03.02.2021 - 09:23 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

Statt Neujahrsempfang in der Kaserne nur ein Gespräch im Rathaus

Zum gemeinsamen Neujahrsempfang der Gemeinde Kümmersbruck und des Logistikbataillons 472 in der Schweppermannkaserne kommen normalerweise Hunderte Gäste. Corona machte daraus heuer ein Zweier-Gespräch im Rathaus.

Statt des üblichen gemeinsamen Neujahrsempfangs: Oberstleutnant Sebastian Erbe (links), der Kommandeur des Logistikbataillons 472 in der Schweppermannkaserne, und Kümmersbrucks Bürgermeister Roland Strehl blickten bei einem Gespräch im Rathaus zurück auf das vergangene und voraus auf das laufende Jahr.

Vor einem Jahr waren beim 15. gemeinsamen Neujahrsempfang der Gemeinde Kümmersbruck und des Logistikbataillons 472 in der Gärmersdorfer Schweppermannkaserne noch mehreren Hundert Gäste in Zivil und in Uniform, die auch nach dem offiziellen Teil regen Austausch pflegten. Das war in Zeiten von Corona heuer nicht möglich: Oberstleutnant SebastianErbe, Kommandeur des im Kümmersbrucker Ortsteil Gärmersdorf stationierten Logistikbataillons 472, und Bürgermeister Roland Strehl gaben stattdessen bei einem Gespräch im Rathaus einen Rückblick auf das vergangene Jahr und informierten über Planungen für 2021.

Bestimmend für beide Gesprächspartner war sowohl in der Rückschau als auch im Ausblick die Corona-Pandemie. Bürgermeister Strehl erinnerte daran, dass es im Frühjahr 2020 in Kümmersbruck als erster Gemeinde in der Oberpfalz bestätigte Infektionen mit Corona und zu seinem Bedauern auch die ersten Todesfälle in Verbindung mit Covid-19 gegeben hatte. Wie gerade die Familien die Belastungen durch die Epidemie meisterten, fand er großartig. Aufgrund eines gesellschaftlichen Wandels seien heute oft beide Elternteile berufstätig. Ihre Kinder kommen deshalb früh in die Krippe, eine Betreuung außerhalb der Familie finde ganztägig statt, in der Schule gebe es Mittagessen und anschließend eine Hausaufgabenbetreuung. Alle diese Aufgaben soll die Gemeinde leisten, wie Strehl sagte: Mit Corona habe es hier aber einen extremen Einschnitt gegeben. Schulen und Kindergärten mussten schließen, es gab lediglich eine Notbetreuung. Dazu konnte Strehl in der Rückschau erfreut feststellen: Es kamen nur wenige Kinder in die Notbetreuung, es konnte alles gestemmt werden, der Familienzusammenhalt funktionierte.

"Riesenwurf" für die Jugend

Sehr engagiert war die Gemeinde nach den Worten des Bürgermeisters auf dem Bausektor, viele Projekte seien auf den Weg gebracht oder abgeschlossen worden. Strehl nannte zu Letzteren den Fitnesspark in den Vilsauen sowie die Skateanlage und den Jugendtreff auf dem Kümmersbrucker Sportgelände ("Ein Riesenwurf"). Der Jugendtreff, in Containerbauweise errichtet, werde, wenn es die Hygieneschutzvorschriften erlauben, baldmöglichst eröffnet. Kurz vor Jahresende wurde der neugestaltete, vergrößerte Parkplatz unterhalb der Schule freigegeben. Die Parksituation werde sich hier deutlich entspannen, sagte Strehl.

Seit fast 25 Jahren war eine Änderung der Verbindung vom gelben zum blauen Bau der Kümmersbrucker Schule angedacht. Die beiden Gebäude befinden sich auf unterschiedlichem Höhenniveau, eine Überquerung war bisher nur durch Treppensteigen über mehrere Stockwerke möglich. Mit dem Bau eines doppelstöckigen Übergangs war eine ideale Lösung gefunden. Eine 90-prozentige Bezuschussung durch ein kommunales Sonderinvestitionsprogramm machte dies möglich.

