09.03.2020 - 18:41 Uhr
KemnathOberpfalz

Thema Coronavirus hat Landkreis Tirschenreuth im Griff

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Bislang gibt es noch keinen bestätigten Fall zu einem Coronavirus-Patienten im Landkreis. Unternehmen wie die Hamm AG oder Siemens Healthineers schließen aber Auswirkungen für die Wirtschaft nicht aus. Andere Akteure haben noch keinen Plan B für den Ernstfall.

Im Landratsamt und in vielen Unternehmen des Landkreises wurden wegen des Coronavirus verstärkt Hygienemaßnahmen ergriffen. Dazu gehört auch das regelmäßige Desinfizieren von Türklinken.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Tirschenreuth/Kemnath. (lue/sfo) Der Coronavirus beschäftigt auch Unternehmen im Landkreis. Bei Siemens Healthineers kümmert sich eine eigens gegründete Task Force um alle Angelegenheiten zum Coronavirus. "Hier laufen alle Informationen zusammen und werden ständig neu bewertet", erklärt Pressesprecher Ulrich Künzel in einer Mitteilung. Mitarbeiter des Unternehmens, die in betroffenen Ländern arbeiten, sind ständig im Austausch mit den jeweiligen Gesundheitsbehörden. Dabei wird auch versucht, die Auswirkungen auf die Produktion zu minimieren. "Unsere Lieferketten und unsere Produktion sind bisher nicht primär betroffen", berichtet Künzel. Jedoch könne das Unternehmen nicht ausschließen, dass sich das Coronavirus noch negativ auf das Geschäft auswirken könnte.

Für die Mitarbeiter am Siemens-Standort in Kemnath wurden unter anderem die Öffnungszeiten der Kantinen ausgedehnt, um die Anzahl der gleichzeitig anwesenden Mitarbeiter besser zu verteilen. "Selbstbedienungsangebote wurden reduziert", so Künzel. Das Reinigen und Desinfizieren der Türklinken wurde intensiviert. Rückkehrer aus betroffenen Gebieten (wie Italien, Iran, China oder Südkorea) sind angewiesen, in den ersten 14 Tagen nach der Rückkehr von Zuhause aus zu arbeiten.

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Im Blickpunkt:

Interne Arbeitsgruppe zum Coronavirus im Landratsamt Tirschenreuth

Auch das Landratsamt Tirschenreuth wappnet sich vor dem Virus. „Unsere verschiedenen Sachgebiete wurden mit Desinfektionsmittel und Desinfektionstüchern ausgestattet“, sagt Pressesprecher Wolfgang Fenzl. Ebenfalls wurden Mitarbeiter über verschiedene Hygienemaßnahmen, die durch das Robert-Koch-Institut herausgegeben worden sind, informiert. „Auch Putzfirmen wurden angewiesen, zum Beispiel Türklinken entsprechend zu reinigen.“ Zudem müssen sich Mitarbeiter melden, wenn sie in einem Risikogebiet waren oder Kontakt zu Infizierten hatten.

Intern wurde im Landratsamt eine Arbeitsgruppe zum Thema Coronavirus unter der Federführung von Landrat Wolfgang Lippert und dem Gesundheitsamt gebildet. „Hier sind mehrere Stellen vertreten, die sich austauschen und Maßnahmen und Abläufe für Ernstfälle koordinieren.“ Weiterhin wurden laut Fenzl alle Gemeinden informiert, wie mit größeren Veranstaltungen zu verfahren ist. Schulen und Kindergärten im Landkreis sind nach dem Stand vom Montag weiterhin geöffnet.

