12.05.2021 - 09:42 Uhr
KönigsteinOberpfalz

Holunder: Duftend weißer Blüten-Segen

Der germanischen Schutzgöttin Holda war der Holunderbusch einst geweiht. Zauberhaft ist der Holunder aber auch heute noch. Er wirkt bei Erkältungen und kalten Füßen, hilft beim Einschlafen und soll sogar verjüngen.

Der Holunder (sambucus nigra) gehört zur Familie der Geißblattgewächse.
von Adele SchützProfil

Germanen und Kelten hatten eine andere Vorstellung von Bäumen und Sträuchern. Zwar nutzten sie Blüten, Früchte, Rinde, Wurzeln und Holz, doch gleichzeitig waren Bäume und Sträucher für sie auch beseelte Wesen, in denen Götter, die sie verehrten, ihren Wohnsitz hatten. In der germanischen Glaubenswelt wohnte im Hollerbusch die Göttin "Holla", auch "Holda" genannt.

Rituale und Zauber

Sie war eine den Menschen wohlgesonnene Göttin, die über Haus und Hof wachte. Der Strauch der Göttin lieferte den Menschen eine gute Apotheke und heilsame Nahrung direkt vor der Haustür. Zubereitungen aus Wurzeln, Rinde, Blättern, Blüten und Früchten wurden als schweiß- und harntreibende, abführende und entzündungshemmende Arznei gegen Fieber und Gicht über viele Jahrhunderte hochgeschätzt. Zur Heilzeremonie gehörten dabei auch stets verschiedene Rituale und Zauber. Heute ist die Wirksamkeit des Holunders als Heilpflanze anerkannt. Es finden jedoch nur noch Blüten und Früchte Anwendung.

"Holunder galt in früheren Zeiten als Schutzbaum, der Unheil von Mensch und Tier abwenden sollte. An jedem Haus musste ein Holunderbusch stehen, der nicht abgehackt werden durfte", weiß Kräuterexpertin Markusine Guthjahr aus Königstein. Heutzutage sei es kein Muss mehr, einen Hollerbusch vor jedes Haus zu pflanzen. Doch man würde diesen noch bevorzugt in der Nähe menschlicher Siedlungen in Hausgärten, an Scheunen und Stallungen finden. Der intensive Geruch von Blättern und Blüten vertreibe auch Fliegen so die Kräuterexpertin. Es gebe nur wenige Heilpflanzen gebe, die bei unseren Vorfahren so beliebt waren und so verehrt wurden wie der Holunder. Der Volksmund sagt: "Wenn du am Hollerbusch vorbeigehst, dann zieh deinen Hut."

Erinnerung an Frau Holle

Der Holunder (sambucus nigra) gehört zur Familie der Geißblattgewächse. Er ist sehr verbreitet. Dazu tragen auch die Vögel bei. Sie fressen gerne die schwarzen Beerenfrüchte und verteilen mit ihrem Kot die Samen. Der Same keimt überall, besonders in nährstoffreichen Dungstätten und Kompostanlagen. Der unbelaubte Strauch mit seinen krummen Ästen ist zwar nicht besonders schön, doch wenn er sich im Frühsommer mit den duftenden, weißen Blütendolden schmückt, wird man an das Märchen "Frau Holle" erinnert.

Bei Insektenstichen, Husten und Erkältungskrankheiten helfe Holunder auf natürliche Weise, sagt Markusine Guthjahr. Blüten und Früchte des Holunders enthielten Glycoside und Flavonoide, die eine schweißtreibende Wirkung hätten. Ferner enthalte die Pflanze Schleimstoffe und ätherische Öle, die den Holunder zu einem wirksamen Heilmittel der Volksmedizin machen würden. "In Blättern und Rinde wurde ein Blausäure abspaltendes Glykosid nachgewiesen, und auch in unreifen Früchten ist Glycosid noch enthalten, darum nur ausgereifte Beeren ernten", warnt die Expertin.