Seniorenwohnpark wächst weiter

Dieses Jahr stehen laut Strehl weitere Bauvorhaben auf der Agenda. Der Seniorenwohnpark neben dem Rathaus soll weitergebaut werden. Mit dem Partner Herbstwiesen GmbH wird das zweite Haus heuer fertiggestellt. Die Gemeinde will hier auch in den sozialen Wohnungsbau einsteeigen, die Planung dafür abschließen und Förderanträge stellen. Am Dorfplatz werden die Abschlussarbeiten für den zweiten Bauabschnitt in Angriff genommen. Hier sucht Kümmersbruck noch einen Investor für ein Gebäude, nachdem die Stadtbau Amberg ausgestiegen ist. Auf dem Plan für 2021 steht der Ersatzneubau des Kindergartens St. Raphael für etwa neun Millionen Euro. Die Feuerwehr in Theuern soll ein neues Gerätehaus bekommen. Das Gewerbegebiet Theuern wird in einer zweiten Erweiterung 15 Hektar größer.

Erste Bewohnerin zieht in den Senioren-Wohnpark

Kümmersbruck

Bürgermeister Strehl wies auch darauf hin, dass coronabedingt bestimmte Vorhaben nicht umgesetzt werden können. Einnahmen aus Einkommens- und Gewerbesteuer seien weggebrochen. „Auch wenn es 2020 nicht ganz so schlimm war, geht es nach Auskunft der Fachleute heuer ans Eingemachte“, sagte Strehl. Trotzdem wolle die Gemeinde auch in dieser wirtschaftlich schwierigen Phase die heimische Wirtschaft mit Aufträgen unterstützen. Strehl bedauerte, dass die gemeinsamen Aktionen seiner Gemeinde mit der Bundeswehr im vergangenen Jahr wegen der Pandemie auf absoluter Sparflamme gelaufen seien. „Wir wollten uns nicht gegenseitig in Gefahr bringen.“ Trotz dieser Einschränkungen bestünden die guten Beziehungen aber weiter.

Corona: "Da ging es zur Sache"

Oberstleutnant Sebastian Erbe ging in seinem Rückblick auf verschiedene Übungen seiner Soldaten ein, zum Beispiel im Gefechtsübungszentrum nahe Magdeburg im Februar. Hier musste sein Bataillon infanteristische Fähigkeiten wie die Sicherung von Versorgungseinrichtungen und deren Verteidigung in Prüfungssituationen unter Beweis stellen, was hervorragend geklappt habe. Im März traf Corona sein Bataillon. „Dann ging es bei uns zur Sache. Einerseits der Schutz der Soldaten, andererseits die Verwirklichung der Aufträge, die mir von meiner vorgesetzten Dienststelle ins Lastenheft geschrieben wurden.“ Durch Hygienekonzepte, Arbeiten meist in Kleingruppen konnten die wesentlichen Eckpfeiler sichergestellt werden: Die vorbereitende Ausbildung für Auslandseinsätze 2021 und die Vorbereitungen für die Bereitstellung der Kräfte für die European Union Battle Group (EUBG) im zweiten Halbjahr 2020. Das Bataillon musste für einen möglichen Einsatz 200 speziell ausgebildete und ausgerüstete Soldaten mit ihren Fahrzeugen kurzfristig abrufbar ständig bereithalten.

Zwei weitere Übungen führten die Soldaten an die Logistikschule der Bundeswehr in Garlstedt (Simulation von Arbeitsabläufen im logistischen System) und auf den Truppenübungsplatz nach Wildflecken zusammen mit ungarischen Soldaten. „Der Aufwand zum Schutze der Soldaten wegen der Pandemievorkehrungen war sehr hoch“, berichtete Erbe. Wegen Corona gab es zum großen Bedauern des Kommandeurs keine öffentlichen Gelöbnisse. Auch der geplante Verabschiedungsappell für Soldaten, die heuer in den Einsatz gehen, fiel aus.

Heuer mehrere Auslandseinsätze

„Auslandseinsatz ist das große Thema in diesem Jahr“, kündigte der Kommandeur an. Das Logistikbataillon 472 entsende Kräfte in den Kosovo, nach Mali, Zypern und in den Irak. Die ersten Soldaten seien dort bereits angekommen. Der Afghanistan-Einsatz ist laut Erbe aus politischen Gründen noch mit einem großen Fragezeichen versehen. Sollte es dazu kommen, würde er mit etwa 100 Soldaten in den Einsatz gehen.

