19.08.2020 - 11:23 Uhr
KemnathOberpfalz

Ansaat von Blühstreifen auch im Herbst

Nicht nur im Frühling können Blühstreifen angelegt werden. Auch Herbstsaaten haben Vorteile und sorgen im nächsten Jahr für die Ernährung von Vögeln und Insekten. Tipps gibt's vom Kemnather Stadtgärtner Florian Frank.

Eva Gibhardt von der Steinwald-Allianz und Stadtgärtner Florian Frank tauschen sich über die Herbstansaat von Blühstreifen aus.
von Christa VoglProfil

An der Kemnather Seeleite, gleich neben dem Parkplatz und dem Kinderspielplatz, in direkter Nachbarschaft zu den beiden Karpfen Lucia und Guvtas, steht derzeit ein Beet in voller Blüte: Ein bunter Mix aus vielen einjährigen Pflanzen, darunter Färberkamille, Mohnblumen, Kornblumen, Phacelia, aufgelockert mit einigen Feuer-Lilien, ist ein Blickfang für Spaziergänger. Und wohl immer wieder auch ein lohnendes Fotomotiv, wie das nieder getretene Gras am Rand des Blühstreifens beweist.

Eigentlich sollte dieses Jahr ja anders ablaufen.

Eva Gibhardt von der Steinwald-Allianz

Dieser Blühstreifen ist Treffpunkt für Stadtgärtner Florian Frank und Eva Gibhardt von der Steinwald-Allianz in Erbendorf. „Eigentlich sollte dieses Jahr ja anders ablaufen“, erklärt Gibhardt, die im ILEK-Programm für den Themenbereich „Diversität und Förderung der Artenvielfalt“ zuständig ist. Mit „eigentlich“ meint Gibhardt, dass wie überall in den vergangenen Monaten auch hier wegen der Pandemie fest geplante Veranstaltungen für die Bürger der Steinwald-Gemeinden und auch Schulungen kommunaler Mitarbeiter auf Eis gelegt werden mussten. Nach dem vielversprechenden Start 2019 mit Themen wie naturschonende Mahd und Bepflanzung mit Stauden sollte 2020 die Anlage von Blühflächen im Mittelpunkt stehen.

"Leider nix geworden"

Ganz ohne neue Impulse zum Thema „Förderung der biologischen Vielfalt“ möchte Eva Gibhardt diesen Sommer jedoch nicht vorübergehen lassen. Zumal aus vielen der 17 Steinwald-Gemeinden die Rückmeldung kam, dass die im Frühjahr für Blühstreifen ausgebrachten Saatgutmischungen schlecht oder teilweise überhaupt nicht „aufgegangen“ seien, der Grundtenor dabei lautete: „Wir haben's probiert, ist aber leider nix geworden.“

Stadtgärtner Florian Frank hatte mehr Glück mit der Anlage seiner Blühstreifen in Kemnath und in den Dörfern der Gemeinde. Woran das liegt? „Es kann an der Bodenbearbeitung liegen, am Saatgut oder natürlich am Wetter“, erklärt Frank. Und vielleicht auch ein bisschen am gärtnerischen Gespür. Aber dieses Gespür habe er auch nicht von Anfang an gehabt, das habe sich erst mit den Jahren und vielen Erfahrungen entwickelt - obwohl er gelernter Garten- und Landschaftsgärtner ist.

Dank eines Förderprogrammes der Steinwald-Allianz rollen in der grünen Mitte in Pullenreuth die Bagger an

Pullenreuth

Doch zurück zu den eher negativen Rückmeldungen aus vielen anderen Steinwald-Gemeinden. Mit „ist aber leider nix geworden“ will sich Eva Gibhardt keinesfalls zufrieden geben und schlägt daher auch gleich eine Alternative vor: Wenn die Ansaat im Frühling nicht geklappt hat, bietet der Herbst eine gute zweite Chance, um Blühstreifen anzulegen - nämlich für das nächste Jahr. Dafür, so Frank, wären aber vor allem mehrjährige Saatmischungen gut geeignet. Bereits jetzt könne das passende Saatgut besorgt werden, am besten solches, auf dem ausdrücklich vermerkt ist, dass es für die Herbstsaat geeignet ist. Außerdem könne man auch schon geeignete Flächen auswählen und diese nach und nach bodenmäßig vorbereiten.

Kritische Anrufe

Auf den kommunalen Flächen geht Frank dabei immer folgendermaßen vor: zweimaliges Fräsen, Entfernen der Steine und Wurzelunkräuter und anschließendes Planieren des Bodens. Die eigentliche Aussaat würde dann erst ab Mitte September bis Ende Oktober stattfinden. Der große Vorteil von Herbstaussaaten: Die Keimlinge erhalten genügend Feuchtigkeit. Ein kleiner Nachteil seien mögliche Frostschäden. Frank selbst hat bereits sehr positive Erfahrungen mit Herbstsaaten gemacht und empfiehlt diese weiter – an die anderen Steinwaldgemeinden, aber auch an die Besitzer von Privatgärten.

In den vergangenen Jahren hat sich in der Gemeinde etwas getan. Das Bewusstsein der Bürger hat sich auf jeden Fall geändert.

Stadtgärtner Florian Frank

Abgesehen von den Blühstreifen, die inzwischen vielerorts bewundert werden können, ist dem Kemnather Stadtgärtner noch etwas anderes aufgefallen: „In den vergangenen Jahren hat sich in der Gemeinde etwas getan. Das Bewusstsein der Bürger hat sich auf jeden Fall geändert“, sagt er. Denn: „Noch vor 15 Jahren haben wir ständig kritische Anrufe erhalten, zum Beispiel dass „da und da“ der Straßengraben nicht gemäht sei.“

Heute dagegen erreichen ihn immer öfter Mails, in denen sich Bürger dafür bedanken, weil die kommunalen Bauhofmitarbeiter weniger und umsichtiger mähen, weil dies oder jenes bewusst stehen gelassen wurde, beispielsweise auch eine auffällig gefärbte Distel irgendwo am Straßenrand. Und diese Entwicklung, so Florian Frank, sei doch wirklich erfreulich.

Info:

Herbstansaat von Blühstreifen

Hier gibt's Tipps zur richtigen Ansaat

  • Verwendung von mehrjährigem Saatgut, das für die Herbstaussaat geeignet ist
  • Gründliche Bodenbearbeitung und Entfernen der Wurzelkräuter: Boden muss locker und feinkrümelig sein
  • Aussaatstärke beachten (Angabe auf der Packung!)
  • Aufmischung des Saatguts mit Sand
  • Flache Ausbringung des Saatguts mit anschließendem Anwalzen für optimalen Bodenschluss
  • Zur Vermeidung von Frostschäden kann Grasschnitt (ein bis zwei Kilogramm pro Quadratmeter) oder Heumulch (300 bis 400 Gramm pro Quadratmeter) locker ausgebracht werden.

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