20.08.2021 - 15:31 Uhr
KrummennaabOberpfalz

Simultankirchenradweg: Für jede Schleife ein Charakter

Der Simultankirchenradweg lädt zu zehn verschiedenen Tagestouren ein. Eine Gruppe um Professor Dr. Gerhard Waldherr möchte jeder Schleife einen eigenen Charakter verleihen und machte Station in Krummennaab.

Karoline Lehner (rechts) hatte viele Geschichten um die Leonardikirche in Krummenaab zu erzählen. Professor Waldherr (links) sammelt Eindrücke, um die Schleife 10 des Simultankirchenradwegs zu charakterisieren.
von fksProfil

Erwartungsfroh wartete Karoline Lehner am Dienstagabend auf einige interessierte Radfahrer, um ihnen die Leonardikirche in Krummennaab mit ihren architektonischen Besonderheiten und die Entwicklung der ehemaligen Simultankirche zu zeigen. Unter den Radfahren waren Professor Dr. Gerhard Waldherr, cultheca Kulturpädagogik und Kommunikation, und Peter Kratzer, Projektkoordinator des Simultankirchenradwegs, die die Schleife 10 des Simultankirchenradweges an diesem Abend befuhren. Das machte die kleine Gruppe nicht nur, um die schöne Landschaft am Fuße des Steinwaldes zu genießen oder die fünf auf der Route befindlichen Simultankirchen zu bewundern. Das eigentliche Ziel war es, den Charakter dieser Route zu ermitteln.

Jede Schleife einzigartig

"Wir starten jetzt mit Phase drei unseres Radwegeprojektes", sagte Kratzer. Diese bestünde darin, die Beschilderung zu vervollständigen und jeder einzelnen Schleife, so werden die Touren genannt, einen eigenen Charakter zu verleihen. Diese Aufgabe übernimmt die Firma cultheca mit ihrem Leiter Professor Waldherr. "Unser Ziel ist es, den Fahrradfahrern Lust zu machen, alle Schleifen zu befahren und nicht nach ein paar schon denken, da sind überall einfach nur Kirchen", sagte der Althistoriker. Er und sein Team befahren in diesen Tagen alle im Simultanradweg verzeichneten Touren, um deren persönliche Note herauszufinden.

Eine Hilfe soll hierbei auch hier und da eine Kirchenführung sein, die auf die Besonderheiten der zugehörigen Schleife deuten kann. Gemeindemitglied Karoline Lehner hatte über die Leonhardi-Kirche viele Geschichten zu erzählen. Sie ist in unmittelbarer Nähe aufgewachsen und hat selbst viele Geschichten miterlebt. Aber auch in der Vorzeit sei die Kirche, die von katholischen und evangelischen Christen gleichermaßen genutzt wurde, einigen Macht- und Glaubenswechseln ausgesetzt gewesen. Um 1450 gegründet, erfuhr die Kirche etwa 90 Jahre später die ersten lutherischen Gottesdienste. "Kurfürst Ottheinrich war zum evangelischen Glauben übergetreten", erzählte Lehner, "so vermutlich auch die Patronatsherren von Nothafft sowie die Trautenberger auf Reuth." Seitdem gab es immer wieder Wechsel der Konfessionszugehörigkeit der Landesherren, bis schließlich 1663 das Simultaneum gegründet wurde.

Barocke Ausstattung

1731 war die Kirche bei einem Brand zerstört jedoch ein Jahr später wiederaufgebaut worden. Daher stamme auch die heute noch vorhandene barocke Ausstattung. Weitere 200 Jahre später, in den 1930er Jahren, wurde das Simultaneum aufgelöst, 1931 wurde die katholische Kirche in Krummennaab geweiht. "Ihr heutiges Aussehen hat die evangelische Leonardikirche seit einer umfassenden Renovierung in den 1960er Jahren", schloss Lehner ihre geschichtliche Führung durch das Gotteshaus. Damals wurde das Weltschöpfungsaltarbild gegen eine Kreuzigungsszene ausgetauscht.

Nach einem kurzen Rundgang durch das Gebäude machte sich die Radgruppe weiter auf den Weg, um die Tour der Schleife 10 zu beenden. Mit allerlei Eindrücken auch von den Simultankirchen in Wildenreuth, Thumsenreuth, Kirchendemenreuth und Erbendorf, die ebenso auf dem Radweg am Steinwald liegen, werden nun im Projektteam die Charakteristika ermittelt und schon bald diesen Radweg kennzeichnen.

Route 7 des Simultankirchenradwegs ist schon beschildert

Etzenricht
Info:

Allgemeines zum Simultankirchenradweg

  • 400 Kilometer umfasst die Gesamtlänge aller zehn Routen, die mit 160 Pfeil-, 329 Zwischenwegweisern und 463 Routensignets mit Simultankirchenlogo ausgestattet sind oder noch werden.
  • Der Förderverein arbeitet dabei mit 40 Kommunen zusammen.
  • Zusätzlich zu den Wegweisern gibt es auch eine neue Radkarte. Sie ist im Simultankirchenbüro, den Tourismusbüros in der Region sowie den beteiligten Kirchen- und Pfarrgemeinden kostenlos erhältlich.

"Unser Ziel ist es, den Fahrradfahrern Lust zu machen, alle Schleifen zu befahren und nicht nach ein paar schon denken, da sind überall einfach nur Kirchen."

Professor Dr. Gerhard Waldherr

 

 

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