24.08.2021 - 16:28 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

Die "Beim Tröster"-Zeit ist in Kümmersbruck vorbei

Ihr Name ist allen in Kümmersbruck ein Begriff: Maria Tröster. Die Wirtin der Gastwirtschaft im Sportzentrum hört nach 44 Jahren auf - und hat zum Abschied viel zu erzählen. Sehr viel sogar.

Maria Tröster hinter dem Zapfhahn und vor dem Ofen. 44 Jahre lang war das ihr Zuhause.
von Klaus HöglProfil

Die letzte Halbe ist gezapft, die letzten „Sauren“ sind gekocht – der Ofen ist aus. Das ist wörtlich zu nehmen, denn für Maria Tröster hat sich nach 44 Jahren das Kapitel "Wirtin" geschlossen. „Mit schwerem Herzen“, sagt sie. Denn nach so einem Marathon hinter dem Tresen und mit einem Lebensalter von 86 Jahren geht man nicht so leicht.

Das gemeindliche Kümmersbrucker Sportzentrum hat sie mit ihrem Mann Willi (87) bewirtschaftet. Unzählige Fußballer, Kegler, Tennisspieler, Firmen, Stammtische, Soldaten, externe und interne Gäste, Versammlungen und Feiern von der Geburt bis zum Tode hat sie betreut. Und die Kunden kamen von überall her, wie das Gästebuch beweist: Israel, USA, Ungarn, die meisten aus Sport und Politik. Weltmeister und Kreismeister waren da.

Für von der Leyen gekocht

Da sei stellvertretend die damalige Ministerin Ursula von der Leyen (2009) genannt, an die Maria Tröster besonders gern denkt. Im Grunde ging niemand ins Sportzentrum, alle gingen nur „zum Tröster“ oder waren "beim Tröster", das war ein feststehender Begriff – 44 Jahre lang. Ihre Küche, familiär geführt, war in Kümmersbruck bekannt, weil schmackhaft und bürgerlich, die Portionen waren stets reichlich und vor allem gab es noch moderate Preise.

Maria Tröster hat sich in ihrem Wirtshaus-Marathon 44 Jahre lang Geschichten, Sorgen und Nöte, Probleme, aber auch Erfreuliches angehört. Sie war Beichtmutter je später der Abend beziehungsweise die Nacht wurde, sie hat geholfen, wo es nur gegangen ist. Niemand war wohl in Kümmersbruck besser informiert als sie. Zu sagen, dass das Wirtshaus und der Saal Tag und Nach offen waren, ist so verkehrt nicht, hat sie doch mit ihrem Mann Willi in der dazugehörenden gemeindlichen Wohnung leben können. So kam's, dass praktisch „immer jemand da war“.

Im Juli 1977 begonnen

„Das war ja an sich auch so geplant“, sagt Maria Tröster, denn als das Sportzentrum am 26. Juli 1977 eröffnet wurde, da war das Rathaus gerade mal eingeweiht (1976). Der damalige Bürgermeister Rudolf Scheuerer hatte die Gastwirtschaft ausgeschrieben. 13 Bewerbungen gingen ein, Maria Tröster bekam den Zuschlag, weil sie damals schon in der Gaststätte Piehler in der Siedlerstraße gearbeitet und Erfahrung im Gaststättenbetrieb hatte.

Ihr Mann Willi hörte in der Flaschenhütte auf, fortan lebten sie im Sportzentrum: Platzwart, zuständig für den Unterhalt, Platz und Umkleidekabinen, Pflege der vor 32Jahren gebauten Kegelbahn. Das waren nun die Aufgaben. Mit der Fertigstellung der Kegelbahn ging auch die 1971 gegründete Kegelsparte ins Sportzentrum, verlegte der TSV Kümmersbruck seinen gesellschaftlichen Mittelpunkt ins Sportzentrum.

Gast trinkt 26 Spezi

Willi Tröster war bis zu seiner Erkrankung zuständig für den Außen- und Innenbereich, Maria Tröster sorgte für den Gaststättenbetrieb. Sie erinnert sich noch an den Anfang, als bei einem Karten-Marathon übers Wochenende ein Gast sage und schreibe zwei Weizen und 24 halbe Bier hinunterspülte, und an einen anderen Besucher, der übers Canasta-Wochenende 26 Spezi trank – so ging's los.

"Das geht ja gut an", dachte sie sich damals, tatsächlich nahm es nach 44 Jahren auch ein gutes Ende. Sie könnte ein Buch schreiben und ist sich sicher: „Ich würde das nach 44 Jahren wieder machen.“ Jetzt kann sie über ihren bereits erfolgten Abschied sagen: „Im Großen und Ganzen hatte ich gute und ehrliche Gäste." Der Betrieb des Wirtshauses und Saales, der Kontakt mit den Menschen, das sei für sie die „beste Medizin“ gewesen, glaubt sie.

„Vielleicht hätte ich ja auch noch ein bisserl weitergemacht, aber die Corona-Vorschriften waren mir dann zu viel.“ Sie verspricht: "Wir bleiben dem Wirtshaus erhalten." Dem neuen Pächter Stephan Hahn will sie mit Rat und Tat zur Seite stehen. Räumlich ändert sich aber erstmal nicht viel: Maria Tröster wird mit ihrem Mann Willi in ihrer Wohnung bleiben können, die entsprechend durch die Gemeinde baulich verändert wird.

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„Vielleicht hätte ich ja auch noch ein bisserl weitergemacht, aber die Corona-Vorschriften waren mir dann zu viel.

Maria Tröster

Direkt am Sportzentrum befindet sich auch eine Wohnung, in der Maria und Willi Tröster bleiben dürfen.

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