10.08.2021 - 10:33 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Der F-16-Absturz am Rande des Übungsplatzes und seine lange Geschichte

Der Absturz eines US-Kampfjets in der Nähe von Kirchenthumbach führt im August 2015 zu einem Großeinsatz der Hilfskräfte. Nach Jahren ist klar, dass es keine Spätschäden gibt. Auf einem Teil der Kosten bleibt Deutschland sitzen.

Eine F-16 Fighting Falcon des 52nd Fighter Wing startet von der US-Luftwaffenbasis Spangdahlem in Rheinland-Pfalz. Ein Flugzeug dieses Typs war am 11. August 2015 bei Engelmannsreuth abgestürzt.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Als vor sechs Jahren ein amerikanisches Kampfflugzeug beim Dorf Engelmannsreuth an der Bezirksgrenze zwischen der Oberpfalz und Oberfranken abstürzte, war der Schrecken groß. Schon bald zeigte sich, dass das Unglück einigermaßen glimpflich ausgegangen war. Die F-16 kam in einem Waldstück herunter, der Pilot war nur leicht verletzt worden und konnte nach ein paar Tagen das Krankenhaus in Bayreuth wieder verlassen.

Die Maschine war am 11. August 2015 auf dem US-Flugplatz Spangdahlem in Rheinland-Pfalz zu einem Übungsflug nach Grafenwöhr gestartet. Auf dem Truppenübungsplatz sollte der Pilot mit seiner F-16 Bombenabwürfe üben. Wegen eines Triebwerksausfalls kam es nicht dazu. Der Pilot musste schließlich seine Maschine aufgeben, er rettet sich mit dem Schleudersitz. Die F-16 schlug um 9.38 Uhr auf dem Boden auf – im Gemeindegebiet von Kirchenthumbach.

Für einige Debatten sorgte damals der giftige Raketentreibstoff Hydrazin. Erst nach Wochen gab es die Bestätigung, dass der giftige Stoff an der Absturzstelle nachgewiesen wurde. Die Landratsämter Bayreuth und Neustadt rieten den Helfern deswegen sogar zum Arztbesuch. Meldungen über Giftschäden bei Helfern gab es damals nicht. "Kenntnis über Spätfolgen bei Helfern oder später aufgetretenen Umweltschäden haben wir nicht", teilte das Landratsamt Neustadt/WN auf Anfrage mit.

Letzter Vertrag zur Schadensabwicklung im März 2020 unterschrieben

Im März vergangenen Jahres war zwischen dem Landkreis und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) eine Vereinbarung unterzeichnet worden, wonach alle Ansprüche des Landkreises Neustadt wegen des Flugzeugabsturzes endgültig abgegolten sind. Der Kreis hatte die Sanierung und Gefahrenbeseitigung übernommen. "Es entstanden Kosten in Höhe von 914.270,82 Euro", teilte Claudia Prößl, Pressesprecherin und Leiterin Büro des Landrats mit. Die Kosten wurden von der Bima erstattet. "Nach Auskunft des begleitenden Ingenieurbüros Piewak & Partner GmbH sind alle durch den Absturz und den damit einhergehenden Sanierungsmaßnahmen aufgetretene Schäden behoben." Das Büro aus Bayreuth ist unter anderem auf die Bereiche Hydrogeologie, Geoökologie, Umweltchemie und Altlasten spezialisiert.

Bei der Bima in Bonn heißt es auf Anfrage: "Die eingereichten Anträge auf Schadenersatz sind ausnahmslos bearbeitet und bestandskräftig entschieden worden." Insgesamt zahlte die zuständige Schadensregulierungsstelle des Bundes demnach rund 1.077.000 Euro an die Geschädigten aus. 25 Prozent der Summe muss Deutschland selbst tragen. Nach den völkerrechtlichen Vereinbarungen erstatten die US-Streitkräfte der Bundesrepublik nur 75 Prozent der geleisteten Entschädigungen.

Keine Übungen mit US-Armee

Gemeinsame Übungen mit der US-Armee oder der US-Feuerwehr gibt es bisher nicht, aber gebe "einen guten Austausch", heißt es beim Landratsamt Neustadt. Selbstverständlich übe aber der Katastrophenschutz regelmäßig verschiedene Einsatzszenarien. Wichtig sei dabei insbesondere, dass Organisationsstrukturen und Kommunikation funktionieren.

Jenseits der Übungen in den vergangenen Jahren habe der Katastrophenschutz des Kreises, "durch den echten Katastrophenfall der Pandemie auch sehr viele praktische Erfahrungen gesammelt". Diese Erfahrungen würden bei jeder Art von Einsatz helfen, sagte die Pressesprecherin, "gerade jetzt auch wieder wo Einsatzkräfte in den Hochwassergebieten unterstützt haben".

Vor 50 Jahren stützte ein US-Hubschrauber ab

Pegnitz

Schadensbilanz nach einem Jahr

Weitere Texte zum Absturz 2015

Hintergrund:

Kampflugzeug F-16

  • Die F-16 Fighting Falcon hat ein Triebwerk und ist 14,80 Meter lang und hat eine Flügelspannweite von 9,80 Meter.
  • Die Maschine hat je nach Version ein Gewicht von 10.800 Kilogramm oder 12.150 Kilogramm.
  • Es gibt einsitzige und zweisitzige Versionen.
  • Die F-16 wurde im Jahr 1979 bei der US-Luftwaffe eingeführt.
  • 52. Fighter Wing in Spangdahlem in Rheinland-Pfalz ist der größte Verband der US-Luftstreitkräfte in Europa. Die F-16 fliegen regelmäßig für Übungen zum Truppenübungsplatz Grafenwöhr.

Ein Video der US-Armee zu den Helfern

 

 

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