12.07.2019 - 14:28 Uhr
Kreuth bei RiedenOberpfalz

G.O.N.D. in Kreuth: Die einen feiern, andere arbeiten

Gut 8000 G.O.N.D.-Fans könnten es am Wochenende in Kreuth werden, schätzen die Veranstalter. Während die einen feiern beim Mega-Deutschrock-Festival rund um die Ostbayernhalle, schieben hier unzählige Einsatzkräfte Sonderschichten.

Wundbehandlung im G.O.N.D.-„Krankenhaus“: Das Rote Kreuz hat im Untergeschoss der Ostbayernhalle ein Behandlungszentrum eingerichtet. Hier können die Ehrenamtlichen alles behandeln, was sie sonst auch im Rettungswagen tun.
von Heike Unger Kontakt Profil

Diesmal gehört auch Regen dazu bei der G.O.N.D., am Donnerstag gab's schon die erste Dusche für die Besucher. Doch dem echten Festival-Fan ist das Wetter egal, wie Veranstalter Timo Hofmann meint. Tatsächlich waren die ersten gut 6000 Besucher der "größten Onkelz-Nacht Deutschlands" (G.O.N.D.), des Deutschrock-Tribute-Festivals zu Ehren der Band Böhse Onkelz, schon am Donnerstag da - trotz eher durchwachsener Wetterprognosen.

Die beschäftigen auch die vielen Einsatzkräfte, die dafür sorgen, das diese Mammut-Veranstaltung gut über die Bühne geht: Ein Unwetter könnte eine Evakuierung erforderlich machen. So schlimm scheint es nach den Vorhersagen nicht zu werden. Und falls doch, stünde die Ostbayernhalle als Schutzraum bereit. Das zweite Wetter-Thema, die große Trockenheit, hat sich am Donnerstag erledigt: Der Regen hat die Brandgefahr minimiert, Grill- und Generator-Verbote haben sich damit zur Freude der Besucher erledigt. Vorsichtshalber gibt es diesmal aber die Auflage, dass jeder, der einen eigenen Strom-Generator mitbringt, auch einen Feuerlöscher dabei haben muss.

Ohne Funk geht auf dem großen Festival-Gelände nichts. Das BRK testet hier auch neue Digital-Geräte.

Das ist ein Thema, das die Feuerwehren aus Rieden uns Vilshofen im Auge haben. Sie sind mit jeweils 25 Mann pro Zwölf-Stunden-Schicht für die Brandsicherheit zuständig. Und übernehmen die Verkehrsregelung zum und auf dem Gelände. Damit sind diese beiden Feuerwehren bis Sonntag ausgelastet. Tobias Haas, 2. Kommandant der Feuerwehr Rieden, versichert aber, dass auch der Brandschutz außerhalb des Festivals gewährleistet sei: Wenn es nötig werde, rücken ersatzweise Wehren aus benachbarten Gemeinden nach Rieden und Vilshofen aus. Tatsächlich gab es schon am Donnerstag einen kleinen Brand auf dem Gelände - ausgelöst durch den Gaskühlschrank eines Besuchers. Doch den konnten die Zelt-Nachbarn selbst löschen.

Im Festival-Hauptquartier der Polizei (von links): Christoph Radde, Jasmin Pickel, Thomas Lachner und Achim Kuchenbecker.

Den großen Überblick bei der G.O.N.D. hat die Polizei: Ihr Hauptquartier ist im Turm der Ostbayernhalle. Zahlenmäßig stellt sie die größte Truppe - mit bis zum 100 Kräften pro Schicht. Genau in die Karten schauen lassen wollen sich der Amberger Inspektionschef Thomas Lachner und Pressesprecher Achim Kuchenbecker nicht. Aber sie verraten so viel: "Unser oberstes Ziel ist es, dass durch unsere Präsenz nichts passiert." Die Polizei ist auf dem Gelände tatsächlich nicht zu übersehen. Lachner übersetzt das so: "Macht's keinen Schmarrn, die Polizei ist da." Um diesen Groß-Einsatz zusätzlich zur normalen Arbeit stemmen zu können, werden die Amberger Dienststellen (Kripo, Einsatzzug, Verkehrspolizei) massiv durch die Bereitschaftspolizei unterstützt.

