19.08.2020 - 12:44 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Vor der Kirchweih dreifache Primiz

Für einige Kirchenthumbacher Kolpingsmitglieder war es vor 60 Jahren ein erlebnisreicher Sommer, dominiert von zwei Großereignissen: dem Eucharistischen Weltkongress in München und der Dreifachprimiz zu Hause.

Auf der Treppe des damaligen Pfarrhofes entstand diese Aufnahme mit den Neupriestern, darunter Pater Stanislaus Loh (Mitte). Mit im Bild (hinten, von links) Bischöflicher Geistlicher Rat Pfarrer Josef Bollmann, Pater Johannes Rauh und Kaplan Richard Hornauer. „Primizbraut“ (vorne) war eine Verwandte von Pater Rauh.
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Von Georg Paulus

Es war ein Ereignis, das Kirchenthumbach mit großer Wahrscheinlichkeit nur einmal erleben wird: Am 9. August 1960, sechs Tage vor dem Kirchweihfest, feierten drei junge Männer gemeinsam in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt ihre Primiz, wie das erste Messopfer eines Priesters genannt wird.

Sie hatten die Schule der Salesianer Don Boscos auf der Insel Macao besucht, die im südchinesischen Meer liegt. Einer ihrer Lehrer dort war Johannes Rauh. Geboren in Haselmühle bei Kirchenthumbach, wurde er Salesianer-Missionar und auf der Insel Macao eingesetzt. Durch Pater Rauh kam es zum Kontakt der Neupriester mit Bischöflichem Geistlichen Rat Pfarrer Josef Bollmann, der die jungen Männer spontan dazu einlud, gemeinsam Primiz in der Kirchenthumbacher Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt zu feiern.

Wenige Tage zuvor gehörten die Drei zu den Kandidaten aus vielen Ländern, die beim Eucharistischen Weltkongress in München zu Priestern geweiht wurden. Unter dem Motto „Pro Mundi Vita“ – "Für das Leben der Welt – kamen vom 31. Juli bis 7. August Katholiken aus der ganzen westlichen Welt zum ersten Großereignis nach dem Zweiten Weltkrieg nach München. Ranghöchster aller Kardinäle, Bischöfe, Äbte und Würdenträger der Ostkirche war Kurienkardinal Gustavo Testa, Legat von Papst Johannes XXIII.

Er hatte bereits mit der Ankündigung des Vatikanischen Konzils, von dem man eine Erneuerung der katholischen Kirche erwartete, Hoffnung geweckt. Schon der Eröffnungsgottesdienst, den der Münchener Erzbischof Kardinal Josef Wendel mit etwa 80.000 Christen auf dem Odeonsplatz feierte, zeigte, dass sich „bei den Katholiken etwas bewegt“: Wendel zelebrierte den Festgottesdienst „versus populum“, dem „Volke zugewandt“, und das Evangelium wurde nicht, wie bisher üblich, auf Latein vorgelesen, sondern von einem Laien in deutscher Sprache vorgetragen. Auch das Vaterunser wurde in deutscher Sprache gebetet. Die Handkommunion, jetzt fast überall üblich, gab es damals noch gar nicht.

Monatelang war ein Vorbereitungsteam damit beschäftigt, den Weltkongress zu planen. Zur Vorbereitung und vor allem zur Durchführung des Programmes setzte man auf viele ehrenamtliche Mitarbeiter. Im März bat der Landesgeschäftsführer des Kolpingwerks Bayern, Franz Weigl, später Landrat im Landkreis Tirschenreuth, die Kolpingsfamilien um Helfer beim Aufbau der Altarinsel auf der Theresienwiese und für den Ordnungsdienst beim Kongress. Sofort meldeten sich mit mir einige Kirchenthumbacher Kolpingmitglieder dafür. Im Juli wurde mitgeteilt, dass wegen vieler Meldungen aus dem Umland auf die Mithilfe „entfernt wohnender Kolpingsöhne“ verzichtet werde.

Damit die Enttäuschung nicht zu groß war, bekamen wir als Trostpflaster Freiplätze in einem der großen Zelte, die für junge Teilnehmer am Weltkongress auf dem Oberwiesenfeld aufgebaut worden waren. Natürlich nahmen wir dieses Angebot an – und erlebten Zelte mit Schlafplätzen auf drei Etagen, für die oberen musste man beinahe ein Kletterkünstler sein. Rund um die Uhr bewachte Bereitschaftspolizei die Zeltstadt. Ab 7 Uhr früh fuhren Omnibusse im 15-Minuten-Takt in die Innenstadt und zur Theresienwiese. Der letzte Bus am Abend, auch „Lumpensammler“ genannt, fuhr um 22 Uhr zur Zeltstadt.

