14.10.2020 - 19:01 Uhr
KrummennaabOberpfalz

Kulturpreis für Bernhard Dagner: Preisverleihung im Wohnzimmer

Für seine bunten und facettenreichen Werke aus Glas zeichnet der Bezirk den Künstler Bernhard Dagner aus Krummennaab mit dem Kulturpreis aus. Die Übergabe ist in einem besonderen Haus.

Bezirkstagspräsident Franz Löffler (rechts) ehrte Glaskünstler Bernhard Dagner mit dem Kulturpreis des Bezirks Oberpfalz.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

"Es ist mir eine Ehre, heute in diesem geschichtsträchtigen Haus den Kulturpreis verleihen zu dürfen." Mit diesen Worten begrüßt Bezirkstagspräsident Franz Löffler die anwesenden Gäste. Die Übergabe des Preises, findet am Mittwochmittag in der Mannl-Villa in Krummennaab statt - dem Wohnzimmer vom Preisträger Bernhard Dagner.

"Ein besonderer Ort für eine Preisverleihung", findet Löffler, der in den kommenden Wochen "als Hausierer durch die Lande zieht, um die Kulturpreise zu verleihen". Die Mannl-Villa hat eine bewegte einhundertjährige Geschichte. 1919 wurde sie vom Architekten Joseph Koch gebaut. Sie war im Besitz der Porzellanfirma Mannl. Sie wurde vom Bund Deutscher Mädl und später als Wohnheim für griechische Gastarbeiterinnen genutzt.

Das Haus hatte es Dagner trotz des desolaten Zustands angetan. 1999 erwarb er die Villa und steckte mit seinem Vater Robert unzählige Arbeitsstunden in das Projekt. Die Mannl-Villa dient ihm gleichzeitig als Atelier, Wohn- und Lagerraum. "Mein Wohnzimmer nutze ich gerne als Ausstellungsraum für interessierte Käufer oder kleine Vernissagen", berichtet der Künstler.

10.000-Stunden-Regel

"Ein Künstler arbeitet immer in einer Tradition, er ist Teil einer Kette", erklärt Löffler den Anwesenden. Die Glasherstellung hat in der Oberpfalz eine lange Tradition und auch heute noch gibt es Betriebe, die sich diesem faszinierenden Werkstoff widmen. Mit seiner Kunst schaffe Dagner eine Brücke zwischen der Tradition und der Zukunft.

Dagner selbst bezeichnet sich selbst als "Freund der 10 000-Stunden-Regel". "Erst wenn man so lange an einem Projekt gearbeitet hat, kann man es der Öffentlichkeit präsentieren", so der Künstler. "Diese Demut sieht man Dagners Werken an", lobt Löffler. Experimentierfreudig und dennoch penibel arbeitet der Glaskünstler, um ein möglichst perfektes Endergebnis herauszuarbeiten.

Um ein facettenreiches Kunstwerk zu erschaffen, nutzt er die unterschiedlichen Farbspiele und Schattierungen der Gläser, die er alle von der Glashütte Lamberts in Waldsassen bezieht. Dort kann er Glas in über 5000 verschiedenen Farben bestellen, spezielle Gläser nach seinen Wünschen anfertigen lassen.

High-Tech-Kleber gibt Halt

Jeden Handgriff übernimmt Dagner selbst. "Sogar die Rahmen aus Holz bastle ich selber", erklärt er. Einzigartig werden seine Werke durch verschiedene Techniken beim Glasschneiden, Schleifen oder durch das Bestrahlen mit Sand. Verklebt werden die Glasschichten zum Schluss mit einem High-Tech-Kleber. "Die Kunstwerke sollen schließlich nicht auseinanderfallen und zerbrechen", ergänzt Dagner und lacht.

In Vertretung für Landrat Roland Grillmeier überbringt Alfred Scheidler Glückwünsche zu dieser Auszeichnung. "Kultur vermittle Orientierung und Identifikation mit der Heimat", so der stellvertretende Landrat. Und Bürgermeisterin Marion Höcht sagt: "Wir sind stolz, einen Künstler wie Sie bei uns im Dorf zu haben." Die Rathauschefin hat auch das Goldene Buch der Gemeinde Krummennaab mitgebracht, in welches sich Bernhard Dagner eintragen darf.

Bernhard Dagner gibt Einblicke in seine Arbeit

Krummennaab
Glaskünstler Bernhard Dagner erhält in seinem Wohnzimmer den Kulturpreis des Bezirks Oberpfalz.
Bernhard Dagner darf sich im Goldenen Buch der Gemeinde Kümmersbruck eintragen.
Hintergrund:

Zur Person

  • Von 1983 bis 1989 Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg bei Professor Clemens Fischer (1983) und Professor Georg Karl Pfahler (1984 bis 1989) - Meisterschüler. Akademiepreis 1984, 1985 und 1986. Ab 1987 Kunst-am-Bau-Projekte mit Professor Pfahler. Darunter Arbeitsamt Frankfurt (1989) und Saal des Ältestenrates im Reichstag Berlin (1998).
  • Ab 1987 Dozent an verschiedenen Kulturinstituten (unter anderem "Kunstquartier Nürnberg"). 2001 künstlerische Leitung der Sommerakademie Plauen. 2006 Dozent beim deutsch-tschechischen Projekt "grenzenlos" in Selb. 2008/2009 Dozent beim Werkbund Nürnberg.
  • 1994/1997 Mitarbeiter von Professor G.K. Pfahler an der Internationalen Sommerakademie Salzburg. Seit 1989 freischaffender Künstler mit Ausstellungen und Projekten im In- und Ausland. 2007 Teilnahme am internationalen Malersymposium Beratzhausen.
Im Blickpunkt:

Kulturpreis des Bezirks Oberpfalz

  • Der Bezirk Oberpfalz verleiht seit zwanzig Jahren jährlich den Kulturförderpreis an Künstler und Kulturschaffende beziehungsweise an Personen und Gruppierungen, di sich in der oder für die Oberpfalz verdient gemacht haben.
  • Der Preis wird in den drei Kategorien vergeben, die der Bezirk zu Beginn eines Jahres festlegt. In diesem Jahr waren das "Glaskunst", "Tanz" und "Friedhofskultur". Das Preisgeld beläuft sich auf je 3.500 Euro.
  • Die Auszeichnung in der Kategorie "Tanz" geht an Julia Leidhold aus Regensburg. Der Rosenfriedhof in Dietkirchen (Gemeinde Pilsach, Kreis Neumarkt) gewinnt den Preis "Friedhofskultur".
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