Ausbildungen in Wildflecken und Garlstedt sind wieder fest eingeplant, dazu kommt in der ersten Jahreshälfte ein multinationales Vorhaben mit ungarischen Soldaten in deren Heimatland. Im kommenden Jahr soll eine gemeinsame deutsch-ungarische Transportkompanie aufgestellt und der NATO zur Verfügung gestellt werden. In Amtshilfe ist das Bataillon momentan mit fast einem Viertel seiner Kräfte bayernweit im Corona-Einsatz, aktuell in zwölf Einrichtungen. Im Laufe des Jahres rechnet Erbe hier mit noch mehr Personalbedarf. Von den Gesundheitseinrichtungen komme großes Lob, berichtete Erbe dazu. Nach anfänglichen Berührungsängsten von ziviler Seite würden die Soldaten herzlich aufgenommen. Für die Soldaten sei dieser Einsatz etwas völlig Neues. Mit ihrem Dienst spürten sie eine große Dankbarkeit von Altenheimbewohnern und erführen eine hohe Wertschätzung, die sie mit Stolz erfülle, bilanzierte Erbe.

Bundeswehr hilft in Altenheimen

Amberg

Kaserne als Dauerbaustelle

Mit Blick auf den Bürgermeister erklärte Erbe, dass die Schweppermannkaserne eine Dauerbaustelle sei. Das Investitionsvolumen betrage über 130 Millionen Euro. Baukräne würden dort auch noch in den nächsten Jahren das Bild prägen. Eine neue Lagerhalle mit Bürokomplex werde heuer noch übergeben, ein Unterkunftsgebäude stehe vor der Fertigstellung.

Schweppermannkaserne eine Baustelle

Amberg
Das Stabsgebäude des Sanitätsversorgungszentrums Kümmersbruck ist bereits seit einem Jahr bezogen.
Alle Fahrzeuge, die für den Einsatz im Rahmen der European Union Battle Group bereitgestellt waren, hatten das taktische Zeichen EUBG.
Es hat zwar etwas länger gedauert, aber jetzt wartet der neue Parkplatz an der Schule auf seine Bewährungsprobe, wenn Schule und Hallenbad wieder geöffnet haben.
Das Treppauf, Treppab hat endlich ein Ende: Ein neuer Übergang verbindet jetzt den gelben und den blauen Bau der Kümmersbrucker Schule.
Das Bild entstand während eines Medientages, den die ungarische Armee in der Nähe der Stadt Kaposvar im Jahr 2019 organisierte. Es zeigt eine gemeinsame Übung mit den Kümmersbrucker Transportsoldaten. An der Spitze der Marschgruppe fährt ein deutsches Führungsfahrzeug vom Typ Eagle, darauf folgt ein ungarisches Transportfahrzeug.
Die neue Nachschubhalle in der Kümmersbrucker Schweppermannkaserne mit vorgelagertem Bürokomplex. Dieser Neubau wird besonders die Soldaten der 2. und 3. Kompanie freuen.
Hintergrund:

European Union Battle Group

Die European Union Battle Group (EUBG)

  • Die European Union Battle Group (EUBG) ist ein rasch verlegbarer Einsatzverband der Europäischen Union.
  • Pro Halbjahr gibt es zwei dieser Kampfverbände in Bataillonsstärke. Sie sollen die strategische Unabhängigkeit der EU gewährleisten.
  • Der Verband kann in einem Radius bis zu 6000 Kilometer rund um Brüssel eingesetzt werden. Innerhalb weniger Tage ist auf Anordnung durch den Europäischen Rat der Verband einsatzbereit.
  • Im zweiten Halbjahr 2020 hatte die Bundeswehr die Führung einer dieser Battle Groups.
  • Das Logistikbataillon 472 war im Bereich der logistischen Unterstützung eingeplant. Es kam aber nicht zum Einsatz.
Hintergrund:

Corona-Amtshilfe durch die Bundeswehr

  • Die Amtshilfe durch die Bundeswehr ist im Grundgesetz (Artikel 35, Absatz 1) geregelt.
  • Einsatzgebiete bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie sind in Gesundheitsämtern bei der Nachverfolgung von Infektionsketten, im Betrieb oder 9in der Unterstützung von Teststationen, Mithilfe in Impfzentren sowie in der Aktion „Helfende Hände“ in Alten- und Pflegeheimen.
  • Länder und Kommunen müssen aufgrund einer aktuellen Neuregelung vom 27. Januar 2021 für die Kosten der Bundeswehr im Zusammenhang mit Covid-19 nicht mehr aufkommen. Dies dürfte zu einer spürbaren Erhöhung der Amtshilfe-Anträge führen.

 

 

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