27.12.2019 - 11:55 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

Erika Fuchs feiert 90. Geburtstag

90 Jahre sind eine lange Zeit. Erika Fuchs blickt an ihrem runden Geburtstag zurück auf ein bewegtes Leben.

Erika Fuchs schneidet die Geburtstagstorte für ihre Gäste an.
von Wolfgang Fuchs Kontakt Profil

Kater Felix steht in der Küche und maunzt und schaut, während Erika Fuchs vorsichtig die Schwarzwälder Kirschtorte anschneidet. "Der hektischste Teil des Tages ist rum", sagt sie und atmet einmal tief durch. Seit sechs Uhr morgens steht sie auf den Beinen, um alles vorzubereiten. Bürgermeister, Pfarrer, Nachbarn, Freunde und Bekannte waren schon da, um zu gratulieren, denn die Windischeschenbacherin feiert 90. Geburtstag.

Am 21. Dezember 1929 kam Fuchs in Altrohlau zur Welt, einer Porzellanstadt in der Nähe von Karlsbad. "Ich hatte eine schöne Kindheit", erzählt sie. "Meine beste Freundin Liesl wohnte gleich nebenan. Die hatten eine große Gärtnerei und ich war oft bei ihnen. Wir schnitten Blumen, ernteten Gemüse, pflückten Stachelbeeren."

Doch nicht alles war Idylle. Früh prägte der Krieg das Leben von Erika Fuchs. So begann sie eine Lehre in einer Haushaltsschule in Karlsbad - die Großküche wurde aber bald umfunktioniert, denn verwundete Soldaten mussten mit Essen versorgt werden. Und dann die Fliegerangriffe. "Jedes größere Haus hatte eine ausgebildete Luftschutztruppe", erinnert Fuchs. "Bei Brandgefahr musste ich als Meldegänger die Notzentrale verständigen." Essen wurde knapp, Männer mussten an die Front. "Zum Ende des Krieges gab es fast in jeder Familie Gefallene oder Vermisste. Das war eine schwere Zeit."

Nach dem Krieg wurden viele Sudetendeutsche ausgesiedelt. "Wir selbst wurden immer wieder zurückgestellt und so kam es, dass wir mit dem letzten Transport nicht mehr weg konnten. Die Aussiedlung war bis auf weiteres abgeschlossen."

Es folgte eine aufreibende Zeit der Ungewissheit, sagt Fuchs: "Als wir vom Aussiedlungslager nach Altrohlau zurückkamen, war unser Haus konfisziert und die Möbel ausgeräumt. Alles war weg. Wir kamen in eine heruntergekommene Wohnung, wo wir einige Zeit blieben, bis wir uns wieder etwas Besseres leisten konnten."

In den folgenden Jahren arbeitete Fuchs als Bauernmagd, als Kindermädchen bei einer tschechischen Familie und später im Brennhaus einer Porzellanfabrik. "Schließlich kam ich in die Malerei der Fabrik. Dort gefiel es mir am besten, denn Malen war schon immer eine meiner Lieblingsbeschäftigungen." An den Sonntagen ging Fuchs regelmäßig zum Tanz und lernte dabei ihren späteren Mann Anton kennen, "ein fescher Mann und guter Tänzer", erinnert sie sich. 1948 heirateten sie. Im selben Jahr kam ihr Sohn Toni zur Welt. 1950 folgte Tochter Ingrid und 1964 Sohn Roland.

1967 siedelte die Familie nach Deutschland um und zog schließlich nach Windischeschenbach. Ein erneuter Neubeginn, doch "wir gewöhnten uns schnell ein, denn Gegend und Sprache waren ähnlich wie zu Hause", blickt Fuchs zurück. "Mein Mann arbeitete viel und machte viele Überstunden, sodass wir uns bald wieder alles Nötige leisten konnten. Das war die schönste Zeit. Das Wichtigste im Leben sind Zufriedenheit, Gesundheit und Harmonie in der Familie. Wir hatten wieder ein Zuhause."

Erika Fuchs (links) hat schon viel erlebt. Zu ihrem 90. Geburtstag lädt sie ihre Familie zum Essen ein.

Kater Felix spielt eine besondere Rolle im Alltag von Erika Fuchs

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