04.02.2020 - 17:54 Uhr
Oberpfalz

Das atomare Wettrüsten nimmt langsam aber sicher Fahrt auf

Neue Atomwaffen, altbekannte, aber gleichwohl beunruhigende strategische Debatten. Die Welt wird unsicherer, meint Alexander Pausch.

Experten gehen davon aus, dass die Raketen an Bord des strategischen U-Boots USS Tennessee (SSBN 734) bereist mit den neuen, kleineren Sprengköpfen bestückt sind.
von Alexander Pausch Kontakt Profil
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Die Idee eines begrenzten Atomangriffs spukt seit Jahrzehnten in den Köpfen der Militärstrategen herum. Bei vielen als Schrecken, bei einigen wenigen als Option. Bereits im Kalten Krieg prüften Strategen Konzepte, die einen Atomkrieg beherrschbar machen sollten. Die Idee: mit einem begrenzten, gleichsam chirurgischen atomaren Angriff den Feind in die Knie zwingen, ohne dabei die eigene Zerstörung oder die der ganzen Welt zu riskieren. Das Kalkül: Nach einem derartigen begrenzten Angriff würde der Gegner davor zurückschrecken, weiter zu eskalieren und auf einen nuklearen Gegenschlag verzichten.

Bislang war die Angst vor der zerstörerischen Wirkung und den verheerenden Folgen eines Atomwaffeneinsatzes groß genug, um die Umsetzung derartiger Konzepte zu verhindern. Auch die Erinnerung an die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki dürfte frischer gewesen sein als heute, wo solche Überlegungen in den strategischen Debatten zurückkehren. Dazu trägt auch die neuerliche Entwicklung kleiner, eher taktischer Atomwaffen in Russland und in den Vereinigten Staaten bei.

Wenig vertrauenerweckend wirken in diesem Zusammenhang die Szenarien russischer Manöver. Bei "Wostok 2018 (Westen 2018)" war weniger beunruhigend, dass rund 300 000 Soldaten teilnahmen, sondern dass auch geübt worden war, konventionelle Operationen durch die Drohung mit einem begrenzten Atomwaffeneinsatz abzusichern. Das sollte etwa die Nato davon abhalten Bündnisgebiet zurückzuerobern. Ein Irrsinns-Poker.

Nun haben nach Russland auch die USA kleinere Atomsprengköpfe für ihre Interkontinentalraketen auf U-Booten in Dienst gestellt. Damit wächst die Instabilität, nicht nur in Europa. Nach dem Aus für den Vertrag über Intermediate Range Nuclear Forces (INF), also nukleare Mittelstreckensysteme mit einer Reichweite von 500 bis 5500 Kilometern, der nächste Schritt zur Beschleunigung der Rüstungsspirale.

Mehr über die neue US-Atombombe

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