04.05.2021 - 17:33 Uhr
KönigsteinOberpfalz

Wiesengold, Heilpflanze und Delikatesse

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Manche lieben den Löwenzahn als gelben Farbtupfer auf der Wiese, andere verdammen ihn als Unkraut. Kräuterexpertin Markusine Guthjahr kennt auch seine heilenden Kräfte.

Löwenzahn wohin man blickt. Er ist nicht nur hübsch anzusehen, er kann auch in der Küche und als Heilpflanze eingesetzt werden.
von Adele SchützProfil

"Die Natur ist der beste Arzt", das wusste schon Hippokrates von Kos (460 bis 370 vor Christus). In unseren Wäldern, auf Wiesen, an Bächen und Wegrändern wachsen die ältesten überlieferten Arzneien der Menschheit. Eines der bekanntesten Wildkräuter ist der Löwenzahn, der von jeher eingesetzt wird, um im Frühjahr wintermüde Körper zu wecken.

Seine Blätter regen den Körper zur vermehrten Ausscheidung von Wasser und Salzen an und versorgen uns gleichzeitig mit neuen frischen Mineralsalzen. Die bitter schmeckende Wurzel soll hervorragend geeignet sein, um Galle, Leber, Bauchspeicheldrüse und Magen anzuregen und sorgt so für eine bessere Verdauung. Bevor sich die Blütenstängel mit den dottergelben Blüten aus dem Inneren der Blattrosette schieben, sind seine gezähnten Blätter noch mild und genau richtig zum Ernten. Seine geballte Kraft verbirgt der Löwenzahn allerdings in der Erde, denn seine tiefreichende Pfahlwurzel enthält eine hohe Konzentration an verdauungsfördernden Bitterstoffen.

Regionales Superfood

"Wenn auch der Löwenzahn zu den bekanntesten Wildkräuter zählt, der sein zartes Grün und seine strahlend gelben Blüten im Frühjahr der Sonne entgegenstreckt, wissen viele nicht, dass die auch als Pusteblume und ,Bettseicher' bekannte Pflanze aufgrund seines hohen Gehalts an Vitaminen und Mineralstoffen zum regionales Superfood zählt", sagt die Landfrauenberaterin und Kräuterexpertin Markusine Guthjahr aus Königstein. Sie weiß um die wertvollen Inhaltsstoffe der heimischen Heilpflanze und nutzt den Löwenzahn für die Hausapotheke und in der Küche.

Im Garten werde der Löwenzahn (Taraxum officinalis) oft als lästiges Unkraut gefürchtet. Viele schätzten ihn aber auch als bezaubernde Frühlingsblume, so Markusine Guthjahr. "Der Anblick einer blühenden Löwenzahnwiese erhellt das Gemüt, macht fröhlich und ist außerdem eine gute Bienenweide." Sie beschreibt den Löwenzahn: "Die strahlend gelben Blütenköpfe strecken sich der Sonne entgegen und wenn es Abend wird, werden die gelben Blütenblätter von den Hüllblättern umschlossen und bleiben darin, auch an Regentagen, sorgsam geschützt."

Unzählige Samen

Es dauert nicht lange, dann wird die Pusteblume daraus. "Ein Windstoß genügt, um die silbernen Bällchen mit ihren unzähligen Samen durch die Luft an neue Standorte zu wehen. Auf diese Weise verbreitet sich der Löwenzahn überall." Die Samen bevorzugen stickstoffhaltige Wiesen, aber auch Gärten, Ödland und Wegränder, wo sie prächtig gedeihen.

Der Löwenzahn sei ein "Kosmopolit", so Markusine Guthjahr, der auf der ganzen nördlichen Halbkugel zu Hause sei. Er gehöre unter den Wildkräutern zu den Pionierpflanzen, sei robust und wachstumsfreudig und könne auf steinigem Brachland und in Felsspalten überleben. Mit seiner kräftigen Pfahlwurzel hole er die Nährstoffe und die Feuchtigkeit aus tieferen Bodenschichten nach oben. Dabei reichere er den Boden mit Wurzelsekreten an und mache "tote" Böden wieder urbar. "Er ist also ein wichtiger Begleiter unserer Kulturpflanzen", betont sie.

Harntreibende Wirkung

"Viele Inhaltsstoffe machen den Löwenzahn zu einer wirksamen Heilpflanze, die den gesamten Zellstoffwechsel des menschlichen Körpers aktivieren. Die Blätter enthalten Provitamin A, die Vitamine B und C sowie reichlich Mineralstoffe, wie Kalium, außerdem Gerb- und Bitterstoffe. Der Inhaltsstoff Taraxacin ist hauptsächlich für die harntreibende Wirkung des Löwenzahns verantwortlich", erläutert die Kräuterexpertin.

