12.07.2019 - 12:14 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Lachyoga mit der Rheuma-Liga

Lachen ist gesund. Grundlos und spontan zu lachen fällt jedoch vielen Menschen schwer. Beim Lachyoga soll das über die motorische Ebene gelingen. Die Rheuma-Liga aus Sulzbach-Rosenberg ist begeistert.

"Wenn man lächelt, bekommt man in den allermeisten Fällen ein Lächeln zurück. Probieren Sie es einmal aus", empfiehlt Lachyoga-Trainerin Regina Machander (rechts, blaues Kleid) den Teilnehmern der Rheuma-Liga Sulzbach Rosenberg.
von Wolfgang Fuchs Kontakt Profil

"Unser Kleiner macht daheim auch schon dauernd 'Ho-ho Ha-ha-ha'", sagt Pauline Gebhardt und lacht. Sie ist eine von insgesamt zwölf Mitgliedern der Rheuma-Liga, die sich im Kettelerhaus in Sulzbach-Rosenberg versammelt haben. Die Teilnehmer verbindet ihr Wunsch nach mehr Wohlbefinden. Beim Lachyoga wollen sie miteinander lachen. "Eigentlich bin ich eher ein melancholischer Typ. Aber Lachen steckt an", erklärt die 52-Jährige, die unter chronischen Schmerzen leidet.

"Man braucht gar nicht von Natur aus fröhlich zu sein, um lachen zu können", betont Lachyoga-Trainerin Regina Machander. "Lachen ist einfach, wenn man sich dafür entscheidet. In unserer Gesellschaft lachen die Menschen viel zu wenig. Im Alltag reduzieren wir unser Lachen. Wir lachen nur im Freundeskreis." Im Laufe der Lebens verlerne der Mensch, frei zu lachen. Er denke zu viel nach, bevor er sich entscheidet, ob er lachen soll oder nicht. "Viele brauchen erst einen Grund."

Lachen ohne Grund oder "Die vier Elemente des Lachens"

Die Teilnehmer der Lachyoga-Gruppe lachen Tränen, als sie in ihren imaginären Spiegel blicken.

"Wichtig ist, dass man spontan lacht und sich nicht zurückhält." Beim Lachyoga entsteht und verbreitet sich durch Blickkontakt und Gruppendynamik echtes, grundloses Lachen. Eine Einheit setzt sich klassischerweise aus vier Elementen zusammen. Zuerst klatschen die Teilnehmer in einem bestimmten Rhythmus mit den Händen. Dabei stimulieren sie Akupressur-Punkte in den Handflächen und lösen so ein wärmendes Gefühl im Körper aus. "An den Füßen haben wir die gleichen Akupressur-Punkte wie an den Händen", betont Machander und stampft auf den Boden.

Dann folgen verschiedene Atemübungen. "Legen Sie die Hände auf den Bauch. Tiiiiieef einatmen. Ausatmen. Die Mundwinkel dabei nach oben ziehen, und jetzt: Ho-ho Ha-ha-ha." Entscheidend für diese Übung ist das verlängerte Ausatmen. Der Körper tut sich auf und der Brustkorb weitet sich.

"Sehr gut, sehr gut, yeaaaahh", ruft Machander und springt von ihrem Stuhl auf. Um besser loslassen zu können, sollen sich die Teilnehmer in eine kindlich-verspielte Stimmung versetzen, ihr inneres Kind aktivieren und dadurch für Freude und Leichtigkeit zugänglich werden. "Wenn Sie lernen zu spielen, wird das Lachen eine natürliche Folge Ihrer spielerischen Verhaltensweisen."

"Trauen Sie sich, frei zu lachen", ermuntert Machander. "Wir lachen heute alle gemeinsam." Bei verschiedenen Übungen aktivieren die Teilnehmer ihren Lachimpuls – Lachen als grundlose Körperreaktion: "Formen Sie Ihre Hände zu einem imaginären Spiegel. Schauen Sie hinein. Und jetzt lachen Sie."

Die Rheuma-Liga vermittelt eine positive Grundeinstellung

"Hier beim Lachyoga ist das Lachen echt und herzlich", betont Helen Werner, Vorsitzende der Rheuma-Liga Sulzbach-Rosenberg. "In Gemeinschaft zu lachen befreit. Alles öffnet sich. Man vergisst die Alltagssorgen und spürt Schmerzen nicht mehr so stark. Und am Tag darauf hat man Muskelkater im Bauch", sagt die 62-Jährige, die seit ihrem siebten Lebensjahr an Rheuma leidet.