"Bei der Verwendung der Holunderblüte ist keine Nebenwirkung zu befürchten. Blätter und Rinde sollte man als Laie nicht verwenden. Auch rohe Beeren dürfen nicht gegessen werden, sie rufen Übelkeit hervor." Besonders Kinder sollten darauf hingewiesen werden.

Durch das Erhitzen wird die Blausäure unschädlich gemacht. Der gekochte Saft, beziehungsweise der Saft, der im Dampfentsafter gewonnen werde, sei sehr zu empfehlen. Er enthalte wertvolle Wirkstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe und Anthocyane, die eine antioxidative Wirkung hätten und das Immunsystem stärken würden.

Heißer Holunderblüten-Tee sei schweißtreibend und wirke bei fiebrigen Erkältungskrankheiten, da er die körpereigenen Abwehrkräfte mobilisiere, so die Kräuterexpertin. Schon zur Vorbeugung sollte Holunderblüten-Tee getrunken werden, empfiehlt sie.

Wirksam sei dieser Tee auch bei rheumatischen Beschwerden und bei Neigung zu kalten Füßen. In diesem Fall werde der Tee kurmäßig drei Wochen lang (dreimal täglich eine Tasse) getrunken.

Tee aus Holunderblüten

So wird der Tee zubereitet: Zwei gehäufte Teelöffel getrocknete Holunderblüten mit einem Viertel Liter kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen. Heiß trinken bei fiebriger Erkältung. Zur Vorbeugung und bei rheumatischen Beschwerden genüge ein Teelöffel voll Holunderblüten auf einen Viertel Liter Wasser.

Markusine Guthjahr verrät zudem eine Wohlfühl-Kur mit Holunderblüten. Und so geht es: Täglich vier frische Holunderblütendolden in einem halben Liter Wasser aufkochen und fünf bis zehn Minuten ziehen lassen. Den Blütenauszug über den Tag verteilt trinken. Diese Kur sollte während der ganzen Holunderblüten-Saison angewendet werden, also zirka vier Wochen. "Die Kur steigert das Wohlbefinden und soll sogar eine 'verjüngende' Wirkung haben."

Weiche Haut

Wohltuend sei auch das Holunderblüten-Bad: Sieben Holunderblütendolden werden einen Tag lang in kaltes Wasser gelegt und dann abgeseiht. Der Blütenauszug wird dem warmen Bad zugesetzt und soll die Haut schön zart und weich machen. Der Volksmund sagt: "Wenn man sich unter einen blühenden Holunderbusch legt, schläft man ein und wacht nicht mehr auf." Das stimme zum Glück nicht, aber der intensive Duft habe laut Guthjahr eine ermüdende Wirkung. "Bäuerinnen berichteten mir, dass die Legeleistung ihrer Freiland-Hennen während der Holunderblüte stark nachlässt oder ganz aufhört." Als Einschlafhilfe: Dinkelspelzen mit getrockneten Holunderblüten im Verhältnis 2:1 mischen. Dann in einen kleinen Leinenbezug füllen und zunähen. Das Kissen unter den Kopf legen. Der Holunder-Duft entspannt und fördert den Schlaf.

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Königstein
Service:

Tipps zum Trocknen von Holunderblüten

  • Die Holunderblüten-Dolden bei sonnigem Wetter abschneiden. Nicht waschen.
  • Dicke Stiele entfernen und locker kurze Zeit in einen Korb legen, damit die kleinen Käfer verschwinden.
  • Auf einem mit Stoff bespannten Holzrahmen ausbreiten, so dass von unten und oben Luft an die Blüten kommen kann.
  • Größere Mengen können auch auf einem Wäscheständer getrocknet werden, der mit einem Spannbetttuch bespannt ist.
  • Getrocknet wird in einem luftigen Raum mit gekipptem Fenster.
  • Die Blüten täglich einmal vorsichtig wenden. Wenn sie trocken sind, in Dosen füllen.
  • Die getrockneten Blüten sollten eine goldgelbe Farbe haben und noch angenehm und intensiv duften.
  • Trocknen sollte man weder im Backofen noch in der prallen Sonne.
Rezept:

