Eineinhalb Jahrzehnte ist es her, dass in Kastl ein großes Erntdankfest gefeiert und der Erntedankzug veranstaltet wurde. Eigentlich findet die 1950 ins Leben gerufene Veranstaltung alle 10 Jahre statt. Schuld an der längeren Pause - es waren 15 Jahre - hatte Corona. Übrigens: Der Umzug ist in der Region eine Besonderheit und ein rollendes Dorfmuseum.
Weil der Spätsommer das Kemnather Land am Sonntag mit Sonnenschein beschenkt hatte, war der Umzug ein Erlebnis für alle. "Gott sei Dank hat der Hergott ein Einsehen, sagte Hans aus Kemnath, der sich einen Platz in der Hauptstraße gesichert hatte. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien sprach Kreisbrandmeiter Alois Schindler von einer "überschaubaren Arbeit" seiner für die Verkehrslenkung und Absicherung zuständigen Kameradinnen und Kameraden. Vorsorglich bereit standen auch Ehrenamtliche des BRK.
40 Mädchen und Buben aus dem Kinderhaus "Pusteblume"
Gestartet wurde der Umzug um halb zwei am Nachmittag. Den Auftakt machte ein 1939 gebauter Fendt-Traktor. „Den würde ich gegen keinen neuen eintauschen“, erklärte der Lenker, Michael Hartmann, gegenüber Oberpfalz-Medien. In den Straßen von Kastl konnte man vieles sehen, was Heimat ist und all dies auch anfassen, ab und zu auch schmecken. Mit dabei waren auch 40 Mädchen und Buben vom Kinderhaus „Pusteblume“. Darunter der 4-jährige Lewi. „Ich freue mich“, sagte der Bub, „dass ich mitgehen darf.“ Schüchtern beließ er es bei diesen Worten und war froh, dass sich der gestoppte Festzug, dahinter die Kemnather Stadtkapelle, weiter bewegte.
Moidla und Burschen - „freilich sind wir aus Kastl“, erwiderten sie auf die Frage von Oberpfalz-Medien - hatten Erntekronen gestaltet. Den aufwendig gestalteten Kammerwagen der Ortschaft Kastl hatten Tanja Steinkohl (Möbel, Inventar) sowie Norbert Erfurt, der sehr viele Arbeitsstunden für den Aufbau des über 100 Jahre alte Leiterwagens leistete, organisiert. Das dazugehörige Pferdegespann stellte der Rückebetrieb Wölker aus Sorghof (bei Vilseck) zur Verfügung.
Zur Taufe getragen wurde "Marie", die im Kemnather Land zur Welt gekommen war. Zu sehen waren unzählige Landmaschinen, darunter ein Kramer-Traktor, Baujahr 1936. Zudem Pflüge, Heuwender, Dreschflegel, Waschzuber und mehr. „Die Geräte und Traktoren kenne ich noch aus meiner Kinderzeit. Den Ausflug hab' ich nicht bereut“, erklärte Michael Hartmann aus Pechbrunn. Als „sehr gelohnt“, kommentierten auch Berta und Erich aus Fuchsmühl beider Ausflug.
Mit dabei: ein kleines Schweinchen
Begleitet vom Taferlbuben Paul zog die Kaibitzer Wehr mit einer Feuerspritze aus dem Jahr 1889 vorbei. Die Waldarbeiter stammten aus Löschwitz, das Kaltblütlerpaar aus dem Raum Kemnath. Zu sehen waren viele andere Tiere, darunter auch ein Schweinchen. „Es wäre schade gewesen, wenn es geregnet hätte“, sagte der als Waldarbeiter verkleidete Robert Steinkohl aus Hessenreuth.
Gekommen war auch Politprominenz: Staatsminister Albert Füracker und der Erste Vizepräsident des Bayerischen Landtages, Tobias Reiß und welche aus dem Landkreis Tirschenreuth. Auch sie waren begeistert. Beindruckt war auch Edeltraud Schulz aus Mitterteich. „Die Wägen und alles, das ist echt klasse.“ Die Leute hätten sich, so Schulz, „so viel Mühe gemacht.“
Der Erntedankzug in Kastl
- Die Ortschaft Kast liegt im Kemnather Land
- Die Veranstaltung findet nur alle zehn Jahre statt
- Beteiligt waren heuer 60 Wägen und Fußgruppen mit insgesamt 800 Darstellern
- Motto in diesem Jahr war " "Das Leben auf dem Lande, wie es früher war."











































Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.