Illschwang
17.07.2023 - 15:38 Uhr
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Neues Hörspiel aus der Oberpfalz: Der gelbe König bittet zum Gruseln in die Bibliothek

Eine Universitätsbibliothek ist ein ruhiger Ort des Lesens und Lernens. Eigentlich. Im neuen Hörspiel aus dem Hause Yellow King Productions wird daraus allerdings die perfekte Kulisse für unheimliche Begegnungen der schaurigen Art.

Exklusiv für die Hörspielmacher Mario Weiß, Michael Prechtl und Mike Schießl (von links) wurde der Fahrradkeller des HCA-Gymnasiums zur Yellow-King-Fotokulisse. Bild: Marco Räder-Rubenbauer/exb
Exklusiv für die Hörspielmacher Mario Weiß, Michael Prechtl und Mike Schießl (von links) wurde der Fahrradkeller des HCA-Gymnasiums zur Yellow-King-Fotokulisse.

Es war nicht allein die blühende Fantasie, die Autor Oliver Susami zur modernen Horror-Geschichte "S3: Spuk in der Bibliothek" inspirierte: „S3 war ein Buchbereich mit eigenem, düsterem Charakter“, sagt der Autor. Leider oder vielleicht zum Glück für alle, denen das Hörspiel ordentlich die Nackenhaare aufgestellt hat, existiere der echte Schauplatz aufgrund höchst realer Asbestbefunde aber heute so nicht mehr.

Den ersten Grusel-Test bestand der "S3"-Stoff bereits in der Entstehungsphase. Beim Schreiben in den Untergeschossen verschiedener Universitätsbibliotheken habe er sich mehr als einmal umgedreht, weil er dachte, etwas gehört zu haben, bekennt Susami. Geräusche spielen ebenso wie Berührungen von Geisterhand eine zentrale Rolle in seiner Geschichte, die er keinem Buchverlag angeboten hat: "Mir war bewusst, dass ‚S3' kein herkömmlicher Gruselroman, sondern bezüglich der Interview-Form speziell ist." Ein Verlag hätte das womöglich geändert und stromlinienförmiger gemacht. Die 2012 noch relativ neue Möglichkeit des Eigenverlags war daher sein Weg der Wahl: "Zum Glück habe ich in der Self-Publisher-Szene viel Unterstützung erfahren, Kolleginnen und Kollegen standen mir, der ich damals blutiger Anfänger war, mit Rat und Tat zur Seite."

Schwerwiegende Eingriffe in seinen Text musste Susami bei der Hörspiel-Fassung dagegen nicht fürchten: "Ich war von Anfang an involviert, etwa bei der Wahl der Sprecher oder auch bei vermeintlichen Kleinigkeiten wie den Pausen zwischen zwei Sätzen." Als kreativer Kopf von Yellow King Productions in Illschwang habe Mario Weiß stets darauf geachtet, dass der Geschichte keine Gewalt in Form von radikalen Änderungen oder Verkürzungen angetan wird: "Ich hätte nie zu hoffen gewagt, dass jemand so viel Zeit, Sorgfalt und auch Liebe in die Umsetzung einer meiner Geschichten steckt."

Unvergleichbares Mammutprojekt

Dass es in der Tat kein Nullachtfünfzehn-Projekt war, bestätigt Produzent und Regisseur Mario Weiß: "‚S3‘ war vom Umfang und organisatorischen Aufwand her mit nichts bis dato Dagewesenem zu vergleichen." Die Vorbereitung des Skripts, die Planung der Sprachaufnahmen bis hin zur Umsetzung, alles sei wirklich fordernd gewesen. Allein der Schnitt: „Jeden einzelnen Satz zu Dialogen zu basteln, Pausen setzen und verkürzen, das ist schon eine Kunst für sich gewesen“, so Weiß. Konkret summierten sich die zehntausend Schnitte zu einer dreistelligen Stundenzahl an Nachbearbeitung.

Mitunter der Verzweiflung nahe, fand er tatkräftige Unterstützung beim Sulzbach-Rosenberger Michael Prechtl (Mixing & Mastering) sowie beim Amberger Mike Schießl ("S3"-Internetseite). Jetzt, nachdem alles fertig und erfolgreich veröffentlicht ist, fällt dem Produzenten durchaus „ein kreativer Stein vom Herzen“: "Mir wird die Bibliothek zwar fehlen, aber nun ist wieder Platz für etwas Neues."