Apfel-Holunderblüten-Gelee „Frau Holles Blütenzauber im Glas“

Zutaten:

  • 15 frische Holunderblütendolden
  • 1 Liter Apfelsaft
  • 1 Teelöffel Ascorbinsäure (Apotheke)
  • 1 Kilo Gelierzucker

Zubereitung: Die frischen Blüten kurz auslegen oder gut schütteln, damit kleine Insekten verschwinden. Die dicken Stiele entfernen und die Blütendolden in eine Schüssel legen. Die Ascorbinsäure darüber streuen und mit Apfelsaft begießen. Zugedeckt einen Tag lang stehen lassen, dann sieben. Den Saft mit Gelierzucker verrühren und zum Kochen bringen. Vier Minuten sprudelnd kochen lassen. Gelierprobe machen. Sollte das Gelee dünnflüssig sein, ein bis zwei Teelöffel "Gelfix" zugeben und kurz aufkochen. Heiß in Gläser füllen und verschließen.

Rezept:

Holunderblüten-Likör

Zutaten:

  • 5 bis 7 Holunderblütendolden
  • 150 Gramm weißen Kandis
  • 1 unbehandelte Zitrone
  • 1 Flasche Korn (38 %)

Zubereitung: Blütendolden bei Sonnenschein sammeln, nicht waschen. Dicke Stängel entfernen und die Blüten in eine große Weithalsflasche füllen. Die Zitrone waschen und in Scheiben schneiden und mit dem Kandis zu den Blüten geben. Den Korn aufgießen. Die Flasche verschließen und in die Sonne stellen. Ab und zu schütteln. Nach vier Wochen abseihen. Den Likör in Flaschen abfüllen und noch ein paar Wochen im Keller nachreifen lassen.

Rezept:

Holunderblüten-Sirup

Zutaten:

  • 25 bis 30 Holunderblütendolden
  • 3 Liter Wasser
  • 2 Kilo Zucker
  • 100 Milliliter Obstessig
  • 2 unbehandelte Zitronen
  • 50 Gramm Ascorbinsäure

Zubereitung: Die Holunderblütendolden von Insekten befreien. Nicht waschen. Die Blütenstängel abschneiden. Blüten in einen großen Topf geben. Wasser mit Zucker aufkochen und abkühlen lassen. Ascorbinsäure im Zuckerwasser auflösen. Zitronen waschen, in Scheiben schneiden und zu den Blüten geben. Nun das Zuckerwasser auf die Blüten gießen und vorsichtig umrühren. Zugedeckt dunkel und kühl stehen lassen, täglich kontrollieren und einmal umrühren.

Nach sechs Tagen abseihen und noch einmal aufkochen. Heiß in saubere Twist-off-Flaschen abfüllen und im Keller aufbewahren. Tipp: Dieser aromatische Blütensirup wird mit Wasser verdünnt als Erfrischungsgetränk genossen. Er passt auch zum Mischen mit Sekt oder Prosecco und wird zur Herstellung von „Hugo“ verwendet.

Rezept:

"Hugo"

Zutaten für zwei Personen:

  • 300 Milliliter Prosecco
  • 200 Milliliter prickelndes Mineralwasser
  • 2 Limettenscheiben
  • 40 Milliliter Holunderblüten-Sirup
  • einige frische Minzblätter
  • Eiswürfel

Zubereitung: Je zwei Minzblätter in ein Weinglas legen. Limettenscheibe und Eiswürfel dazugeben. Mit Holunderblüten-Sirup, Prosecco und Mineralwasser auffüllen. „Hugo“ ist ein erfrischender Longdrink und kann auch mit Sekt oder Weißwein kreiert werden.

 

 

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