Auf Händeschütteln verzichten

Die Hamm AG versucht ebenfalls, ihre Mitarbeiter mit Hygienemaßnahmen zu schützen. So unterstützt das Unternehmen die Kampagne "no hands", die empfiehlt, auf Händeschütteln oder Umarmungen zu verzichten. "Unter anderem fährt die ganze Wirtgen-Group nicht auf die Baumesse 'Conexpo' in Las Vegas", sagt Marketingleiter Gottfried Beer. Geschäftliche Reisen seien auf das Nötigste beschränkt, nach Norditalien oder China sogar untersagt. Momentan seien noch keine Auswirkungen auf die Produktion spürbar. Unter anderem arbeitet die Hamm AG mit einer Zweigfirma in China zusammen und hat Lieferanten in Norditalien. "Wir beobachten die Situation intensiv", erklärt Beer. "Wenn es mit dem Coronavirus so weitergeht, sind Einschränkungen nicht auszuschließen."

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Kurz Notiert:

Wahlveranstaltungen finden wie geplant statt

Thomas Schraml vom Landratsamt ist Ansprechpartner in Sachen Kommunalwahl. Er weiß: „Aktuell finden die Wahlveranstaltungen am Sonntag wie geplant statt.“ Zwei Wahllokale (Wiesau und Mitterteich), die in Altenheimen untergebracht sein sollten, wurden verlegt. „Die Wahlberechtigten werden von den Gemeinden benachrichtigt und angeschrieben.“ Dabei handele es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme, die das Ansteckungsrisiko minimieren soll. „Es gibt aber keinen konkreten Verdachtsfall“, betont Schraml.

Bezüglich des 15. März wurden den Gemeinden vom Gesundheitsamt bereits Hinweise für das Vorgehen in den Wahllokalen und für die Wahlhelfer weitergeleitet. „Es gab allgemeine Empfehlungen vom Bayerischen Innenministerium.“ Jedoch müsse jede Gemeinde vor Ort individuell entscheiden, wie sie diese handhaben wird.

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Container in Deutschland fehlen

Erste Auswirkungen werden bereits bei der Ziegler Group spürbar: Marketingleiter René Oertel erklärt, dass ein Großteil der Kunden der Ziegler Logistik Import- und Exportgeschäfte mit Asien führe. Als Beispiel nennt er die Firma Eurosand, Teil der Ziegler Group. Diese beziehe rund ein Drittel der Waren aus China. Weil dort Arbeiter wegen des Coronavirus fehlen, könne es passieren, dass Waren von dort nicht rechtzeitig in Deutschland ankommen. National bekommt das Unternehmen ein Problem, weil die Container in Deutschland fehlen, um Waren exportieren zu können.

Marie Korzen von der Marketingabteilung des Fahrradherstellers Cube in Waldershof erklärt, dass es in der Produktion in Deutschland aktuell noch Puffer für gut sechs Wochen gibt. Danach bräuchte das Unternehmen Nachschub aus Asien. "Mit Verzögerungen ist auch bei uns zu rechnen. Den Umfang können wir noch nicht abschätzen."

Von der Schott AG sagt Pressesprecher Ludwig Bundscherer, dass bereits vor zwei Wochen eine Arbeitsgruppe im Unternehmen zum Coronavirus gegründet wurde. Teilnahmen an Messen seien bis Ende März auf Eis gelegt, ebenso Geschäftsreisen im Inland und in das Ausland. Bis dahin empfängt das Unternehmen auch keine Besucher. "Besprechungen finden häufig via Internet statt. Ansonsten läuft die Produktion ganz normal weiter."

Hintergrund:

Tag der Offenen Tür und Passionsspiele wie geplant

Das Stiftland-Gymnasium in Tirschenreuth macht sich ebenfalls Gedanken zum Coronavirus. „Wir gehen mit Augenmaß vor“, erklärt Schulleiter Albert Bauer. Der am Samstag, 14. März, geplante Tag der Offenen Tür findet nach aktuellem Stand nach wie vor statt. „Solange es keinen bestätigten Fall gibt, planen wir das ganz normal.“

Mirko Streich, Pressesprecher der Stadt Tirschenreuth, geht ebenfalls davon aus, dass die Passionsspiele, die am 27. März Premiere feiern, stattfinden werden. „Pro Aufführung sind 400 Besucher geplant.“ Einen Plan B für den Ernstfall gibt es bislang keinen.

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