09.10.2021 - 00:59 Uhr
Krickelsdorf bei HirschauOberpfalz

Wechselvolle Geschichte der Krickelsdorfer Dreifaltigkeitskapelle

Sie steht in der Dorfmitte, ist im barocken Baustil errichtet, denkmalgeschützt und der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht – die Dorfkapelle in Krickelsdorf. Am 15. Oktober 1861 wurde sie neu benediziert.

Sie ist der Mittelpunkt des Dorfes – die der Heiligen Dreifaltigkeit geweihte Kapelle in Krickelsdorf. Am 15. Oktober 1861 wurde sie neu benediziert. Die Krickelsdorfer können also heuer das 160-Jährige ihres Kirchleins feiern.
von Werner SchulzProfil
Das 150-jährige Kapellenjubiläum wurde am 17. Juli 2011 groß gefeiert. Den Festgottesdienst zelebrierte Weihbischof Reinhard Pappenberger (2.v.r.). Mit ihm am Altar v. r.: Diakon Hermann Falk (seit 2014 Bürgermeister), Stadtpfarrer Hans-Peter Bergmann, Diözesanlandvolkpfarrer Holger Kruschina und Diakon Richard Sellmeyer.

Die Krickelsdorfer können also das 160-jährige Jubiläum ihres Kirchleins feiern. Es wird sicher deutlich bescheidener ausfallen als das 150-Jährige. Es wurde am 17. Juli 2011 für die Dorfgemeinschaft zu einem Jahrhundertfest. Dem Festgottesdienst, den Weihbischof Reinhold Pappenberger am Freialtar zelebrierte, wohnten über 300 Gläubige bei. Dass es in Krickelsdorf schon vor 1861 eine Kapelle gab, belegt die Gebenbacher Chronik. Demnach ist bereits 1840 eine Kapelle im Grundsteuerkataster „auf dem Anwesensgrund des Kanneshansl, Hs. Nr. 17, vorgetragen“ gewesen. Diese sei für die ganze Gemeinde zu einem Ärgernis geworden, da sie “auf einem indezenten Platze gestanden und sich in einem ganz ruinösen Zustand befunden” habe.

Wunsch nach neuer Kirche

Der Wunsch der Bevölkerung sei es gewesen, eine neue, kleine Kirche zu erbauen, in der das hl. Messopfer gefeiert werden kann. Am 24. August 1859 seien Johann Schlosser, Georg Dotzler und Peter Wisgickl als Vertreter der Ortschaft, die damals 134 Seelen in 22 Häusern zählte, beim Gebenbacher Pfarrer Meyer erschienen und hätten erklärt, dass “ die Kapelle, die mit pfarramtlicher und distriktpolizeilicher Genehmigung erbaut wurde, im Rohbau fertig ist”. Man habe einen Altar mit dem Bild der allerheiligsten Dreifaltigkeit aus der der Pfarrkirche Wutschdorf und eine 88 Pfund schwere Glocke erworben. Das vom Vilsecker Maurermeister Frischholz geplante Kirchlein war 14 Meter hoch, 12 Meter breit und 19 Meter lang. Nach längeren Verhandlungen erteilte das Bischöfliche Ordinariat am 25. Oktober 1859 die Erlaubnis zur Einweihung. Pfarrer Meyer vollzog sie am 12. Dezember 1859. Der Hirschauer Stadtpfarrer Kotz, der dem Ordinariat ein Gutachten liefern musste, berichtete damals, “dass die Kapelle auf einem sehr anständigen Platze, massiv und eben nicht unförmlich erbaut, der Altar aber geschmacklos ist”. 1860 erhielt die Kapelle zur „Förderung der Privatandacht für Altersschwache und Kränkliche des Dorfes” 14 Kreuzwegstationen. Das Ordinariat teilte am 9. März 1860 mit, dass man gegen die Aufstellung des Kreuzweges nichts einzuwenden hat, wegen der geringen Haltbarkeit des Materials (Papier) jedoch „demselben die Benediktion nicht erteilt werden kann”. Es zeigte sich, dass man beim Kapellenbau zu bescheiden oder gar zu kleinmütig war. Das Kirchlein wurde 1861 - weil zu klein und zu feucht - umgebaut und erweitert und am 15. Oktober 1861 neu benediziert.

