08.03.2019 - 16:59 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

Seniorenwohnpark Kümmersbruck: Erschließung noch 2019

Der Zeitplan ist ambitioniert: Noch 2019 sollen Erschließung und Tiefgaragenbau für den Seniorenwohnpark Am Rathaus in Kümmersbruck beginnen. Im Herbst 2020 könnten Wohnungen und Dienstleistungszentrum bezogen werden.

Als Modell gibt es den Kümmersbrucker Seniorenwohnpark Am Rathaus schon. Zwischen dem Rathaus-Rundbau (vorne links) und dem AWO-Seniorenheim (vorne rechts, weißer Komplex) entstehen drei Wohnblöcke (Bildmitte), rechts daneben in dem quadratischen Bau soll unter anderem ein Kindergarten Platz finden und im Vordergrund sind ein Dienstleistungszentrum sowie eine Erweiterungsmöglichkeit für die AWO zu sehen.
von Heike Unger Kontakt Profil

Zwischen dem Rathaus und dem Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Kümmersbruck plant die Gemeinde ein ganz neues und auch besonderes Quartier. Es vereint Altenheim, Kindergarten für Pflegepersonal, Ärzte, Dienstleister und Einkaufen, Eigentums-, Sozial- und Mietwohnungen - alles ganz nah beieinander und barrierefrei.

Im Kreis Amberg-Sulzbach ist diese Kombination bislang einzigartig. In Hemau (Landkreis Regensburg) gibt es sie schon, wenn auch deutlich kleiner: Die Verwaltungs-GmbH Herbstwiesen, die das Projekt dort als Investor umgesetzt hat, ist auch in Kümmersbruck als Partner der Gemeinde an Bord. Vertreter von Herbstwiesen, der ehemalige Landrat des Landkreises Regensburg, Herbert Mirbeth, und sein Sohn Florian (Projektentwicklung/Verkauf) sowie Thomas Semmler (Bauplanung/-leitung), Inhaber der gleichnamigen Holzbau-Firma, Architekt Franz Dürr, Stadtplanerin Martina Dietrich (Büro Stadt und Raum Amberg) und der Kümmersbrucker Bauamtsleiter Alexander Greiner stellten am Freitag im Rathaus den aktuellen Stand des Projekts der Öffentlichkeit vor.

Auch Kümmersbruck altert

Hintergrund ist die alternde Gesellschaft. In Kümmersbruck ein besonders kritisches Thema, wie Bürgermeister Roland Strehl betont, weil es hier besonders viele Wohnviertel aus den 1950er- bis -70er-Jahren gebe. Bei vielen Häuslebesitzern dort wachse der Wunsch, im Alter die große Immobilie mit Garten gegen eine Wohnung einzutauschen. Eine Bedarfsanalyse aus dem Jahr 2016 bestätige diesen Trend - demnach wären in Kümmersbruck kurzfristig 110 seniorengerechte Wohnungen nötig.

Ein weiteres Ergebnis freut Strehl besonders: "95 Prozent der Generation 50 plus wollen auch im Alter in Kümmersbruck bleiben. Und die restlichen fünf Prozent überzeuge ich auch noch, dass es keine gute Idee ist, wegzugehen." Nachdem die Gemeinde laut Strehl bei weichen Standortfaktoren wie dem Seniorenmosaik inzwischen viel getan hat, gehe es nun um die Errichtung eines Wohnquartiers, das speziell Bedürfnissen von Senioren entspricht - an zentraler Stelle, nicht nur mit Wohneigentum, sondern auch Mietangeboten für weniger Finanzkräftige.

Gemeinde geht aufs Eis

Die Gemeinde will hier in den sozialen Wohnungsbau einsteigen. Strehl kalkuliert alleine für den Gemeinde-Bau Kosten von rund vier Millionen Euro, kann aber mit einer Förderung rechnen. "Das ist für uns eine komplett neue Materie", gesteht er. Umso wichtiger sei es, mit den Herbstwiesen einen Partner zu haben, der Erfahrungen in diesem Bereich mitbringe. Kümmersbruck sei bezüglich Größe und Zusammensetzung des Wohnparks ein Vorreiter in der Region. "Wir werden dieses Eis betreten und hoffen, dass wir es irgendwann wohlbehalten mit einem eigenen Gebäude verlassen."

