02.09.2020 - 12:26 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Forschungsprojekt zum Wolf auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr

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In das alte Forsthaus Luisenhof bei Kirchenthumbach wird ein Forschungsprojekt einziehen. Erforscht wird die Ausbreitung des Wolfes auf dem Truppenübungsplatz und welche Folgen das haben könnte.

Der Wolf auf Pirschgang im Übungsplatz, ob das Klicken der Fotofalle seine Aufmerksamkeit forderte.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Der Bauausschuss der Marktgemeinde Kirchenthumbach stimmte der Nutzungsänderung des alten Forsthauses Luisenhof ohne Einwände zu. Hinter dem unscheinbaren Antrag steckt aber viel mehr als nur eine Umnutzung. Besitzer des Hauses ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Genutzt werden soll das Gebäude in Zukunft für ein Forschungsprojekt. Thema ist der Wolf auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr.

„Das Forsthaus Luisenhof wird durch das Institut für Wildbiologie Göttingen und Dresden e.V. genutzt, das dort ein Forschungsprojekt durchführt“, erklärt ein Sprecher der BImA. Seit die ersten Wolfswelpen im Jahr 2000 gesichtet wurden, wachse der Wolfsbestand in Deutschland exponentiell. Mittlerweile habe auch im Nordosten Bayerns eine dynamische Entwicklung eingesetzt. Aufgrund der Erfahrungen in den nord- und ostdeutschen Bundesländern seien mit der Wolfswiederbesiedelung zahlreiche Herausforderungen für die Forst- und Landwirtschaft und dem Naturschutz und die Jagd verbunden, teilt die BImA mit.

Truppenübungsplatz Grafenwöhr: Wölfe sind zurück

Grafenwöhr

Projekt seit 2019 vorbereitet

„Im Rahmen eines Forschungsprojektes in der Oberpfalz sollen nun die wesentlichen Wissenslücken zu den verschiedenen Folgen der Wolfsausbreitung erstmalig systematisch und innerhalb einer Region aufgearbeitet werden“, heißt es im Projektvorhaben des Instituts. Das Projekt läuft bereits seit 2019 und soll bis 2024 andauern. „Wir haben nun alle Vorbereitungen getroffen. Es handelt sich um ein größeres Projekt zum Wolf auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr und dessen Umfeld“, erklärt Marcus Meißner, Geschäftsführer des Instituts für Wildbiologie, auf Nachfrage. Finanziert wird die Studie aus Mitteln des Zweckvermögens des Bundes bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank.

Herkunft des toten Wolfes bei Pressath geklärt

Pressath

Mitarbeiter im Forsthaus

In dem ehemaligen Forsthaus Luisenhof bei Kirchenthumbach werden die Mitarbeiter untergebracht. „Das ist für uns einfacher als in einer Pension zu gehen, denn so sind wir ganz nah dran und können in Ruhe arbeiten“, sagt Meißner. Die wissenschaftliche Bearbeitung erfolgt durch die Abteilungen Wildtierwissenschaften und Graslandwissenschaft der Georg-August-Universität Göttingen sowie die Abteilung für Wildökologie und Jagdwirtschaft der Technischen Universität Dresden. Die praktische Umsetzung und Datenerhebung vor Ort wird durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Geschäftsbereich Bundesforst, unterstützt. Den Kern der Projektregion bilden die beiden Truppenübungsplätze Grafenwöhr und Hohenfels.

Das Projekt des Instituts hat drei Schwerpunkte: „Verhaltensökologie des Wolfes in der Kulturlandschaft“, „Einfluss des Wolfes auf die Landnutzung“ und „Räuber-Beute-Beziehung, Populationsdynamik und Wildtiermanagement“. Das Vorhaben sieht eine enge Verknüpfung der unterschiedlichen Datengrundlagen aus den Teilprojekten vor, um ein möglichst vollständiges Bild des Wolfes in der Region zu erhalten. Ziel sei es laut dem Institut für Wildbiologie zur Entwicklung zukünftiger Maßnahmen, die den Wolf in Deutschland betreffen, beizutragen. „Die im Zuge des Projektes angestrebten Erkenntnisse können so auch dabei helfen, die Debatte zum Wolf zu versachlichen“, heißt es in einem Schreiben zum Projektvorhaben.

Info:

Schwerpunkte des Forschungsprojekts

  • Verhaltensökologie des Wolfes in der Kulturlandschaft: Mit Hilfe von GPS-Telemetrie und weiteren Forschungsmethoden, zum Beispiel Fotofallenmonitoring oder Analyse der Nahrungszusammensetzung sollen Raumnutzung und Verhalten der Wölfe analysiert werden. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der möglichen Nutzung siedlungsnaher Bereiche und auf eventuell auftretenden Konflikte mit der Weidetierhaltung.
  • Einfluss des Wolfs auf die Landnutzung: Im Rahmen des Vorhabens sollen die Folgen der Wiederbesiedlung der Kulturlandschaft durch den Wolf auf die verschiedenen Formen der Landnutzung (Weidetierhaltung, Forstwirtschaft, Landschaftspflege) erfasst werden. Aufbauend auf einer Kartierung der Weideflächen und den Daten zum Wolf soll ein Modell zur Risikoabschätzung entwickelt werden. Darüber hinaus ist eine Befragung der in der Region ansässigen Nutztierhalter zu wolfsbedingten Veränderungen für die Weidehaltung vorgesehen. In Abhängigkeit von der Entwicklung der Wolfspräsenz auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels soll die dortige Praxis der landschaftspflegeorientierten Schafbeweidung in das Vorhaben integriert werden. Um mögliche Auswirkungen auf die Vegetationsentwicklung zu erfassen, sind Erhebungen zur lokalen Dichte von Reh und Rothirsch sowie zum Wildverbiss in Wald und Offenland geplant.
  • Räuber-Beute-Beziehung, Populationsdynamik und Wildtiermanagement: Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr soll die Räuber-Beute-Beziehung zwischen Wolf und Rothirsch analysiert werden. Zur Untersuchung von Lebensraumnutzung und Verhalten beim Rothirsch steht eine fünfjährige Zeitreihe von Telemetriedaten (2015 bis 2019) zur Verfügung. Die Erfassung der Bewegungsmuster soll nach dem gleichem Aufnahmeschema fortgeführt und hinsichtlich möglicher Veränderungen durch die zunehmende Wolfspräsenz analysiert werden. Zusätzlich sollen Populationsdynamik und Bestandsstruktur beim Rothirsch anhand verschiedener Kennzahlen der jährlichen Jagdstrecke erfasst werden.
Das ehemalige Forsthaus Luisenhof bei Kirchenthumbach wird als Unterkunft für das Forschungsprojekt zum Wolf dienen.

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