06.05.2020 - 17:42 Uhr
MünchenOberpfalz

Lehrer: Schulen fehlt Konzept für Digitalunterricht

Jeder Schüler soll vor den Sommerferien wieder in die Schule gehen. Ein Hoffnungsschimmer. Denn für den für Fernunterricht sind viele Schulen nicht gerüstet, zeigt eine Umfrage.

Ein Laptop im Kinderzimmer - in Zeiten der Schulschließungen wegen der Corona-Pandemie eine Möglichkeit am Unterricht teilzunehmen.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Die Corona-Pandemie hat die Schulen auf dem falschen Fuß erwischt. Die Mehrheit (66 Prozent) hat kein Gesamtkonzept, das die Versorgung der Schüler mit Lernangeboten in der Zeit der Schulschließungen wegen der Corona-Pandemie sicherstellt. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland unter Lehrern, teilte die Universität Paderborn am Mittwoch mit.

Nur ein Drittel (33 Prozent) der Lehrkräfte gab bei der Befragung an, dass ihre Schule gut auf die neue Situation vorbereitet war. Der Grund: Sie hatten bereits vorher in größerem Umfang digitale Technologien im Unterricht eingesetzt. Kein Wunder, dass die Schulen, die bereits digitale Vorreiter waren, nun besser zurechtkommen.

"Die Studie zeigt, wie wichtig es ist, Schulen und Lehrkräfte in der Pandemie-Zeit zukünftig noch bes- ser zu unterstützen", sagt Birgit Eickelmann vom Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Paderborn. Die Professorin Kerstin Drossel entwickelte die Studie und analysierte die Daten. Eickelmann fordert finanzielle Sofortmaßnahmen, "um die Gestaltung von Schule so zu ermöglichen, dass wirklich alle Kinder und Jugendlichen von den schulischen Bildungsangeboten profitieren". Ihr wenig überraschendes Fazit: größere Anstrengungen sind " vor allem im Bereich des digital gestützten Lernens notwendig". In den meisten Bundesländern waren die Schulen mehrere Wochen geschlossen, in Bayern seit Mitte März.

Im Freistaat hat Ende April der Unterricht für die Abschluss-Jahrgänge begonnen. Nach und nach kehren nun die Schüler zurück, dennoch werden viele die Schule erst nach den Pfingstferien wieder von innen sehen. Auch danach wird es weiterhin Fernunterricht geben. Auch im nächsten Schuljahr könnte es beim Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht bleiben, falls weiter eine Abstandsregelung erforderlich ist. Wie die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK), die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) mitteilte, haben die Kultusminister eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die Überlegungen zur Regelung des Unterrichts im nächsten Schuljahr entwickeln soll.

Große Sorgen machen sich die Lehrkräfte um die Bildungschancen ihrer Schüler, weil es nicht gelingt, den Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen zu halten. So berichtet nur ein gutes Drittel (35 Prozent) der Lehrkräfte, dass es ihnen gelingt Kontakt, zu ihren sämtlichen Schülern zu halten. Gut die Hälfte der Lehrer (52 Prozent) berichtet, sie könnten immerhin die meisten Schüler erreichen. Jede 10. Lehrkraft (9 Prozent) spricht von zu wenig Verbindung und drei Prozent erreichen niemanden. An Grundschulen befürchten laut Umfrage sogar fast zwei Drittel (62 Prozent) der Lehrer, dass die derzeit bestehenden sozialen Ungleichheiten verschärft werden könnten.

Kommentar zum Thema Digitalunterricht

München
Bayerische Debatte:

Grüne fordern wegen Corona überarbeitete Konzepte für die Schule

Eine stabile digitale Infrastruktur für das Lernen zu Hause, Unterstützung für benachteiligte Schüler auch in Zeiten von Corona und genügend Schutz für Lehrer und Schüler - das fordern die Landtags-Grünen in insgesamt acht Anträgen. Die Corona-Krise zeige "wie durch ein Brennglas, wo es überall in der Bildungspolitik in Bayern hakt", sagte die Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze am Mittwoch.

Die sogenannte Bildungsschere habe sich in der Corona-Krise vergrößert, hieß es. Daher müssten Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Verhältnissen vorrangig berücksichtigt werden, damit sie bei Bedarf an die Schulen zurückkehren können.

Auch eine reibungslose Funktion der Lernplattform Mebis und vor allem die Bereitstellung von digitalen Endgeräten seien für eine stabile digitale Infrastruktur wichtig. Zwar habe die Bundesregierung angekündigt, 500 Millionen Euro für die Anschaffung der Arbeitsgeräte bereitzustellen. Die Grünen gehen aber davon aus, dass das Geld nicht ausreichen wird.

In weiteren Anträge fordern sie unter anderem die Erarbeitung eines Sommerschulkonzepts, Corona-bedingte Ausnahmeregelungen etwa zum Übertritt, eine Schulbegleitung für das Lernen zu Hause und die Möglichkeit für Lehrer und Schüler, sich auch nach Pfingsten noch vom Unterricht befreien zu lassen, wenn sie oder Angehörige einer Risikogruppe angehören.

Am kommenden Montag sollen den Abschlussjahrgängen, die seit dem 27. April wieder in der Schule sind, jene Klassen folgen, die im kommenden Jahr ihren Abschluss machen. Auch die Viertklässler dürfen dann wieder in ihre Klassenräume zurück. Stück für Stück soll es dann auch für die anderen Stufen weitergehen, angefangen mit den unteren Klassen. Erst nach den Pfingstferien soll es wieder Präsenzunterricht für alle Schüler geben - voraussichtlich im wöchentlichen Wechsel zwischen Präsenzunterricht und Unterricht zu Hause. (dpa)

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