Hintergrund:

Seniorenwohnen

Im frei finanzierten Wohnungsbau sollen 14 bis 16 Appartements in Größen zwischen 60 und 85 Quadratmetern (zwei oder drei Zimmer) entstehen, alle mit Tiefgarage und einem kleinen Freisitz (Garten, Balkon/Loggia oder Dachterrasse). Sie sollen verkauft und vermietet werden. Im sozialen Wohnungsbau errichtet die Gemeinde weitere 14 Wohneinheiten. Die Erschließung soll noch in diesem Jahr beginnen, parallel dazu auch der Tiefgaragenbau. Wohnungen und Dienstleistungszentrum könnten bereits im zweiten Halbjahr 2020 bezogen werden.

Eine kluge Entscheidung, wie Investor Herbert Mirbeth meint: "Die demografische Bombe kommt auf uns zu und wird Krater hinterlassen, die wir heute noch gar nicht abschätzen können." Der Bedarf an seniorengerechtem Wohnraum sei jetzt schon groß, werde aber noch viel gewaltiger, wenn die Babyboomer alt seien. Mirbeth sprach von einer "sehr vernünftigen Vorratspolitik" der Gemeinde, der dadurch nun das optimale Grundstück zur Verfügung stehe. Der Seniorenwohnpark führe "zu einem Vermögenszuwachs für die Gemeinde fast zum Nulltarif" und sei dabei auch "ein tolles Angebot für Menschen, die nicht den dicksten Geldbeutel haben".

Auf dem derzeit noch freien Gemeindegrundstück erklären die Beteiligtem die Pläne (von links): Martina Dietrich, Florian Mirbeth, Thomas Semmler, Herbert Mirbeth, Bürgermeister Roland Strehl, Franz Dürr und Alexander Greiner.
Seniorenwohnpark Kümmersbruck:

Das sagen die Macher

Martina Dietrich (Büro Stadt und Raum/Konzept und Planung): Das Projekt ist auf einzelne Parzellen aufgeteilt, „auf denen Seniorenwohnen in ganz moderner Form passieren kann“. Das Projekt lässt sich abschnittsweise realisieren.

Ein ganz wichtiger Partner ist die Arbeiterwohlfahrt, die ihren Standort (Seniorenheim) langfristig halten will. Sie bekommt im Seniorenwohnpark Entwicklungsmöglichkeiten in Form eines Gebäudes, in dem ein Kindergarten und Wohnungen, vielleicht speziell für AWO-Mitarbeiter/Frauen mit Kindern, Platz finden, und auch „eine schöne Adresse“ mit dem neuen AWO-Platz im Zentrum des Quartiers.

Herbert Mirbeth (Herbstwiesen GmbH Hemau/Investor für Dienstleistungsbereich und den frei finanzierten Wohnungsbau): „Senioren wollen nicht irgendwohin an den Rand abgeschoben werden.“ In Kümmersbruck entstehen seniorengerechte Wohnungen in unterschiedlichen Größen in zentraler Lage, in der Nähe zu Versorgern des täglichen Lebens. Die Gemeinde entwickelt die Vilstalstraße als Hauptversorgungsachse und dazu, aber nicht als Konkurrenz, zwischen Rathaus und Schule ein weiteres Dienstleistungszentrum, eher mit den weichen Faktoren.

Thomas Semmler (Holzbau Semmler): „Wir wünschen uns, dass sich im Seniorenwohnpark Fachärzte niederlassen.“ Alle Fachrichtungen sind willkommen, vom Kinderarzt bis zum Orthopäden, außerdem aber auch Dienstleister wie Apotheke, Sanitätshaus, Frisör und Physiotherapeut.

Bürgermeister Roland Strehl: In dem 400 Quadratmeter großen Dienstleistungszentrum könnten auch Büros Platz finden. Interessenten für Praxen, Büros und Geschäfte sollten sich möglichst bald bei der Gemeinde melden, damit die Planungen auf sie abgestimmt werden können.

Franz Dürr (Architekt): Die Gebäude entstehen in Holzrahmenbauweise auf Stahlbetonkeller. Die Tiefgarage bekommt geradlinige, breite und damit bequem erreichbare Stellplätzen. Alle Wohnungen sind per Aufzug erreichbar, behindertengerecht und barrierefrei. Die Holzbauweise ermöglicht sehr kurze Bauzeiten und sehr gute Wärmedämmungswerte. Fernwärme sorgt für eine gute Energieeffizienz.

Das Projekt Seniorenwohnpark nimmt Form an

Kümmersbruck
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