29.07.2020 - 14:40 Uhr
IllschwangOberpfalz

Silphie statt Mais: Erst fließt Nektar, dann der Strom

Es summt und brummt auf diesem Acker. Ein Meer an gelben Blüten deckt fast zwei Hektar in Ottmannsfeld (Gemeinde Illschwang). Land- und Energiewirt Dieter Dehling setzt dort auch auf die Durchwachsene Silphie als Alternative zum Mais.

von Andreas Royer Kontakt Profil

Die aus Nordamerika stammende Becherpflanze, die zur Familie der Korbblütler zählt, weckte schon vor einigen Jahren das Interesse von Imkern und anderen Naturschützern. Sahen sie doch darin einen gangbaren Weg, die Entwicklung hin zu immer mehr Maisanbau etwas einzubremsen, und machten auch auf diese Alternativen aufmerksam.

Für Dieter Dehling aus Ottmannsfeld - nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Ilschwanger Bürgermeister - und seine Frau Regina kam dieses Gewächs zunächst nicht infrage. Doch das sollte sich ändern. Im Jahr 2017 kam er mit einer Werbung der Energiepark Hahnennest GmbH in Kontakt, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, diese Energiepflanze unter dem Namen "Donau-Silphie" einem breiteren Publikum bekannt zu machen.

Zwölfjährige Dauerkultur

"Interessiert hat mich das schon immer, aber die frühere Aussaat mit einer Pflanzmaschine aus Töpfen zeigte sich für unseren Betrieb als wenig ideal. Das hat sich dann geändert, als wir die Silphie vom Energie-Pflanzenanbieter in Zwischenreihen als Mais-Untersaat mit aussäen ließen. So haben wir auf knapp zwei Hektar Fläche den Grundstein für eine etwa zwölfjährige Dauerkultur gelegt", ist der Biogasanlagenbetreiber und Milchviehhalter von der Richtigkeit seiner Entscheidung überzeugt.

Wenn man wie wir etwas für die Natur machen will, ist die Silphie wirklich eine sehr gute Möglichkeit und mit Sicherheit für Landwirte keine Nullnummer.

Landwirt Dieter Dehling, Ottmannsfeld

Landwirt Dieter Dehling, Ottmannsfeld

Es sei für seine Familie und ihn von entscheidender Bedeutung, mit der Natur zu arbeiten oder der Natur zu helfen. Die Silphie benötige keinen Pflanzenschutz und werde ausschließlich einmal im Jahr mit hofeigener Gülle gedüngt. Die Becherpflanze verlange deutlich weniger Pflege als beispielsweise Mais, wenngleich sie etwa ein Viertel weniger Methanertrag liefere. Die Mehrjährigkeit, die geringe Bestandspflege und die hohe ökologische Attraktivität für Bestäuber würden diesen Nachteil aber kompensieren. Zudem zähle sie für Landwirte auch als Greening-Fläche, was sich wiederum bei der Förderung positiv bemerkbar mache.

"Wenn man wie wir etwas für die Natur machen will, ist die Silphie wirklich eine sehr gute Möglichkeit und mit Sicherheit für Landwirte keine Nullnummer", sagt Dieter Dehling, der seine Silphie-Flächen kontinuierlich erweitern will. Im Landkreis seien es gerade mal fünf Landwirte, die sich für die Becherpflanze entschieden haben – hier werde auf viele Nachahmer gehofft, die sich nicht von den zunächst höheren Aussaatkosten abschrecken lassen sollten.

Grundwasser- und Erosionsschutz

"Wenn wir mehr werden, könnten sich diese Kosten auch nach unten entwickeln. Außerdem sollte man bedenken, welche sinnvollen Beiträge man mit dem Anbau dieser Pflanze für den Grundwasser- und Erosionsschutz leistet", zählt der 47-jährige Landwirt weitere Vorteile auf. Verstärkte Humusbildung durch die starke Durchwurzelung und geringe Standortansprüche kämen als weitere Vorteile dazu. Längst pflegt Dieter Dehling auch mit dem Imker-Kreisverband und dem Bienenzuchtverein Sulzbach-Rosenberg enge Kontakte, stehen doch seit vielen Jahrzehnten am und rund um den Hof zahlreiche Bienenvölker. Die Halter der nützlichen Bestäuber um die Vorsitzenden Helmut Heuberger und Andreas Royer freuen sich deshalb, in Kooperation mit dem Silphie-Pionier Interessierte und die Bevölkerung verstärkt über die Vorteile dieser für die Insektenwelt so wichtigen Pflanze aufzuklären. "Für mich als Landwirt zählt immer auch das Arbeiten mit der Natur, da sind wir mit der Durchwachsenen Silphie sicherlich auf einem guten Weg", freut sich Dieter Dehling.

Mehr über Blühflächen für die Insektenwelt

Sulzbach-Rosenberg
Hintergrund:

Steckbrief Durchwachsene Silphie

  • Herkunft: Nordamerika
  • Wuchshöhe: bis zu 3,50 m
  • Stengel: viereckig
  • Blüten: gelb und schön, zu sehen zwischen Juni und September
  • Feinwurzelsystem: für eine optimale Wasser- und Nährstoffversorgung auch aus tiefen Bodenregionen: 150 bis 200 cm
  • Standort: relativ anspruchslos
  • Biogasanlage: gute Eignung zur grünen Energie-Produktion

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