17.03.2020 - 16:21 Uhr
Oberpfalz

Kein Grund zur Panik

"Wir neigen dazu, neuartige Risiken im Verhältnis zu ihrer objektiven Gefährlichkeit zu überschätzen", erklärt der Psychologe Professor Ralph Hertwig. Wichtig ist es, sich nicht anstecken zu lassen - und zwar in jeder Hinsicht, meint die OWZ-Glücksexpertin.

Ansteckend ist nicht nur der neue Erreger, sondern auch die Panik, die nun verbreitet wird. Bleiben Sie ruhig. Denn es gibt auch jetzt keinen Grund, in Angstzustände zu verfallen.
von Autor EWAProfil

Veranstaltungen werden überall abgesagt, Schulen, Kinos, Bars und Schwimmbäder sind vorübergehend geschlossen. Und es wird dazu geraten, soziale Kontakte erst einmal einzuschränken und zu Hause zu bleiben. Täglich erreichen uns neue Schlagzeilen, die zunächst bedrohlich wirken und Angst machen. Das Coronavirus ist auch bei uns angekommen, es herrscht Ausnahmezustand. Fest steht: Ansteckend ist nicht nur der neue Erreger, sondern auch die Panik, die nun verbreitet wird. Ich bitte Sie: Bleiben Sie ruhig. Denn es gibt auch jetzt keinen Grund, in Angstzustände zu verfallen.

"Wir neigen dazu, neuartige Risiken im Verhältnis zu ihrer objektiven Gefährlichkeit zu überschätzen", erklärt Professor Ralph Hertwig, Psychologe und Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. "An alltägliche Risiken haben wir uns dagegen gewöhnt, selbst wenn sie objektiv gefährlicher sind." Über 3000 Menschen starben zum Beispiel im vergangenen Jahr im Straßenverkehr, rund 8000 bei Unfällen im Haushalt. "Beim Coronavirus sind wir in Deutschland von diesem Umfang weit entfernt", so Hertwig. Fakt ist auch: Die meisten Infektionen mit dem Virus verlaufen mild.

Natürlich sind wir nun alle gefordert, eine unnötige Ausbreitung zu verhindern und bestimmte Verhaltens- und Hygieneregeln einzuhalten. Doch wir sollten uns dennoch nicht verrückt machen lassen. "Da wird alles abgesagt, man darf nicht mehr aus dem Haus gehen - und dann soll man ruhig bleiben?", sagen Sie nun vielleicht entrüstet und schütteln den Kopf. "Das zeigt doch nur, wie gefährlich das alles ist." Nein, ganz so schlimm ist es nicht. Denn diese Maßnahmen bedeuten nicht, dass die Lage für den Einzelnen bedrohlicher geworden ist. Es geht dabei einfach darum, die schnelle Verbreitung des Virus zu verlangsamen, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten.

Wichtig ist es nun, sich nicht anstecken zu lassen - und zwar in jeder Hinsicht. Waschen Sie sich regelmäßig die Hände und vermeiden Sie unnötige Kontakte, sagen Sie aber auch "Nein" zur unnötigen Angst und Panik. Denn diese schwächt nicht nur Ihr Immunsystem, sondern frisst auch unsere Seele auf, wie wir spätestens seit dem gleichnamigen Film von Rainer Werner Fassbinder wissen. Nutzen Sie die Zeit zu Hause lieber dafür, sich selbst Gutes zu tun. Lesen Sie mal wieder ein Buch, machen Sie Yoga, entschleunigen Sie. Und auch der ältere Nachbar freut sich bestimmt, wenn Sie etwas für ihn erledigen können.

Lassen Sie uns diese Zeit nun doch einfach als Chance nutzen, wieder mehr Gelassenheit, Ruhe und Menschlichkeit in unser Leben zu bringen. Und denken Sie immer daran: Alles geht irgendwann vorbei - auch der Corona-Ausnahmezustand.

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