30.05.2021 - 15:29 Uhr
KönigsteinOberpfalz

Königsteiner Honig für Nürnberger Lebkuchen

111 Bienenvölker, betreut von 23 Mitgliedern: Der Königsteiner Imkerverein besteht seit fast 130 Jahren. Doch bereits im Mittelalter sind die Zeidler und ihr Honig unverzichtbar – als einziges Mittel zum Süßen von Speisen und Getränken.

Das stattliche Bienenhaus von Heinrich Gebhard im Jahre 1961: Es stand in der Nähe des Königsteiner Sportplatzes und bot Platz für 30 bis 35 Bienenvölker. Als gelernter Schreiner fertigte er das Bienenhaus mithilfe seines Vaters und seines Neffen an. Den Honig verkaufte seine Frau Frieda in ihrem Lebensmittelgeschäft (Neukramer). Auch Großhändler waren seine Abnehmer.
von Heidi KurzProfil

Die Zeidlerei, wie früher das Imker-Handwerk genannt wurde (siehe Infokasten unten), blickt in Königstein auf eine jahrhundertelange Tradition zurück – die sich in Form des Königsteiner Imkervereins bis heute erhalten hat.

Die Ursprünge gehen bis ins Mittelalter zurück. So wird in einem Bamberger Grundbuch aus dem Jahre 1323 berichtet, dass im Veldensteiner Forst 24 Zeidler ihr Handwerk betrieben: Vier wohnten in Königstein, drei in Hannesreuth, zwei je in Bischofsreuth und Pruppach, sowie einer in Loch. Jeder von ihnen durfte nur sechs Bienenvölker auf sechs verschiedenen Bäumen im Wald halten und war verpflichtet, eine bestimmte Menge Honig an den Bischof von Bamberg abzugeben.

Im Laufe von 25 Jahren stieg die Zahl der Imker um das Doppelte. Den Zeidlern kam im Mittelalter eine viel wichtigere Rolle zu als heutzutage. In der Zeit, wo man weder Rohr- noch Rübenzucker kannte, war der Honig das einzige Mittel zum Süßen der Speisen und Getränke. So brauchten unter anderem die Nürnberger den Honig zum Backen ihrer berühmten Lebkuchen. Außerdem benötigte man das Bienenwachs zum Anfertigen von Kerzen. Für die Medizin war Propolis wichtig. Kein Wunder, dass dem Stand der Bienenzüchter besondere Aufmerksamkeit geschenkt wurde.

Rohrzucker als Konkurrenz

Seit der zunehmenden Einfuhr des Rohrzuckers im 17. und 18. Jahrhunderts ging die Imkerei immer mehr zurück. Mit dem Aufkommen des Rübenzuckers vor 200 Jahren verlor sie größtenteils ihre Bedeutung. Doch bald gab es wieder einen Neuanfang.

Im Jahre 1893 wurde in Königstein der Obstbau- und Bienenzuchtverein gegründet. Dies geschah auf Wunsch des Telegraphen-Oberingenieurs Johann Georg Beringer, eines gebürtigen Königsteiners. Er selbst war leidenschaftlicher Bienenzüchter und Vorsitzender des Bayerischen Bienenzuchtvereins. Er war der Verfasser des Buches "Grundzüge der Bienenzucht". Daher wurde er auch der "Landesbienenvater" genannt.

Der Königsteiner Imkerverein besteht heute noch. 23 Mitglieder (davon 4 Frauen) imkern mit 111 Bienenvölkern. Die erste Frau war Sieglinde Graf aus Hannesreuth, die als Imkerin vor 25 Jahren begann.

Lehrer kümmern sich um Schulbienen

Der Verein betreut auch die Schulbienen. Das hat übrigens Tradition: Vor 120 Jahren wurde ein moderner Bienenstand mit drei Bienenvölker vom Verein angeschafft. Damals waren die Lehrer für die Betreuung zuständig.

Interessant sind auch die alten Übergabeverträge vor rund 100 Jahren. Damals waren die Bienen so wichtig, dass sie extra darin genannt werden. Als beispielsweise der Schmied Johann Leonhard Högner aus Poppberg das Anwesen im Jahre 1905 von seinen Eltern Georg und Elisabeth Högner übernahm, wird im Übergabevertrag Folgendes extra festgehalten: Seine Eltern haben "das Recht auf Mitbenutzung des Bienenstandes bis zur Höchstzahl von drei Völkern." Außerdem behalten sich die Eltern nicht nur Betten mit Bettgestellen, einen Tisch und einen Stuhl vor, sondern auch einen Bienenstock mit Bienen.

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Hintergrund:

Ursprung des Imkerhandwerks: Die Zeidlerei

  • Was ist die Zeidlerei? Die Zeidlerei ist das gewerbsmäßige Sammeln von Honig wilder oder halbwilder Bienenvölker. Sie wurde vom Zeidler, einem Waldimker, bereits im Mittelalter ausgeübt.
  • Bienenstöcke in Bäumen: Der Zeidler hielt – anders als der Imker im heutigen Sinn – die Bienen nicht in gezimmerten Bienenstöcken oder Bienenkörben. Er schlug künstliche Höhlen in alte Bäume in etwa sechs Metern Höhe. Von da aus schwärmten die Bienenvölker über den Wald.
  • Arbeitsmaterial: Für ihre Arbeit benötigten die Zeidler, die auch körperlich fit sein mussten, deshalb ein Beil und ein Kletterseil.
  • Bienennahrung: Waldblumen und Kräuter bildeten ihre Hauptnahrung. Künstliche Bienenstöcke oder gar ein Füttern der Bienen gab es nicht.
Seit vielen Jahren betreut der Imkerverein die Bienenvölker der Grundschule Königstein. Hier ein Bild aus der Zeit vor Corona.

 

 

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