Lachner und sein Team sind "gesamtverantwortlich für die Sicherheit". Nicht nur präventiv. Sie greifen auch sofort ein, wenn jemand Straftaten begeht. Drogen und Alkohol seien öfter ein Thema, auch Gewalt, meist in Verbindung mit Streitereien, konkretisiert Achim Kuchenbecker. Die ersten Einsätze gab es schon, als die Besucher am Donnerstag um Mitternacht ins Gelände eingelassen wurden: Einige Fahrer hatten Drogen oder Alkohol intus.

Kreuth bei Rieden

Waffen oder Verstöße im Zusammenhang mit verfassungsfeindlichen Symbolen, etwa als Tatoos oder T-Shirt-Aufdruck, seien dagegen eher kein Thema. Nicht zuletzt, weil die Veranstalter eine eigene Security-Einheit haben, die in diesen Fällen sofort eingreift.

Ein großes Thema sind laut Polizei Bengalos. Zumal sich Fans der Band Unantastbar durch deren Hymne "Das Stadion brennt" aufgerufen fühlen, solche Pyrotechnik zu zünden. Das, betont Kuchenbecker, "ist eine Straftat", weshalb die Polizei hier kein Pardon kennt: Zu gefährlich sind diese Leuchtfeuer mitten in einer Menschenmenge. Das könne, warnt Kuchenbecker und bleibt dabei im Stadion-Jargon, "bis zum Spielabbruch führen". Der Blick auf die Bundesliga funktioniert auch bezüglich der Bedeutung des G.O.N.D.-Einsatzes: Für die Amberger Polizei der mit Abstand größte im Jahr, vergleichbar mit einem Bundesligaspiel. "Das ist für uns schon etwas Besonderes", sagt Lachner.

Ähnlich ist das beim Rettungsdienst. Rund 140 Leute scharen die Verantwortlichen Bernd Lödl und Dieter Hauenstein hier um sich. Auch diese Arbeit muss zusätzlich zum regulären Rettungsdienst im Landkreis geleistet werden. Kein Problem, betont Hauenstein - die BRK-Kräfte bei G.O.N.D. arbeiten alle ehrenamtlich in ihrer Freizeit. Und sie tun es gern, wie Hauenstein betont: Bis aus Mainz haben sich BRK-Einsatzkräfte dafür gemeldet. Im Untergeschoss der Ostbayernhalle haben sie ein Behandlungszentrum eingerichtet. Beinahe ein kleines Krankenhaus, in dem die Helfer vieles selbst behandeln können.

"Betreutes Wohnen" bietet das BRK auch, wie Hauenstein scherzhaft anmerkt: Hier werden die Besucher einquartiert, die zu viel Alkohol erwischt haben. Mindestens ein Arzt ist immer da, sogar zwei Intensiv-Behandlungsplätze gibt es. "Hier kann alles gemacht werden, was wir auch in einem Rettungswagen machen können." Wenn das nicht reicht, werden die Patienten ins Krankenhaus gebracht. Die Aufgaben der Retter variieren nach Wetter. Hitzschlag oder Sonnenbrand dürften diesmal eher nicht dabei sein. "Wenn es regnet, haben wir mehr chirurgische Fälle", weiß Hauenstein aus zehn Jahren G.O.N.D.-Erfahrung: Auf nassem Grund verstaucht man sich gerne mal den Knöchel, wenn man ausrutscht. Das seien dann aber einfach nur Unfälle, sagt Hauenstein: "Die Leute, die hierher kommen, kommen nicht, um Randale zu machen."

Im Innenhof der Ostbayernhalle haben die Rettungs- und Einsatzkräfte ihren Fuhrpark. Das G.O.N.D.-Festival in Kreuth deckt das BRK ausschließlich mit Ehrenamtlichen ab, die sich alle freiwillig gemeldet haben. der reguläre Rettungsdienst ist davon nicht beeinträchtigt.
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