Wer sich Zeit für einen Spaziergang, dem alljährlichen Feldgottesdienst oder zum Petersfeuer auf den Kulmainer Hausberg Birkenbühl nimmt, der kommt auch zum Kreuz Jesu. Das vor den Toren Kulmains stehende Zeichen tiefen Glaubens der Vorfahren ist nach dem Hausnamen der Stifterfamilie benannt: das Weber-Bartl-Kreuz. Nach über einem Jahrhundert hatte der Zahn der Zeit kräftig am ursprünglichen Eisenblechkörper des Christus-Corpus genagt und die Farben verblassen lassen.
Im Jahr 2000 nahm die Gemeinde als Grundstückseigentümer sich dieses Kleinods an, um es zu restaurieren. Beim Abschrauben des alten Blechteiles zeigte sich, dass die Korrosion schon weit fortgeschritten war. So entschied man sich, nach der alten Figurenvorlage einen neuen Korpus aus starkem Aluminiumblech anzufertigen. Mit der Bemalung nach der noch vorhandenen Vorlage wurde Gerhard Schinner, Holzschnitzer aus Ebnath, beauftragt. Er nahm sich der Erneuerung der Darstellung des gekreuzigten Jesus an und stellte das Christusbild auf neuem Grund wieder her.
Seit der Jahrtausendwende schmückte das renovierte Weber-Bartl-Kreuz den Birkenbühl. Doch das heutige Erscheinungsbild zeigt, dass eine farbliche Auffrischung der Konturen der Christusdarstellung überfällig ist. Bis Anfang des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrtausends rahmten noch zwei rund 70 Jahre alten Akazienbäume das Kreuz ein. Sie wurden durch Thujen ersetzt. Blickt man rundum, so bietet sich einem ein herrlicher Blick über Kulmain, Oberbruck bis nach Kemnath, zum Armesberg und zum Rauhen Kulm.
Die Geschichte des Kreuzes mit der Corpusdarstellung des leidenden Jesus etwas zu erhellen, halfen die bereits lange verstorbenen Schwestern Theres Liedl und Luise Grüner. Sie erzählten aus ihrem Erinnerungsschatz und den Berichten ihres Vaters. "Ein großer Teil des Birkenbühls gehörte früher uns", berichtete Luise Grüner bei einem Gespräch Ende der 1990er Jahre. Ihre Urgroßeltern Martin und Margarete Liedl hätten mit einem weiteren Kulmainer Bauern die Felder und Wiesen rund um den engeren Gipfel vom Oberbrucker Grafengeschlecht gekauft.
Gemeinde seit 1987 Eigentümer
Thujen für Akazienbäume
Im Zuge der Flurbereinigung wurde die Gemeinde 1987 Eigentümer der Kuppe mit dem Kreuzstandort. Die Flächen wurden vormals als Wiesen-, Weide- und Ackerland vom Weber-Bartl-Bauern, der im Hauptberuf sich als Maurer verdingte, bewirtschaftet. Es war damals mit Kuh- und Ochsengespannen eine harte Arbeit, den Hang zu bewirtschaften. Nicht ungefährlich war die Arbeit zudem besonders bei der Heu- und Getreideernte, als die schwer oder hoch aufgeladenen Wägen nach Hause gesteuert werden mussten.
Bei der letzten Fuhre Heu, die der Weber-Bartl-Bauer Ende des 19. Jahrhunderts zum kleinen Bauernhof im Mühlweg fahren wollte, passierte es. Obenauf saßen zahlreiche Kinder und Helfer, die sich den Fußweg nach Hause ersparen wollten. Der Wagen, auf dem die Heuernte der Birkenbühlwiese mit dem Wischbaum festgezurrt war, rutschte vom Feldweg ab, bekam das Übergewicht und stürzte den Hang hinunter. Doch alle Mitfahrer kamen ohne große Verletzungen und dauernde Blessuren davon.
Diesen Beweis der schützenden Hand Gottes nahm der Weber-Bartl-Bauer zum Anlass, an die Errettung mit einem Kreuz samt Christusdarstellung oberhalb der Unglücksstelle zu erinnern und Gott und den Schutzengeln zu danken. Wann genau das Birkenbühl-Kreuz errichtet wurde, kann nicht genau datiert werden. Es dürfte aber zwischen 1860 und 1880 gewesen sein, denn im Jahr 1855 verstarb mit Franz von Hirschberg der letzte Gutsherr der beiden Edelsitze zu Oberbruck. Seine Erben verkauften dessen Landbesitz, die beiden Oberbrucker Edelsitze "Bruck am Weiher" und "Bruck am Turm" wurden nicht wieder besetzt. Das Schloss verkam und wurde zum Bau von Gebäuden in der nahen Stadt Kemnath abgetragen.
Theres Liedl, trotz ihrer damals zum Gesprächszeitpunkt 91 Jahren noch mit ausgezeichnetem Gedächtnis ausgestattet, wusste anlässlich der Kreuzrenovierung im Jahr 2000 zu berichten, dass noch in ihrer Kindheit Sandsteine am Birkenbühl gebrochen und der Mauersand gegraben wurde. "Aus dem Birkenbühl-Sandstein" ist unser Haus gebaut", ergänzte sie.
In den nachfolgenden Jahrzehnten hatten ihr Urgroßvater Martin und Vater Michael Liedl das Weber-Bartl-Kreuz instand gehalten. Luise Grüner erzählte, dass während das angefaulte Holzkreuz mehrmals erneuert wurde. "Das Holz wurde immer von der Familie Wiesend gespendet", fügte sie an. Neue Farbe erhielt die blecherne Christusdarstellung in ihrer Erinnerung von einem Kemnather Maler Veigl sowie dem Kulmainer Herrgottschnitzer und Kunstmaler Johann Müller. Er war besser bekannt unter dem Hausnamen "Biener Johann", der am Matthes'n-Berg wohnte und dort sein Kunsthandwerk ausübte. Das jetzige Betonfundament erstellte ein Verwandter namens Josef Heining vor rund 80 Jahren.
Tafel nicht mehr vorhanden
Das ausgezeichnete Gedächtnis der beiden "Weber-Bartl-Moidla" stellte Luise Grüner noch unter Beweis. Sie erzählte, dass heute nicht mehr vorhandene Allerseelentaferln am Kreuz befestigt waren und eine davon folgenden Text enthielt:
Gott ist groß in der Natur,
leuchtend sieht man seine Spur,
willst Du noch größeres seh'n,
bleibe vor diesem Kreuze steh'n.
Zur Geschichte des Birkenbühls ist noch ergänzen, dass nach Abschluss der Flurbereinigung die Teilnehmergemeinschaft Kulmain vor dem Birkenbühlkreuz einen Steinaltar als Gedenkstein dieser grundlegenden Landneuordnung aufstellen ließ, der auf einem Fuß folgende Inschrift trägt: "Flurbereinigung Kulmain 1973 - 1995 - Herr segne unsere Fluren".
Folgendes ist zur Geschichte des Birkenbühl noch anzufügen: Wer beim Befahren der Staatsstraße auf halber Strecke zwischen Kulmain und Oberbruck auf die östliche Hangseite blickt, sieht eine eiserne Gittertür, die einen Schacht verschließt. Darin sind bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts Schleifsteine für den Messer-, Scheren- und Werkzeugschliff gebrochen worden. Dies bestätigt die Aussage der "Weber-Bartl-Moidla", dass das Sandsteinvorkommen am und rund um den Birkenbühl bis ins 20. Jahrhundert genutzt wurde.






















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