Hopfen ist gleich Hallertau. Das denkt fast jeder. Nur wenige wissen, dass vorher neben Franken die Oberpfalz das größte Hopfenanbaugebiet in Deutschland war. In Illschwang hat man 1990 wieder einen kleinen Hopfengarten angelegt – zur Erinnerung an den im Jahr 1939 aufgegebenen Hopfenanbau. Der örtliche Gartenbauverein pflegt seither den Hopfengarten. Auch die alte Hopfenscheune konnte erhalten und zum Museum ausgebaut werden.
Bier, für das Hopfen benötigt wird, gibt es in Bayern erst seit dem 15. Jahrhundert. Davor war Bayern Weinland. Und erst das Bayerische Reinheitsgebot von 1516 schrieb die Verwendung von Hopfen zur Verbesserung der Haltbarkeit des Bieres vor. Bis dahin verwendete man dafür auch Bilsenkraut, Wermut oder Seidelbast.
Handel nach Übersee
Bei der Ernte haben es die Bauern auf die weiblichen Blüten abgesehen. Bevor sie den reifen Hopfen ernten können, ist einiger Aufwand erforderlich. „Der Hopfen will jeden Tag seinen Herrn sehen“, sagen die Hopfenbauern. Das soll heißen, dass man sich jeden Tag um das Gewächs kümmern muss. Kein Wunder, dass die Bauern der neuen Pflanze anfangs skeptisch gegenüber standen. Hopfen wurde vor allem aus Böhmen bezogen. Erst Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts wurde in der Oberpfalz der Hopfenanbau eingeführt. Schnell wurde die Region um Sulzbach und Amberg zum größten Hopfenanbaugebiet in Deutschland. Im Jahr 1850 hob man das „Schwefelverbot“ auf, so dass der Hopfen durch Schwefeln haltbar gemacht werden konnte. Seit dieser Zeit war es möglich, ihn auch nach Übersee zu verkaufen. Nürnberg entwickelte sich zum größten Hopfen-Handelszentrum der Welt.
Doch lange währte die Blüte des Oberpfälzer Hopfenanbaus nicht. Die Hallertau trat in den Wettbewerb ein. Dort gab es die besseren Böden, und die Bauern waren reicher. Sie konnten eine der häufigen Missernten besser wegstecken. Auch stellten sie bald auf modernere Anbautechniken um. Um 1900 führten sie den Drahthopfen ein. Bei der Ernte stellten sie auf Akkord um.
Der Erste Weltkrieg
Als die Landwirte im Ersten Weltkrieg Getreide bevorzugt anbauen mussten, erholte sich der Oberpfälzer Hopfenanbau nicht mehr. Nach dem Zweiten Weltkrieg war endgültig Schluss. Lediglich im benachbarten Hersbruck gibt es heute noch einen kleineren Hopfenanbau (0,4 Prozent der deutschen Produktion). Auch im mittelfränkischen Spalt hat sich eine Nischenproduktion (2 Prozent) erhalten. Ansonsten kommt der Hopfen inzwischen zu 83,7 Prozent aus der Hallertau. Lediglich Tettnang (6,7 Prozent) und das Gebiet Elbe-Saale (7,5 Prozent) haben noch eine nennenswerte Hopfenproduktion. In Deutschland liegen etwa 35 Prozent der weltweiten Anbaufläche für Hopfen, gefolgt von den USA und Tschechien.
Das Hopfenmuseum in dem ehemaligen Hopfenstadel in Illschwang zeigt den Weg des Hopfens vom Anbau bis zur Ernte. Es ist von Mai bis Oktober sonntags und nach Vereinbarung von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Auch im Oberpfälzer Freilandmuseum in Neusath bei Nabburg wird Hopfen angebaut. In diesem Jahr wird dort bei einem Aktionstage am Sonntag, 16. September, das Hopfenzupfen gezeigt.
Der Hopfen
Der Hopfen (Humulus lupulus) gehört zur Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae), wenn auch seine Wirkung bekanntlich eher eine beruhigende ist. Die Hopfenbitterstoffe werden in Drüsen an den weiblichen Blüten erzeugt. 95 Prozent der Hopfenherstellung werden für die Bierproduktion verwendet. Hopfen verleiht dem Bier seine Bitterkeit und macht es haltbarer. Hopfen ist ein Rankgewächs und klettert bis zu acht Meter in einer Vegetationsperiode. Zwar stirbt die ganze Pracht im Winter ab, im Frühjahr treibt der Hopfen aber wieder aus dem Stock. Man kann den Hopfen übrigens auch in ein Kissen einnähen. Angeblich schläft man darauf stets sanft ein.

















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