10.02.2021 - 11:48 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Kläranlage Kirchenthumbach: Viele Bauteile sind am Ende

Nach 40-jährigem Dauerbetrieb erfüllt die alte Kläranlage nicht mehr die Anforderungen an umweltfreundliche Reinigungsleistungen. Licht ins Dunkel einer Neuplanung bringen in der Ratsversammlung die Vertreter des Ingenineurbüros Zwick.

Vor 40 Jahren gebaut, bedarf die kommunale Kläranlage dringend der Modernisierung, um heutige und künftige Ansprüche auf sauberes Abwasser zu erfüllen. Alternativ prüft das Ingenieurbüro Zwick einen Neubau
von Robert DotzauerProfil
"Es lohnt sich, darüber nachzudenken, nicht alles neu zu bauen", sagt Diplom-Ingenieur Günter Schwab.

Belebungsbecken, Nachklärbecken, Schnecken und Pumpen, Kompressoren, Schlammentwässerung und Energieeffizienz, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit: auf die Markträte prasselte in der jüngsten Sitzung ein ganzes Gewitter an Informationen. Das Gremium beschäftigte das "Projekt Zukunft". Gemeint ist der Neubau einer Kläranlage. Auch eine Generalsanierung stand alternativ bei der Vorstellung einer Planungsstudie durch Manuel Zwick, Geschäftsführer des Ingenieurbüros Zwick aus Weiden und seines Kollegen Diplom-Ingenieur Günter Schwab im Mittelpunkt der Überlegungen. Alte Bauteile soweit wie möglich zu erhalten, um sie nach einer "Aufrüstung" weiter nutzen zu können: auch diese Strategie fand aus Gründen der Kosteneinsparung viel Gehör.

Beispiel Krummennaab

"Wir bemühen uns um eine bezahlbare und zukunftsfähige Lösung", versicherte Manuel Zwick. Vorausgegangen waren Besprechungen des Bürgermeisters und der Fachingenieure mit dem Wasserwirtschaftsamt zu technischen Fragen und zu Fördermöglichkeiten nach den sogenannten Richtlinien für Zuwendungen zu wasserwirtschaftlichen Vorhaben (RZWas). Den konkreten Sanierungsbedarf beleuchtete Schwab. Der Planer verglich das "Projekt Kirchenthumbach" mit ähnlichen Verhältnissen in der Kläranlage Krummennaab. Auf Komponenten dieses Klärwerks aufbauend berichtete Schwab zunächst über die "Krankheiten" der Kirchenthumbacher Abwasserentsorgung und kam mit Blick auf das Klärwerk zum Ergebnis: "Viele Bauteile sind am Ende." Bei einer Sanierung bedürfe es großer Eingriffe, um Reinigungsleistungen nach heutigen Ansprüchen zu erzielen.

Neubau oder Generalsanierung?

Die folgenden Ausführungen galten dem Thema eines Komplett-Neubaus mit Abriss der alten Anlage und alternativ der "Aufrüstung" der Altanlage. Als ineffizient und erneuerungsbedürftig bewertete Schwab vor allem die Pumpentechnik. Verschlissen sei auch die Rechenanlage. Auch ein neues Nachklärbecken und einen neuen Sandfang hielt der Planer für notwendig. Ein Aufatmen ging durch die Reihen der Ratsversammlung, als der Fachmann urteilte: "Es lohnt sich allerdings darüber nachzudenken, nicht alles neu zu bauen". Mit dieser Feststellung plädierte er dafür, einige Anlagenteile zu sanieren. Oft werde nämlich vergessen, was mit einer ausgemusterten Anlage geschehen solle.

Fremdwasseranteil zu hoch

Kirchenthumbach investiert in Wasser

Kirchenthumbach

Gleichzeitig hielt Schwab eine Reduzierung des Fremdwasseranteils in der ankommenden Schmutzwasserfracht für unabdingbar. "Grund- und Quellwasser in den Kanälen vermeiden", hieß deshalb die Devise. Auch dadurch könne die Leistung der Kläranlage verbessert werden, weil weniger Abwasser zu reinigen sei. "Für Kirchenthumbach derzeit ein großes Problem", wie der Fachingenieur mit Blick auf den hohen Grund- und Quellwasseranteil in den Abwasserkanälen feststellte. Zügig müsse deshalb auch das Leitungsnetz saniert, teilweise erneuert und mit Regenüberlaufbecken ergänzt werden.

Auf die Kostenfrage eingehend, schätzte Schwab die Investitionen in das Projekt Kläranlage vorsichtig auf zirka 1 000 Euro je Einwohnergleichwert. "Wir müssen erst die wirtschaftlich beste Variante finden", stellte der Planer klar. Rechnen müsse der Markt mit einem Sanierungsaufwand in Millionen-Höhe. In Krummennaab habe er zirka 5 Millionen Euro betragen. Schwab empfahl in diesem Zusammenhang, sich um eine staatliche Förderung zu bemühen und verwies auf die Möglichkeiten der neuen Förderrichtlininie RZWas 2021. Möglicherweise greife für Kirchenthumbach eine Härtefallregelung für Kommunen, da die Marktgemeinde einen außergewöhnlich hohen Investitionsbedarf im Bereich der Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung nachweisen könne. Das Wort Härtefall bedeute allerdings auch hohe Kosten in der Vergangenheit. Dieser Nachweis sei ebenso zu erbringen wie die Eigenbeteiligung der Bürgerschaft. Mit Blick auf die Vorleistungen und die gewaltigen Zukunftsausgaben zeigte sich Schwab optimistisch, die Härtefallhürden der Förderrichtlinien zu reißen.

Um staatliche Förderung kämpfen

Auf eine staatliche Förderung hofft auch Bürgermeister Jürgen Kürzinger. "Zuschüsse erscheinen nicht aussichtslos", zeigte sich der Rathauschef vorsichtig optimistisch. Erfreulich sei auch die Aussicht, einen Komplett-Neubau der Kläranlage vermeiden zu können. Von Kosteneinsparungen könnte dann auch die Bürgerschaft profitieren, betonte Kürzinger mit Blick auf dann geringere Verbesserungsbeiträge. "Was wir jetzt brauchen, sind konkrete Kostenschätzungen", so der Bürgermeister. Deshalb wünschte sich Jan Wiltsch eine umgehende Gegenüberstellung der Sanierungs- und Neubaukosten. Als gute Nachricht wertete Richard Götz die Chancen zum grundsätzlichen Erhalt der Altanlage und mögliche Förderaussichten.

Die weiteren Diskussionsbeiträge befassten sich mit den Zufahrtsmöglichkeiten zur Kläranlage, mit dem Thema der Kleinkläranlagen, mit dem Planungszeitraum, mit Erfahrungswerten zur Einsparung von Betriebskosten, mit dem Wunsch auf enge Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt und mit dem Antrag auf Besichtigung von in jüngster Zeit aufgerüsteter vergleichbarer Klärwerke. Zu beantworten seien all diese Fragen in einem Masterplan, erklärte Kürzinger und kündigte in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro und den Fachbehörden in nächster Zeit ein bestmögliches Konzept an.

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