Entdeckt hat Weiß das Buch vor Jahren eher zufällig bei der Suche nach neuem Spuk- und Grusel-Stoff. Schon allein das Cover habe ihm eine Gänsehaut beschert, die völlig unterschiedlichen Bewertungen weckten seine Neugier. Dass der Protagonist der Geschichte, ähnlich wie er selbst, zu später Stunde noch arbeitet, sensibilisierte Weiß zusätzlich. "Ich bin eher der schreckhafte Typ, und es gibt mir irgendwie was, mich auf solche Dinge einzulassen. Ich habe im Anschluss auch oft davon geträumt." Faschingspartys würden ihm aber viel mehr Angst machen, scherzt der Produzent.

Wurde die über weite Strecken durchgehaltene Interview-Form zwar von manchen Teilen der Leserschaft kritisiert, Weiß spielte sie in die Karten: "Ein Buch, das zu 80 Prozent aus Tonbandaufnahmen besteht, ist ja quasi eine Steilvorlage." Dem Autor seine Vision der Geschichte zu vermitteln, war ein Leichtes. Auch das Einstimmen der Sprecherinnen und Sprecher auf die etwas andere Situation barg keine zusätzlichen Schwierigkeiten: „Die meisten der Beteiligten sind ja Schauspielerinnen und Schauspieler, also Experten darin, in verschiedene Rollen zu schlüpfen“. Ein kleiner Hinweis, nicht in Hörbuch-Modus zu verfallen, sondern den ganz normalen Ton einer Unterhaltung anzuschlagen, sei völlig ausreichend gewesen.

Stimme aus der Oberpfalz

In die Hauptrolle schlüpfte übrigens ein in der Oberpfalz wohl Bekannter: Florian Wein, frisch gekürter Intendant des Ovigo-Theaters. Obwohl schon länger als Sprecher aktiv, sei das seine erste größere Hörspiel-Rolle gewesen. Den Autor habe er vorher noch nicht gekannt, sei aber sehr begeistert gewesen, nachdem er „S3“ gelesen hatte: „Ich war schon immer ein Fan von Hörspielen und auch von Grusel- oder Horrorstoffen. Deshalb war es für mich schon doppelt spannend, eine solche Rolle zu übernehmen“, so Wein. Die größte Herausforderung war es seiner Einschätzung nach, die Dialoge möglichst echt wirken zu lassen, obwohl man das Gegenüber bei der Aufnahme gar nicht mit dabei habe.

Für den Kontakt zu Mario Weiß erwies sich einmal mehr die Regionalbuchmesse in Sulzbach-Rosenberg als ideale Plattform. „Ziemlich schnell ging es schon um ‚S3‘, und ich durfte dafür eine Demo einsprechen“, erinnert sich Wein. Am gemeinsamen Projekt schätzt er die spezielle Form: "Es ist nicht der klassische Roman und für mich auch kein typisches Hörspiel. Es ist etwas ganz Eigenes, das einen mit der Zeit nach und nach in den Bann zieht. Ich finde es authentisch, es wirkt echt und dadurch eben auch sehr gruselig."

Besonders finden kann man zudem die Tatsache, dass zum Schluss immer noch alle Fragen offen sind. Natürlich habe er sich Gedanken über eine Auflösung beziehungsweise eine Erklärung der geschilderten Phänomene gemacht, sagt Susami. Letztlich habe er sich aber dazu entschlossen, die Verantwortung an die Laser- respektive Hörerschaft zu übergeben: "Wer also darauf besteht, dass am Ende der Geschichte eine klare Auflösung zu stehen hat, wird mit S3 vielleicht nicht glücklich werden." An den mitunter durchaus plausiblen Lösungsansätzen seitens des Publikums hat er jedoch schon seine Freude.

HINTERGRUND:

Zu Person und Hörspiel

  • S 3: Spuk in der Bibliothek: Hörspiel, Autor Oliver Susami, Regisseur Mario Weiß, Spieldauer 5 Stunden, als Download erhältlich bei Amazon, Audible und BookBeat
  • Internetseite: https://s3-spuk.de
  • Oliver Susami: Autor, geboren 1978, Verfasser zahlreicher Romane und Geschichtensammlungen, lebt in Köln
  • Yellow King Productions: Multimedia-Agentur und Verlag in Illschwang, vor elf Jahren von Mario Weiß, Patrick Santy und Martin Dehling gegründet, seither über 100 veröffentlichte Titel, darunter Hörbücher und Hörspiele, Schwerpunkte Horror, Fantasy und Science-Fiction, aber auch historische Romane, Comics oder Regionales.
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