Einen besonderen günstigen Einfluss hätten nach ihren Aussagen die Bitterstoffe des Löwenzahns auf Leber und Galle, sie fördern die Gallensekretion und damit die Fettverdauung. Die Wurzeln enthielten viel Inulin (nicht zu verwechseln mit Insulin), eine Substanz, die für Diabetiker von Vorteil sei, da sie deren Stoffwechsel nicht belaste. Im Herbst, die beste Zeit der Wurzelernte, steige laut Guthjahr der Inulin-Gehalt der Wurzel bis auf 40 Prozent.

Zur Wurzelernte steche man diese mit samt der Blattrosette aus, reinige und trockne sie, um sie dann zu zerkleinern. Diese Droge werde dann als Tee verwendet. In der Volksmedizin werde Löwenzahntee oder -saft auch zur unterstützenden Behandlung von Gicht, Rheuma, Ekzemen und anderen Hautkrankheiten genutzt.

Gesunde Delikatesse

"In der Küche verwendet, wird der Löwenzahn zur wahren Delikatesse mit hohem Gesundheitsfaktor", weiß die Kräuterexpertin. Die vitaminreichen Blätter des Löwenzahns seien im Frühjahr am zartesten und könnten auf vielfältige Weise zu wohlschmeckenden Salaten verarbeitet werden. Sie rät, Löwenzahn am besten mit Kultur-Gemüse wie Radieschen, Gurken, Tomaten oder Blattsalat zu mischen. "Dann gewöhnt sich der Gaumen leichter an die Bitterstoffe." Je höher die Sonne stehe, desto bitterer werde der Löwenzahn, weil die Sonne die Bitterstoffe nach oben ziehe.

Sollten die Löwenzahnblätter zu bitter schmecken, schneidet man einfach die Blattspitzen ab, denn hier sitzen die meisten Bitterstoffe. Ihr Tipp: "Die Blätter nur an sauberen Plätzen sammeln, gründlich waschen aber nicht lange wässern, wie oft empfohlen wird, dadurch gehen die wichtigsten Inhaltsstoffe verloren."

Aus den Löwenzahnblüten lassen sich "wahre Köstlichkeiten zaubern", wie das Gelee "Wiesengold", bernsteinfarbener Sirup und aromatische Liköre. "Die in Öl gebratenen Blütenknospen sind für Kenner eine wahre Delikatesse." Und noch ein Tipp zum Schluss: "Beim Abzupfen der Blütenköpfe empfiehlt es sich, alte Kleidung anzuziehen, denn die klebrigen Stängel des Löwenzahns hinterlassen bleibende Flecken."

Die Natur-Apotheke von Markusine Guthjahr

Weiden in der Oberpfalz

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Königstein
Rezept:

Löwenzahntee

1 bis 2 Teelöffel getrockneter Löwenzahn-Tee wird mit einem Viertel Liter kalten Wasser zum Sieden gebracht, eine Minute gekocht, dann abgeseiht. „Kurmäßig täglich zwei Tassen Löwenzahntee trinken“, sagt Markusine Guthjahr. „Oder statt des Tees jeweils einen Esslöffel Löwenzahnsaft aus dem Reformhaus zu sich nehmen.“

Rezept:

Frühlingssalat mit Wildkräutern

  • Zutaten: 1 Salatgurke, 1 Bund Radieschen oder einige Tomaten, 1 Zwiebel, 1 Zitrone, etwas Salz und Zucker, Pfeffer (gemahlen) oder Basilikum, Öl, verschiedene Wildkräuter (zum Beispiel Giersch, Löwenzahn, Brunnenkresse, Schafgarbe, Sauerampfer, Blätter vom Bärlauch).
  • Zubereitung: Alle Kräuter gut waschen, fein wiegen. Gurken, Radieschen oder Tomaten schneiden. Eine Marinade aus Zitronensaft, Öl, einer Prise Salz und Zucker und etwas Pfeffer oder Basilikum herstellen. Alle Zutaten mischen und gleich servieren.
  • Tipp: Statt der Salatgurke kann auch frischer Kopfsalat verwendet werden. „Dieser Salat schmeckt auch denen, die sich erst allmählich an Wildkräuter gewöhnen möchten.“
Rezept:

Löwenzahn-Schinken-Knödel

  • Zutaten für 12 Stück: 4 altbackene Semmel, ½ Liter Milch, 200 Gramm gekochten Schinken, 2 Tassen fein gehackte Kräuter (Löwenzahn, Brennnessel Giersch), 30 Gramm Butter, 3 Eier, 100 Gramm Mehl, 2 Esslöffel Semmelbrösel, 2 Liter Gemüsebrühe, Salz und Pfeffer, 1 Bund Schnittlauch.
  • Zubereitung: Semmeln klein schneiden, kochende Milch darüber gießen. Schinken fein würfeln, mit Wildkräutern in der Butter kurz andünsten und erkalten lassen. Eingeweichte Semmeln, Eier, Mehl und Semmelbrösel hinzufügen und zu einem geschmeidigen, mittelfesten Teig verkneten. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Mit feuchten Händen Knödel formen und in kochender Gemüsebrühe 20 Minuten leicht kochen lassen. „Dabei den Topfdeckel halb öffnen, damit die Knödel nicht zerfallen)“, sagt Markusine Guthjahr. Löwenzahn-Schinkenknödel in der Brühe servieren und mit Schnittlauch garnieren.
Rezept:

Löwenzahn-Gelee "Wiesengold"

  • Zutaten: 200 Gramm Löwenzahnblüten, 0,75 Liter Apfelsaft, 1 Kilo Gelierzucker 1:1, Saft einer Zitrone
  • Zubereitung: Aus den Löwenzahnblüten die gelben Blütenblätter zupfen („keine grünen Pflanzenteile verwenden“). Die Blütenblätter im kalten Apfelsaft zum Kochen bringen, 3 Minuten köcheln lassen, dann 24 Stunden ruhen lassen, am nächsten Tag abseihen. Aus der Flüssigkeit mit Zitronensaft und Gelierzucker das Gelee kochen (nach Packungsanleitung). Heiß in Twist-off-Gläser füllen und verschließen.
Rezept:

Löwenzahn-Sirup

  • Zutaten: Frische Löwenzahnblüten („2 Doppelhände voll“), zirka 1 Liter Wasser, 1 Kilo Zucker (zum Beispiel Rohrzucker), 2 ungespritzte Zitronen. Falls vorhanden: Zitronenthymian oder Kardamom als Geschmacksvariation dazugeben
  • Zubereitung: Die Blütenköpfe in das kalte Wasser geben, kurz aufkochen, vom Herd nehmen und 24 Stunden ziehen lassen. Anschließend die Blüten abseihen. Den so gewonnenen Blütenauszug abmessen und mit der gleichen Menge Zucker verrühren. Zitronenscheiben und Gewürze dazugeben, aufkochen und auf kleiner Kochstufe zu Sirup eindicken. Heiß in Schraubgläser füllen.
  • Tipp: „Der Löwenzahnsirup eignet sich als Brotaufstrich und zum Süßen von Kräutertee“, sagt Markusine Guthjahr.
Rezept:

Löwenzahn-Likör

  • Zutaten: 50 Gramm Löwenzahnblüten, 0,75 Liter Korn (38 %), 300 Gramm Zucker, ½ Liter Wasser
  • Zubereitung: Die gelben Löwenzahnblüten abzupfen, grüne Teile entfernen. Die Blütenblätter in eine Weithalsflasche füllen und mit Korn übergießen. Zwei Wochen auf die warme Fensterbank stellen und ab und zu schütteln.
    Den Ansatz durch einen Filter gießen. Den Zucker mit Wasser zu einem Sirup kochen bis er Fäden zieht. Den alkoholischen Blütenauszug mit dem Sirup mischen, in Flaschen füllen und noch einige Wochen stehen lassen.
  • Tipp: „Der Likör fördert die Verdauung nach dem Essen“, sagt Markusine Guthjahr.
Rezept:

Löwenzahn-Sauerampfer-Salat mit Thunfisch

  • Zutaten: 1 Dose Thunfisch in Öl (150 Gramm Abtropfgewicht), je 100 Gramm Löwenzahnblätter und Sauerampferblätter, 12 grüne Oliven mit Paprika gefüllt, 1 Zwiebel, 3 Esslöffel weißen Balsamico-Essig, 3 Esslöffel kalt gepresstes Olivenöl, Salz und Pfeffer, 1 hartgekochtes Ei.
  • Zubereitung: Thunfisch abtropfen lassen, Löwenzahn- und Sauerampferblätter waschen, trocken tupfen und schneiden. Zwiebel schälen und in Ringe schneiden, Oliven in Ringe schneiden und beides mit zerkleinertem Thunfisch mischen. Olivenöl, Essig, Salz und Pfeffer verrühren und über den Salat geben, abschmecken und mit Ei garnieren.

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