Nicht nur einen schönen Gottesdienst in der Frauenkirche, dem Dom Münchens, konnten wir mitfeiern, auch die Orchestermesse in der Jesuitenkirche St. Michael war ein Erlebnis. Beeindruckend war auch die Messe in der Bürgersaalkirche, dem Wirkungsort des seligen Paters Rupert Mayer. Ein Taxi brachte uns einmal werktags um 6 Uhr früh zum Frühstücken in den „Donisl“. Da traditionell geplatzte Weißwürste nicht mehr serviert werden, war der „Erbseneintopf mit Weißwurst-Einlage“ ein Geheimtipp. Wegen des großen Andrangs ließen wir das Hofbräuhaus aus, besuchten stattdessen die „ Bavaria“. Auf der schmalen Wendeltreppe in den Kopf der Figur gelangt, belohnte uns der Blick aus ihren Augen auf die Theresienwiese, die Altarinsel und die Stadt.

Höhepunkt des Weltkongresses war der Schlussgottesdienst, bei dem nochmals Zehntausende auf der Theresienwiese, rund um die Altarinsel verteilt, gebetet und gesungen haben. Nach dem Schlusssegen begann die Jagd auf Autogramme von Kardinälen, Bischöfen, asiatischen und koptischen Geistlichen. Die Autogramme eines schwarzen Bischofs, der geduldig lächelnd den Namen auf die vielen Ansichtskarten schrieb, waren ganz besonders begeht.

Bereits am Sonntag nahmen wir nach erlebnisreichen Tagen Abschied von München. Am Dienstag, fünf Tage bevor Kirchenthumbachs Kirchweih gefeiert werden sollte, wartete mit der Primiz der drei jungen Priester aus Fernost das nächste Großereignis. Kam es schon selten vor, dass eine Primiz gefeiert werden konnte, so wurde das erste Messopfer, das drei junge Männer miteinander zelebrierten, ein für die Pfarrei einmaliges Erlebnis.

Unter Glockenläuten und Orgelspiel zogen die Neupriester am 9. August, begleitet von Bischöflichem Geistlichen Rat Pfarrer Josef Bollmann, Pater Johannes Rauh und Kaplan Richard Hornauer zur Feier ihres ersten heiligen Messopfers in die restlos gefüllte Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt ein. Den vom Kirchenchor musikalisch mitgestalteten Gottesdienst beendeten der Primizsegen, den die Neupriester gemeinsam spendeten, und das von Pfarrer Josef Bollmann angestimmte „Te Deum“, das Kirchenlied „Großer Gott, wir loben Dich“.

Traditionell folgte der kirchlichen Feier das Primizmahl, zu dem der Primiziant Angehörige, Bekannte, weltliche Prominenz und die Geistlichkeit in einen Gasthof einlädt. Für die drei Primizianten hatte Bollmann zum Primizmahl die ganze Pfarrgemeinde eingeladen. Wer kommen wollte, musste sich im Pfarrhof anmelden. Stattgefunden hat das Primizmahl im „Josefshaus“, dem Pfarrheim. Für die Speisen und Getränke, die serviert wurden, übernahm die Pfarrei die Kosten.

Gemäß dem Brauch zahlten alle Gästen ein „Mahlgeld“, das erste Gehalt des Primizianten. Diskret legten die Gäste normalerweise ihr Kuvert in ein Körbchen, das durch die Tischreihen gereicht wurde. Dieses Mal war es mit drei Priestern aus Fernost anders: Der Pfarrer ließ einfach ein Körbchen rumreichen, in das ohne Kuvert gespendet wurde, so dass jeder sehen konnte, was sein Nachbar gab. Wie viel Geld einging, ist nicht bekannt, aber beim Festgottesdienst zur Kirchweih sagte der Geistliche Rat am Schluss seiner Predigt: „Vergelt's Gott für alles. Amen.“

Autogramme von Bischöfen und einem Kardinal, die beim „Eucharistischen Weltkongress“ in München gegeben wurden, sind im Kolpingausweis bleibende Erinnerungen an die schönen Tage.

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Kirchenthumbach
Mariä Himmelfahrt zeigte das Deckengemälde in der 1974 wegen angeblicher Baufälligkeit abgerissenen Pfarrkirche. 1960 feierten dort drei junge Priester aus Fernost ihr erstes heiliges Messopfer, ihre Primiz.
„Seelen suchen und Dir allein dienen“, lautete der Primizspruch von Pater Stanislaus Loh. Zweisprachig erinnert das Motto auf dem Primizbildchen an seine Priesterweihe am 4. August 1960 in München und sein erstes heiliges Messopfer in Kirchenthumbach.

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