23.05.2019 - 08:00 Uhr
IllschwangOberpfalz

Frauen an die Macht!

In unzähligen Autowerkstätten sind Hebebühnen und Reifenmontiermaschinen von "ATH Heinl" zu finden. Das Unternehmen steht aber nicht nur für eine erfolgreiche Geschäftsidee, sondern auch für einen gelingenden Generationswechsel.

Corinna Heinl (links) und Anja Antikidis-Heinl: Die beiden Schwestern haben schon früh Verantwortung im elterlichen Betrieb übernommen.
von Christian LinglProfil

Das Unternehmen "ATH Heinl" entwickelt, produziert und handelt mit Werkstattausstattungen - für Kfz-Werkstätten vorrangig Hebebühnen und Reifenmontiermaschinen. Und Dank der großen Nachfrage nach Heinl-Produkten benötigt das Unternehmen mehr Platz und zieht derzeit von Kauerhof (bei Sulzbach-Rosenberg) ins nahe Illschwang um. Angefangen hatten Hans Heinl und seine Frau Evi bereits 1991 - zunächst als kleiner Familienbetrieb und vom eigenen Wohnhaus aus.

"Es kam mehr als einmal vor, dass wir Lieferungen oder Kundengespräche entgegennahmen", erinnern sich auch die heute längst erwachsenen Töchter Corinna und Anja an die Anfänge zurück. In die Zeit der Unternehmensgründung fiel die Wiedervereinigung. "Das kam uns zu Gute", sagt Hans Heinl ganz offen.

Eigene Produktlinie ab 2003

Mit seiner ersten eigenen Produktlinie startete der Familienbetrieb, der bis dahin ein reines Vertriebsunternehmen war, erst im Jahre 2003. Zwei Jahre zuvor waren die beiden Geschäftsleute in den Internet-Handel eingestiegen. Auch hier hatte Hans Heinl wieder den richtigen Riecher: "Das Business-to-Business-Geschäft im Internet gab es damals noch so gut wie gar nicht." Dafür seien sie anfangs belächelt worden - genauso wie für die Idee, alle Heinl-Produkte in China fertigen zu lassen. "Schlechte Qualität", lautete das damals gängige Vorurteil.

Von wegen: "In China bekommt man, wofür man bezahlt", hält Hans Heinl selbstbewusst dagegen. Der Erfolg gibt den Oberpfälzern recht: "Heute liegt unsere Firma in Kundenzufriedenheits-Umfragen immer im vorderen Bereich", sagt Anja Antikidis-Heinl. In der Oberpfalz freilich werden die Produkte entwickelt, montiert, an Kundenwünsche angepasst und verschickt.

Trotz des prosperierenden elterlichen Betriebs war es für die ältere Tochter Anja zunächst nicht selbstverständlich, gleich im Unternehmen zu arbeiten: "Ich habe mich zunächst für ein Studium der Betriebswirtschaftslehre entschieden."

Für die jüngere Tochter Corinna hingegen war - nach einer Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau - der Weg in die Firma vorgezeichnet. Im Jahr 2006 stieg sie ein. Nach verschiedenen Stationen bei anderen, weitaus größeren Unternehmen kam 2007 dann auch Anja in den elterlichen Betrieb. Im selben Jahr bezog "ATH Heinl" auch den Gebäude-Komplex in Kauerhof.

Feste Aufgabenbereiche

"Chef", das war beiden Schwestern klar, "können wir aber in der Firma nicht spielen. Jede von uns hatte und hat ihren festen Aufgabenbereich." Dank der Erfahrungen, die sie vor dem Einstieg sammeln konnten, bekamen sie jedoch von ihren Eltern die Möglichkeit, Neuerungen umzusetzen. So wurde im Jahre 2012 SAP in der Firma eingeführt. Für eine Firma in der damaligen Größe von "ATH Heinl" eher ein Novum, aber unabdingbar für weiteres Wachstum. Weitere zwei Jahre später, im Jahr 2014, überschrieben die Eltern, die beide zu diesem Zeitpunkt noch keine 60 Jahre alt waren, den Betrieb dann vollständig an die beiden Kinder. "Natürlich haben auch praktische Überlegungen bei der Entscheidung eine Rolle gespielt", geben die Eltern zu. "Es stand einen Novellierung des Erbschaftsrechts auf der politischen Agenda."

Aber die Weitsicht der beiden Gründer hinsichtlich der Unternehmensfortführung war an dieser Stelle die eigentliche Triebfeder. Da beide Töchter inzwischen verheiratet waren und Familie hatten, war der Prozess der Unternehmens-Übergabe auch von rechtlichen Überlegungen getragen. "Unser Notar, aber auch die Kammer, waren uns dabei eine große Hilfe," resümieren Vater, Mutter und die beiden Töchter. Heute arbeiten Eltern und Kinder als vier gleichberechtigte Geschäftsführer in der Firma. Die beiden Töchter können so die Anforderungen von Familie und Beruf vereinbaren. Auch ein Schwiegersohn, Fabian Heinl, der mit Tochter Corinna verheiratet ist, ist als Prokurist und Vertriebsleiter in leitender Position im Familienbetrieb beschäftigt. "Trotz der vier Geschäftsführerpositionen im Unternehmen sind aber die Hierarchien sehr flach. Die 45 Mitarbeiter verfügen über ein hohes Maß an Eigenständigkeit", so Anja Antikidis-Heinl. Dass das Konzept aufgeht, zeigt die jüngste Entwicklung: In Illschwang werden in diesen Tagen neue Hallen bezogen. Auf 38 000 Quadratmetern Grund hat "ATH Heinl" ein neues Domizil errichtet - mit viel Platz für künftige Erweiterungen.

"Showroom" mit Heindl-Produkten am bisherigen Standort Kauerhof.
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