Italien ist der Sehnsuchtsort der Deutschen. Seit Goethe vor zweihundert Jahren seine "Italienische Reise" veröffentlichte, gehört es im Bildungsbürgertum zur Pflicht, das erträumte Arkadien südlich der Alpen zu erkunden. Seit der Wirtschaftswunderzeit ziehen in der schönsten Jahreszeit, dem Urlaub, italienische Lebensart, Wein und Essen vor allem aber die Strände Millionen Deutsche nach Italien.
Doch das, was viele hierzulande am südlichen Nachbarn begeistert, die Lage am Mittelmeer, ist aus italienischer Sicht zum Fluch geworden. Auch der viele Jahre zurückliegende Entschluss der italienischen Regierung, dem Sterben im Mittelmeer nicht mehr tatenlos zu zusehen, erwies sich als Fluch. Als die EU-Mission den Italienern zu Hilfe kam, erklärte sich Rom bereit, alle Flüchtlinge aufzunehmen, die von den europäischen Schiffen gerettet werden. Es war absehbar, dass dies auf Dauer das Land und die Menschen überlasten würde.
Je mehr diesseits der Alpen, darunter auch in München, der nördlichsten Stadt Italiens, darauf bestanden wird, dass Asylverfahren für Flüchtlinge dort abgearbeitet werden, wo sie anlanden, desto schneller werden die Italiener den Glauben an die Solidarität in der Europäischen Union verlieren.
Die Uhr tickt. Die Europäer sollten die nächsten fünf Wochen nutzen, um ein gemeinsames Verfahren zu finden, das den Umgang mit den aus dem Mittelmeer Geretteten so regelt, dass es nicht wieder zulasten einzelner Länder geht. Andernfalls könnte es sein, dass Italien auch andere Gemeinsamkeiten aufkündigt.
23.07.2018 - 17:51 Uhr
Italiens Lage am Mittelmeer ist ein Fluch für das Land
Kommentar von Alexander Pausch
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