weshalb sich der Kreisverband für Gartenbau und Landespflege Amberg-Sulzbach an dem ursprünglichen Namen und deren Entwickler orientiert. In seinem Wirkungskreis werde beim Schnitt junger und alter Obstbäume der Oeschberg-Palmer-Schnitt angewandt und in Obstbaumschnittkursen als Methode für die Erziehung und den Schnitt großkroniger Obstbäume gelehrt.

Kennzeichnend für den Oeschbergschnitt ist der Aufbau der Obstbaumkrone. Er ähnelt einer jungen Naturkrone und bleibt über die gesamte Lebensdauer des Baumes erhalten. Er entspricht dem natürlichen Wachstumstrieb des Obstbaums und hilft, den späteren Schnittaufwand unter anderem durch die Vermeidung überbauender Kronenpartien zu reduzieren.

Beim Oeschberg-Palmer-Schnitt werden junge Obstbäume in den ersten acht bis zwölf Jahren jährlich geschnitten. Nach dieser Phase können die Schnittintervalle auf einen mehrjährigen Rhythmus von etwa zwei bis drei Jahren verlängert werden. Dieser kann, je nach Sorte und mit fortschreitendem Alter des Baumes, ausgedehnt werden. Was im Jugendstadium des Obstbaumes nicht konsequent geformt wird, lässt sich später nur mit großem Aufwand korrigieren.

Charakteristisch für Obstbäume, die nach Oeschberg-Palmer erzogen werden, sei laut Eckl der breite Wuchs mit steilen Leit-Ästen, eine Hauptertragszone im unteren Bereich der Baumkrone und ein dadurch statisch günstiger, tiefer Schwerpunkt des Baumes. Dies ermögliche ein leichtes Ernten des Obstes ohne hohe Leitern. Das stabile Kronengerüst erlaube auch im Voll-Ertrag einen Verzicht auf Stützen.

Hohe Obst-Qualität

Eine optimale Belichtung sämtlicher Äste führt zu hoher Obst-Qualität und guter Ausreife der Früchte. "Die gute Durchlüftung der gesamten Baumkrone beschleunigt ein Abtrocknen der Blätter und Früchte und beugt Pilzkrankheiten vor", erklärt Eckl. Ein weiterer großer Vorteil des Oeschberg-Palmer-Schnittes sei, dass er leicht zu lernen sei. "Mittlerweile hat sich der Oeschberg-Palmer-Schnitt in Fachkreisen als empfehlenswerte Methode für die Erziehung und den Schnitt von hochstämmigen Obstbäumen auf Streuobstwiesen weitgehend durchgesetzt", sagt Eckl erfreut.

Streuobstwiesen, die lange Zeit ungepflegt waren, könnten mit der Oeschberg-Palmer-Methode saniert werden. Obstbäume, die nach anderen Erziehungssystemen geschnitten wurden, oder Altbäume ohne erkennbare Kronenstruktur lassen sich laut Eckl auf eine Kronenstruktur, die sich an den Prinzipien und Kenntnissen des Oeschbergschnitts orientiert, umstellen. Eckl betont: "Diese in der Regel über mehrere Jahre in Etappen durchgeführte Umstellung der Baumkrone bringt eine Verbesserung der Baumstatik und meist eine deutliche Vitalisierung des Baumes mit sich. Diese wirkt sich auf die weitere Lebenserwartung der meist älteren und oft vergreisten Obstbäume positiv aus."

Bester Schnittzeitpunkt

Der beste Schnittzeitpunkt für den Pflege- und Überwachungsschnitt sind die Wintermonate bis zum zeitigen Frühjahr. Geschnitten wird nur an frostfreien Tagen. Sind größere Eingriffe am Baum notwendig, ist der Sommerschnitt die bessere Variante. Er erfolgt je nach Sorte von Anfang bis Ende August.

Der Arbeitskreis Obst hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Baumschnitt-Methode in ihrer modernsten Form nach Helmut Palmer weiterzugeben. Das Hauptmerkmal des Palmer-Schnitts ist das Umkehr-Auge-Verfahren. Diese Methode ist Grundlage für jedes gute, selbsttragende Leit-Ast-System. Mit dem Verfahren lässt sich ein Trieb - unter Ausnützung des natürlichen Wachstums - in die gewünschte Richtung ableiten.

Das Fazit zum Öschbergschnitt: Auf diese Weise erzogene Bäume, mit einem tragfähigen Gerüst aus der Stammverlängerung, den Leit-Ästen und den begleitenden Frucht-Ästen, benötigen bei Voll-Ertrag keine Stützen. Der einmal erzogene Oeschbergkronenaufbau kann dem Baum während seines ganzen Lebens durch Verjüngung bewahrt werden. Der Baum bereitet seinem Besitzer für immer große Freude. Er lässt sich leicht pflegen und das Obst gut abernten. Darin sind sich die Experten einig. (ads)

Informationen:

Nachschlagewerk

Beim Arbeitskreis Obst ist man überzeugt davon, dass nur fundiertes Grundwissen es erlaubt, individuelle oder sortenbedingte Abweichungen zu meistern. Um dieses Wissen vielen Baumfreunden zu vermitteln, hat er mit Unterstützung von Fachleuten aus Baden-Württemberg Schulungsunterlagen erstellt. Diese Schritt-für-Schritt-Anleitung dient als Nachschlagewerk während der mehrjährigen Erziehungsphase und späteren Baumpflege.

Wer sich den Oeschbergschnitt ohne Kurs zutraut, kann die Broschüre beim Kreisverband oder beim Gartenbauverein Iber per E-Mail an re.eckl[at]gmail[dot]com anfordern.

Im Kreisverband finden außerdem in diesem Jahr wieder mehrere Kurse statt. Diese werden von den jeweiligen Gartenbauvereinen veranstaltet. Interessenten können sich an ihren örtlichen Verein wenden. (ads)

Fruchtspieße bleiben erhalten. Quer wachsende Triebe werden im Jugendstadium komplett entfernt.
Eduard Eckl wählt die Augen für den Leit-Ast-Fortsatz und den ersten begleitenden Frucht-Ast aus. Das Auge für den Leit-Ast-Fortsatz sollte möglichst so gewählt werden, dass er in die gleiche Richtung wie der Leit-Ast wächst.
Der nach außen wachsende Fortsatz des Leit-Astes und der senkrecht stehende Gegentrieb sind hier gut erkennbar. Der Gegentrieb wird beim Frühjahrsschnitt entfernt.

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