Im 1. Weltkrieg musste die Kapelle ihre beiden Glocken abliefern. Im August 1918 konnte Pfarrer Mühlbauer ein 30 Pfund schweres Ersatzglöckchen beschaffen. 1926 ermöglichten ihm Gaben der Bewohner den Kauf von zwei Bronzeglocken. Das Ordinariat erteilte am 1. September 1926 die „Fakultät zur Benediktion”. Pfarrer Mühlbauer zeigte sie am 15. November 1926 an. Im September 1949 erhielt die Kapelle eine 81 Kilogramm schwere Glocke mit der Inschrift „Gloria Patri et Filio et Spiritui Sancto“. Sie wurde von Xaver und Anna Flierl gestiftet. Geweiht wurde sie am 18. September 1949 von Pfarrer Schlosser in Gebenbach mit den dortigen Glocken. Das 100-Jährige der Kapelle wurde im Mai 1961 groß gefeiert. Den Festgottesdienst zelebrierte Pfarrer Schmidl.

Bescheidener Spender

Seit März 1980, als Krickelsdorf nach Hirschau „umgepfarrt“ wurde, befindet sich die Kapelle im Eigentum der Stadt. Am 24. Februar 1985 benefizierte Stadtpfarrer Edwin Völkl mit oberhirtlicher Erlaubnis den vom Malerbetrieb Grünwald restaurierten Kreuzweg. Die Kosten betrugen mehrere tausend Euro. Der im Dorf wohnende Finanzier wollte ungenannt bleiben. 1962 wurde eine grundlegende Renovierung mit einem von Stadtpfarrer Norbert Demleitner zelebrierten Festgottesdienst abgeschlossen. Sie beinhaltete die Trockenlegung, die Ausbesserung des Turms und des Dachstuhls, die Neueindeckung des Daches, das Anbringen eines neuen Putzes und die völlige Innenrenovierung inklusive der Restaurierung des Altars und aller Heiligenfiguren. Bürgermeister Helmut Rösch bezifferte die Kosten auf 110 000 DM und dankte den Einwohnern für ihre Eigenleistungen. Die Bischöfliche Finanzkammer hatte ein Drittel der Kosten übernommen, der Bezirk und der Landkreis Zuschüsse gewährt.

Im Vorfeld des 150-Jährigen wurde die Kapelle erneut renoviert. Wegen der Wasserschäden wurde der Putz im Innenraum abgeschlagen und neu aufgebracht. Die Innen- und Außenwände wurden gestrichen, der Sockel trocken gelegt und saniert sowie der Eingangsbereich neu gestaltet. Der Hochaltar wurde restauriert. Wegen des Holzwurms wurde der Innenraum begast und der Dachstuhl gestrichen. Die Dorfbewohner leisteten ca. 600 unentgeltliche Arbeitsstunden. Die Stadt gewährte knapp 16 000 Euro und stellte zusätzlich die Bauhofmitarbeiter ca. 100 Stunden zur Verfügung. Vom Pfarramt erhielt man 15 000 Euro für die Restaurierung des Altars und der Kreuzwegstationen.

Zeitschaltuhr für Glocke

In der Zwischenzeit bekam die Kapelle 2019 zur Freude von Mesnerin Claudia Wiesmeth eine neue Zeitschaltuhr für die Glocken. Seither kann sie mit ihrem Handy per App die Läutzeiten z.B. für das Angelusläuten programmieren. Im Dezember 2020 wurde die Glocken-Läutmaschine erneuert, nachdem die große Glocke nicht mehr funktioniert hat. Zu aller Leidwesen sind an den Wänden, innen wie außen, wieder erhebliche Feuchtigkeitsschäden zu beklagen. Teilweise ist der Putz schon abgefallen. Die Schäden wurden durch den Restaurator Geitner untersucht und beprobt. Sein Sanierungsvorschlag muss noch vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege genehmigt werden. Im städtischen Haushalt stehen 5 000 Euro für die Putzerneuerung zur Verfügung. Das Bauamt wird für 2022 einen fünfstelligen Betrag (ca. 25 000 bis 30 000 Euro) dem Stadtrat für die Sanierungsmaßnahme vorschlagen.

Zum 150-jährigen Jubiläum hatten die Krickelsdorfer 600 unentgeltliche Arbeitsstunden geleistet, um ihre Kapelle auf Hochglanz zu bringen (im Bild: Mesnerin Claudia Wiesmeth).
Im Jahr des 160-jährigen Jubiläums gibt es in der Dreifaltigkeits-Kapelle Sanierungsbedarf. Einmal mehr sind an den Wänden, innen wie außen, Feuchtigkeitsschäden zu beklagen. Die Putzschäden sollen heuer, spätestens nächstes Jahr behoben werden.

 

 

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