22.08.2021 - 17:48 Uhr
Winbuch bei SchmidmühlenOberpfalz

Projekt "Blühwiese" stößt an gesetzliche Grenzen

Viele von ihnen schauen öfter mal vorbei. Jetzt gab es ein offizielles Treffen für die "Paten", die den Winbucher Landwirt Herbert Fleischmann bei seinem Projekt "Blühwiese" unterstützen. Die Agrargesetze tun dies allerdings nicht.

Die Blühwiese in Winbuch wurde möglich, weil rund 90 Paten Landwirt Herbert Fleischmann bei seinem Naturschutz-Projekt unterstützen. Die Oberpfalz-Medien/Amberger Zeitung gehören auch dazu.
von Heike Unger Kontakt Profil

2019 hat Landwirt Herbert Fleischmann aus Winbuch (Schmidmühlen/Landkreis Amberg-Sulzbach) seine Blühwiese angelegt. Er spricht lieber von "unserer Blühwiese" – denn das Naturschutzprojekt hat er mit finanzieller Unterstützung von rund 90 "Paten", Naturfreunden aus der Region und darüber hinaus, verwirklicht. Jetzt hatten Fleischmann und sein Sohn Markus die Blühwiesen-Paten zu einem Treffen ins Dorfgemeinschaftshaus Winbuch eingeladen – zu Kaffee und Kuchen, zum Plausch und natürlich auch zu einem Besuch der Blühfläche. Dort wurde auch diskutiert, wie es weitergehen soll, wenn der Projekt-Zeitraum von fünf Jahren abgelaufen ist.

Eigentlich ist die Familie momentan gut beschäftigt mit der Ernte und anderen Arbeiten in ihrer Landwirtschaft. Doch Herbert Fleischmann und sein Sohn Markus wollten trotzdem unbedingt jetzt das lang geplante Treffen ihrer Blühwiesen-Paten nachholen – im vergangenen Jahr war es wegen der Pandemie nicht möglich. "Und wir wissen auch nicht, wie es im Herbst mit Corona weitergeht." Also hatten die Fleischmanns kurzfristig zu einem Treffen ins Dorfgemeinschaftshaus Winbuch eingeladen. Rund 30 Paten kamen dorthin, um sich auszutauschen und gemeinsam die Blühwiese zu besuchen. Viele von ihnen schauen dort ohnehin regelmäßig vorbei und freuen sich, dass mit ihrer Hilfe aus einem bis 2019 ganz klassisch bewirtschafteten Acker wieder ein Stück Natur geworden ist.

Blühwiese ist kein Blumenbeet

Beim Besuch an der Blühwiese am Sonntag zeigte sich, dass es hier inzwischen unterschiedliche Bereiche gibt. Ganz so üppig wie im ersten Jahr blüht es hier nicht mehr, obwohl die ausgebrachte Saatenmischung eigentlich auf fünf Jahre ausgelegt ist. Herbert Fleischmann erklärte seinen "Paten", dass das daran liege, dass die Fläche inzwischen so dicht bewachsen ist, dass die Samen der blühenden Pflanzen nicht mehr auf dem Boden landen und deshalb auch nicht aufgehen können. Das sei eigentlich kein Nachteil, schließlich sei dichter Bewuchs auch ein Lebensraum, erklärte Fleischmann und freut sich, wenn er hier Rehe, Hasen oder Igel sieht.

"Es soll ja nicht nur für das menschlich Auge schön sein, sondern auch sinnvoll für die Natur", merkte er an. So eine Wiese sei schließlich kein Blumenbeet. Selbst Abgestorbenes sei hier noch Lebensraum, zum Beispiel zum Überwintern für Insekten. "Das ist wie ein Insektenhotel. Das ist mir wichtig", warb Fleischmann auch für vermeintlich weniger Schönes. Verdorrtes, das längst verblüht ist, habe auch seine Berechtigung. Damit sich aber dennoch auch neue Blüten für die Insekten entwickeln können, hat der Landwirt in einem Teil der Fläche das Dickicht in Bodennähe mit dem Heuwender etwas gelichtet, und auch noch ein wenig nachgesät. Für den Landwirt ist die Blühwiese Neuland – im wahrsten Sinne des Wortes. Deshalb muss auch er ausprobieren, was am besten funktioniert. In Absprache mit den Paten, die das Projekt mit 50 Euro im Jahr unterstützen, will Fleischmann deshalb noch im August ein Stückchen Wiese mähen, um zu sehen, was sich hier dann im nächsten Jahr entwickelt.

Agrargesetze sind ein Problem

Wenig Verständnis gab es in der Runde für ein Problem, auf das der Landwirt zum wiederholten Male aufmerksam machte: Er hat die Fläche 2019 offiziell aus der Produktion genommen, kann dies aber nur maximal fünf Jahr lang beibehalten – sonst würde das Gelände seinen Status als Ackerfläche verlieren. Für den Landwirt wäre das ein großer Wertverlust. Derzeit ist die Gesetzeslage laut Fleischmann so, dass er, wenn er das Projekt auch nach fünf Jahren fortsetzen will, dies an anderer Stelle tun und die derzeitige Blühwiese wieder zum Acker machen muss. Eine Alternativfläche gäbe es direkt unterhalb der Blühwiese – doch sowohl Fleischmann als auch die Paten fänden es schade, wenn man das, was im Natur-Teil seit 2019 entstanden ist, aufgeben und an anderer Stelle wieder ganz von vorne anfangen müsste. Für Herbst seien neue Agrargesetze angekündigt, sagte Fleischmann: Man müsse sehen, ob sich hier auch angesichts der notwendigen Klimaschutz-Maßnahmen etwas ändere.

Paten, die regelmäßig in Winbuch vorbeischauen, berichteten, dass ihnen neuerdings öfter auch andernorts zumindest kleine Blühstreifen entlang der bewirtschafteten Ackerflächen auffallen. "Es findet schon ein Umdenken statt", bestätigte Herbert Fleischmann und erinnerte daran, dass er anfangs von Kollegen noch belächelt worden sei, was nun nicht mehr der Fall sei. "Es ist wichtig, dass was gemacht wird", betonte der Landwirt und freute sich, dass ihn die Paten dabei weiter unterstützen. "Es ist ja nicht mein Werk, es ist unser aller Werk."

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