14.02.2020 - 09:25 Uhr
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Kardinal Marx: Atomwaffen verbieten

Die Debatte über Atomwaffen ist seit jeher Teil der Gespräche bei der Münchener Sicherheitskonferenz - auch wenn dies öffentlich nicht so wahrgenommen wird. Die Kirche beginnt das zu ändern.

Die früheren Außenminister Madeleine Albright (USA) und Joschka Fischer (Deutschland) diskutieren mit Kardinal Reinhard in der katholischen Akademie in München über einen Bann von Atomwaffen.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Was die ehemalige amerikanische Außenministerin Madeleine Albright zu Beginn der Diskussion über ein Verbot von Atomwaffen sagt, klingt wenig ermutigend. "Einfach gesagt. Die Welt ist ein Durcheinander." Das englische Wort "mess", das sie benutzt, ließe sich auch drastischer mit Sauerei übersetzen. Was wohl die Lage beim Thema Atomwaffen treffender beschreiben dürfte. Die 82-Jährige, die unter US-Präsident Bill Clinton von 1997 bis 2001 als erste Frau das Außenamt leitete, ergänzt, sie hätten in den 1990er Jahren gedacht, das sie es schwer hätten. Aber heute sei es deutlich schwerer geworden.

Das Aus für den Vertrag über Intermediate Range Nuclear Forces (INF), also nukleare Mittelstreckensysteme mit einer Reichweite von 500 bis 5500 Kilometern, die nuklearen Ambitionen einer wachsenden Zahl von Staaten, neue Atommächte wie Nordkorea, das Ausscheiden der USA aus dem Atomvertrag mit Iran, sowie neuartige Atomwaffen, sind nur einige Stichworte, die in der Diskussion zwischen Albright, dem früheren deutschen Außenminister Joschka Fischer (71, Grüne) und dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (66) am Donnerstagabend in der Katholischen Akademie in München fallen.

Die Kirche will bei der 56. Münchener Sicherheitskonferenz, die am Freitag begann und bis Sonntag geht, ihre Stimme erheben. Dazu gehört das Podium über "Banning Nuclear Weapons - Auftrag oder Illusion?, das von Katholischer Akademie, deutscher Kommission Justitia et Pax , der Hochschule für Philosophie der Jesuiten und der Georgetown-University in Washington veranstaltet wird. An letzterer, ebenfalls eine Jesuiten-Hochschule, lehrt Madeleine Albright.

Debatte über "Gerechten Frieden" stark machen

Kardinal Marx, der in den zurückliegenden Jahren immer wieder Veranstaltungen der Sicherheitskonferenz besuchte, sagt, das was er dort höre, beunruhige ihn zutiefst. Er verweist auf Gespräche über "new smart nuclear weapons" (neue smarte Atomwaffen), über die Idee das Atomwaffen Teil der normalen, also der konventionellen Kriegsführung sein könnten, und beherrschbar sind. Der Münchener Erzbischof fordert der Debatte über den "gerechten Frieden" wieder mehr Schwung zu verschaffen. Für den Christen und Sozialethiker wird zu viel über den "gerechten Krieg" gesprochen.

Für seine Aufforderung, Deutschland solle den Nuklearwaffen-Bann der Vereinten Nation unterstützen, erhält Kardinal Marx von Fischer keinen Zuspruch. Der ehemalige Bundesaußenminister verweist auf transatlantische Partnerschaft, die für Deutschlands Sicherheit essenziell sei. Es gehe darum, die Freiheit zu bewahren. Das gleiche gelte für die Nato. Fischer ist erfüllt mit Sorge, dass Russland sein Großmachtsein zunehmend darauf stütze, Nuklearmacht zu sein. "Es besteht die Gefahr einer Rüstungsspirale, getrieben vom Prestige." Prestigedenken sei auch ein Faktor in China und in den USA. Zugleich verweist Fischer auf den Nahen Osten, wo zuletzt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan seine nuklearen Ambitionen verkündet habe. Er könne "den europäischen Außenministern nur noch alles Gute und viel Erfolg wünschen", sagt Fischer mit Blick auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin und eine mögliche Wiederwahl von US-Präsident Donald Trump im Herbst.

Fischer und Albright fordern, bald das Gespräch über Abrüstung zu erneuern. Das Ziel müsse der Bann sein. Der Weg dahin sie mühsam. Ein Beginn wäre die Verlängerung des New-Start-Vertrags zur Begrenzung strategischer Atomwaffen zwischen den USA und Russland. Zur Unterstützung fordern die beiden ehemaligen Außenminister und der Kardinal eine breitere öffentliche Diskussion.

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Nicht auf Gott schieben

Albright erzählt zum Ende eine Anekdote des jüdischen Schriftstellers Elie Wiesel. Dieser habe nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gefragt, wer in der Bibel die unglücklichste Person sei? Seine Antwort: Gott. "Die Dinge hätten sich nicht so entwickelt, wie er oder sie es sich vorgestellt hätten." Albright will damit nicht ent- sondern ermutigen. "Schiebt es nicht auf Gott." Die 82-jährige verweist auf den freien Willen. "In der Demokratie muss man seine Meinung sagen."

Video der Diskussion

Hintergrund:

Knapp 3900 Polizisten im Einsatz

Rund um die Münchner Sicherheitskonferenz werden rund 3900 Polizisten im Einsatz sein. Wie das Polizeipräsidium am Mittwoch mitteilte, wird Unterstützung aus acht Bundesländern erwartet. Hauptaufgabe sei es dabei, die hochrangigen Politiker zu schützen, die nach München kommen werden - darunter zahlreiche Regierungschefs und Staatsoberhäupter.

Die angekündigten Demonstrationen gegen die "SiKo" seien weniger das Problem. Vielmehr die Aufgabe, zwölf Hotels zu sichern und dafür zu sorgen, dass die Politiker "sicher von A nach B kommen und sicher wieder aus München heraus", sagte Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins. Insgesamt neun Demonstrationen gegen die Konferenz sind nach Polizeiangaben angemeldet. (dpa)

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