06.09.2018 - 16:44 Uhr
KohlbergOberpfalz

Vom Wind getragen

Worin liegt der Reiz des Segelfliegens? Große Distanzen schnell und scheinbar mühelos überwinden, Aufwinde suchen und nutzen, selbstverständlich alles ohne Autopilot. Und wenn nötig landet man eben auch einfach einmal auf einem Acker.

Marc Fuchs fliegt aus Leidenschaft - das Segelfliegen ist für ihn sowohl Hochleistungssport als auch Hobby. Mit dem Hochleistungssegler "Arcus M" kommt er weit herum.
von Wolfgang Fuchs Kontakt Profil

(fuw) Grüne Landschaften, blauer Himmel, Sonnenschein. Unendlicher Horizont. Aber kaum Thermik. Der Kohlberger Marc Fuchs kaut versonnen auf einem Kornapfel herum, während er zwischen Feldern und Cumuluswolken kreist. Der 44-jährige Pilot des Segelflugvereins 1930 Grafenwöhr möchte noch etwas Höhe gewinnen, bevor es weiter geht Richtung Fichtelgebirge. Was macht den Reiz des Segelfliegens aus?

"Segelfliegen ist Leistungssport", betont Fuchs. Vor einigen Wochen ist es ihm gemeinsam mit seinem Co-Piloten Helmut Joost aus Wunsiedel gelungen, in zehn Stunden Flugzeit 1161 Kilometer zurücklegen. Das war der erste Flug, bei dem vom Flugplatz Erbendorf aus eine Distanz von mehr als 1000 Kilometern erreicht werden konnte (wir berichteten).

"Das ist Spitzensport", betont Martin Feeg anerkennend. Feeg fliegt selbst bereits seit rund 35 Jahren. Zwar könnten auch unerfahrenere Segelflieger solche Distanzen zurücklegen, "aber nicht in dieser Zeit". Die maßgebliche Durchschnittsgeschwindigkeit von Fuchs hatte an diesem Tag bei 115 Stundenkilometern gelegen. Das ist beachtlich, da man beim Segelfliegen mit Sonnenenergie fliegt. Das bedeutet, man muss vorausschauend fliegen, immer wieder Wolken und Thermik suchen und die erreichte Höhe in Geschwindigkeit umsetzen, um "möglichst schnell möglichst weit" zu kommen. Gerade das sei die Herausforderung und das Faszinierende daran, betont Fuchs. So etwas wie einen Autopilot gibt es dabei nicht.

Lautlos schwebt der Segelflieger in rund 2500 Metern Höhe über sonnenverbrannte Felder, Wälder und Stauseen hinweg. Zum Fliegen ist Fuchs 1991 durch seinen Kumpel Thomas Kamm gekommen. Nachdem sie schon viele Jahre lang gemeinsam Modellflugzeuge gebaut und geflogen hatten, machte Kamm seinen Segelflugschein - und Fuchs begleitete ihn als dessen erster Passagier. Diese Erfahrung war für den Kohlberger derart beeindruckend, dass er daraufhin selbst mit der Ausbildung zum Segelflugpiloten begann. Neben dem sportlichen Aspekt ist das Fliegen für Fuchs auch Hobby und Leidenschaft. "Fliegen ist wie ein Virus", erklärt er. Kommt man damit in Berührung, packt einen die Leidenschaft unmittelbar. Mit Leichtigkeit große Distanzen zurücklegen, auf dem Flugplatz unter Freunden und Gleichgesinnten sein. "Das Fliegen gehört dazu, es prägt."

Man könne "auch mit einfachen Segelflugzeugen schön und schnell und weit fliegen", sagt Fuchs. Aber die Anschaffung des doppelsitzigen Hochleistungsseglers "Arcus M" gemeinsam mit Hans Stock und Edith und Ludwig Mehler im Jahr 2013 habe ihn durchaus zusätzlich motiviert. "Seitdem fliege ich wesentlich häufiger und komme in Gegenden, in denen ich vorher noch nie geflogen bin." Zum Beispiel an die französische Grenze im Saarland, oder über den Bayerischen Wald bis kurz vor Wien, oder nach Magdeburg. Dabei sei der Ausblick über Landschaft und Wolken jedes Mal aufs Neue beeindruckend, selbst wenn sich die Strecken wiederholen. "Das Gefühl, in der Luft zu sein" überwältige ihn immer wieder. "Beim Fliegen denkst du an nichts anderes."

Sein Blick schweift über Häuser und Gärten, Tennisplätze und Friedhöfe. Kreisen, den Luftraum nach Wolken absuchen, Aufwinde nutzen. Jeder reagiere anders, erklärt der 44-Jährige. Manchen werde gar nicht übel, bei anderen ist es eine Frage der Gewöhnung. Nach vier Stunden und 370 zurückgelegten Kilometern landet der "Arcus M" wieder auf dem Flugplatz Erbendorf.

Info:

Ist Segelfliegen nicht gefährlich?

Fliegen sei nicht gefährlicher als andere Sportarten, erklärt Fuchs: Die Geräte werden jährlich geprüft. Außerdem gibt es Regeln, an die sich jeder Pilot halten muss. Wichtig sei es, vorausschauend zu fliegen, erklärt Fuchs. Bei Unwetter und Gewittern sollte man auf dem Boden bleiben. Wenn die Thermik einmal nicht ausreichen sollte und kein Flugplatz in der Nähe ist, müsse man eben auf einem Feld landen. Er selbst habe schon etliche "Außenlandungen" auf Äckern gemacht. "Das ist relativ normal mit Segelflugzeugen." Für unerfahrene Piloten könne es jedoch durchaus eine Stresssituation darstellen, abseits eines Flugplatzes zu landen. Auf Wiesen und Äckern kann es Gräben geben, die von oben nicht sichtbar sind.

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