Die Rheuma-Liga ist eine Selbsthilfeorganisation und Interessenvertretung für rheumakranke Menschen. Die Teilnehmer kennen sich, sind miteinander vertraut und erzählen von ihren Erfahrungen: "In meinem letzten Urlaub habe ich mich gar nicht bewegen können vor lauter Schmerzen", berichtet eine von ihnen. "'Wie lebt man mit der Erkrankung' und 'Was kann ich selber tun' sind entscheidende Fragen, denen wir uns stellen", betont Werner. "Wir wollen eine positive Grundeinstellung vermitteln. Wir fragen 'Was kann ich noch', anstatt 'Was kann ich nicht mehr'."

"Hier beim Lachyoga ist das Lachen echt und herzlich", betont Helen Werner, Vorsitzende der Rheuma-Liga Sulzbach-Rosenberg.
Info:

Die Rheuma-Liga Sulzbach Rosenberg

"'Wie lebt man mit der Erkrankung' und 'Was kann ich selber tun' sind entscheidende Fragen, denen wir uns stellen. Wir wollen eine positive Grundeinstellung vermitteln. Wir fragen 'Was kann ich noch', anstatt 'Was kann ich nicht mehr'", erklärt Helen Werner, Vorsitzende der Rheuma-Liga Sulzbach-Rosenberg. Die Rheuma-Liga ist eine bundesweite Selbsthilfeorganisation und Interessenvertretung für rheumakranke Menschen. In Deutschland gibt es 97 Arbeitsgemeinschaften.

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Bewegung ist wichtig – auch wenn es schmerzt

Gerade wenn man an Rheuma leidet, ist es wichtig, sich viel zu bewegen – auch wenn es schmerzt. "Bewegt man sich nicht, versteifen die Gelenke", erklärt Werner. "Das wieder beweglich zu kriegen ist dann schwer. Beim Lachen bewegen sich die Muskeln sehr sanft und schonend." Marianne Sperber ist seit 25 Jahren bei der Rheuma-Liga. Sie leidet an einer Rückgratverkrümmung und benötigt zudem ein Sauerstoffgerät. Beim Lachyoga ist sie bereits das zweite Mal dabei: "Ich bin sehr zufrieden", betont sie. "Nach dem Lachen habe ich weniger Atemprobleme." Johann Sperber begleitet seine Ehefrau: "Lachyoga ist eine gute Sache. Lachen ist positiv und gut für die Stimmung." Er selbst leidet unter Rückenschmerzen. "Legen Sie ihre Hände aufs Steißbein", rät Machander. "Und jetzt lachen Sie." Dann geht es weiter. "Wichtig ist, dass man spontan lacht und sich nicht zurückhält. Stellen Sie sich vor, Sie sehen Gänseblümchen auf einer Wiese. Pflücken Sie sie. Betrachten Sie die Blume, pusten Sie und lachen Sie."

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Das Lachen und seine Nebenwirkungen

Lachen hat zahlreiche positive Nebenwirkungen. "Beim letzten Mal war eine Teilnehmerin mit Blutdruckmanschette dabei. In der Nacht danach war ihr Blutdruck optimal", erinnert sich Machander. "Außerdem ist Lachen gut für das Immunsystem, denn Lachen erzeugt Wärme und Wärme verbrennt Keime. Beim Lachen schüttet der Körper zudem Dopamine aus. Wer viel lacht, kann auf Schokolade verzichten."

Alle stehen im Kreis. "So, nun legen Sie bitte alle ihre Handflächen in die Ihrer Nachbarn. Eine nach oben, die andere nach unten." Die Verwirrung ist groß. Es dauert eine Weile, bis diese Übung gelingt. "Was ist drei plus vier?", fragt Machander in die Runde. "Neun!", platzt es spontan aus Johann Sperber heraus. Kurzes Schweigen, dann lachen alle. "Sehen Sie", lacht auch die Trainerin. "Wenn man lacht, erreicht man eine Ebene jenseits des Denkens." Die 78-Jährige Rosa Herzog ist das erste Mal beim Lachyoga dabei. Ihr Ehemann ist vor einem Jahr verstorben und sie versucht, wieder halt im Leben zu finden. Am Ende sagt sie lächelnd: "Lachen entspannt. Die Gedanken sind wie weggeblasen."

Babys lachen den ganzen Tag - Erwachsene rund 15 mal täglich

Erdenweis bei Kulmain

Rheuma-Liga unterstützt Betroffene und Angehörige

Amberg

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