03.12.2020 - 09:31 Uhr
LeuchtenbergOberpfalz

Reittherapie: Beste Freunde für die Seele

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Sabine Gruber ist Reittherapeutin. Im Umgang mit Pferden werden ihre Klienten psychisch ruhiger und ausgeglichener, ist ihre Erfahrung. Das Reiten steht bei der Therapie gar nicht so sehr im Vordergrund.

Reittherapeutin Sabine Gruber auf ihrem Erlebnishof in Lückenrieth bei der Arbeit mit einer kleinen Klientin auf einem ihrer Ponys.
von Adele SchützProfil

Vor rund drei Jahren schloss Sabine Gruber ihre Ausbildung zur Reittherapeutin bei der Bayerischen Landesvereinigung (BLVThR) ab. Seitdem bietet sie Reittherapie auch auf ihrem Erlebnisbauernhof in Lückenrieth an. Zudem ist sie Mitglied des Vereins der Haflingerzüchter und Pferdefreunde Kemnath am Buchberg. Hier kommen Pferdefans aus der ganzen Oberpfalz zusammen.

ONETZ: Was versteht man unter Reittherapie?

Sabine Gruber: Reittherapie ist Therapie auf, am und mit dem Pferd. Nicht immer steht das Reiten im Vordergrund. Die Begegnung mit dem Medium Pferd ist oft das Wichtigste. Einige Klienten reiten sehr lange gar nicht.

ONETZ: Was macht das Besondere der Reittherapie aus?

Sabine Gruber: Pferde fragen nicht, warum jemand nicht richtig spricht oder vielleicht anders aussieht. Sie nehmen die Menschen, wie sie sind. Durch ihre Größe und trotzdem Sanftmütigkeit hinterlassen sie einen besonderen Eindruck bei allen, die ihnen begegnen oder mit ihnen in Kontakt kommen.

ONETZ: Wie wirkt die Reittherapie auf Körper und Geist?

Sabine Gruber: Die Klienten werden im Umgang mit den Pferden psychisch ruhiger und ausgeglichener. Sie gehen vorsichtig mit den Therapietieren um und fangen an zu erzählen. Sie vertrauen den Tieren ihre Empfindungen und Sorgen an. Durch die dreidimensionale Schwingung des Pferdes werden weiterhin körperlich die gleichen Muskeln stimuliert, gestärkt und aufgebaut wie beim Laufen.

ONETZ: Wann ist eine Reittherapie sinnvoll?

Sabine Gruber: Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man gerade bei Kindern und Jugendlichen mit körperlichen, geistigen oder psychischen Problemen erstaunliche Erfolge erzielen kann.

ONETZ: Ab welchem Alter kann man eine Reittherapie machen?

Sabine Gruber: Anders als beim Reitunterricht gibt es bei der Therapie keine Altersbegrenzung, da es oft nur sehr kurze Einheiten sind.

ONETZ: Wie gestaltet sich eine Therapieeinheit bei Ihnen?

Sabine Gruber: Die Klienten kommen zu uns auf den Erlebnisbauernhof und putzen und satteln erst einmal die Pferde und Ponys. Das ist die erste Kontaktaufnahme mit den Tieren, was mir als Therapeutin sehr wichtig ist. Danach gehen wir in die Halle und machen verschiedene Spiele wie beispielsweise Memory oder Angeln vom Pferd aus. Wir gehen aber auch in das Gelände in die schöne Natur rund um den Hof. Nach der Rückkehr wird abgesattelt und das Pferd wieder in die Box gebracht.

ONETZ: Was ist bei der Reittherapie besonders wichtig?

Sabine Gruber: Der Kern der Reittherapie ist der Kontakt zum Pferd. Die Kinder sollen eine Beziehung aufbauen und auch das Tier spüren. Die Kinder und Jugendlichen lernen bei den Therapieeinheiten Pferd oder Pony als Freund kennen und nicht als Sportgerät. Ich wünsche mir, dass die Reittherapie nicht als ein wenig Pony-Führen angeschaut wird oder als Humbug betitelt wird.

ONETZ: Werden die Kosten für die Therapie von der Kasse übernommen?

Sabine Gruber: Wenn der Therapeut eine anerkannte Ausbildung gemacht hat und beim Klienten ein triftiger Grund für die Therapie vorliegt, werden die Kosten vom Bezirk oder dem Jugendamt übernommen. Ich kenne aber auch Einrichtungen, die die Kosten aus einem Spendentopf finanzieren.

ONETZ: Wie sind Sie zur Reittherapie gekommen?

Sabine Gruber: Auf unseren Erlebnisbauernhof sind schon immer Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Einrichtungen gekommen. Ich war immer erstaunt, wie ruhig sie dann bei den Pferden waren und wie unsere Pferde auch auf die Kinder reagiert haben. Der Wunsch unserer kleinen Gäste zu reiten, wurde immer wieder laut. Ich habe mich aber nicht getraut, die Kinder aufs Pferd zu setzen, da ich damals keine Ahnung hatte, wie sich Reiten oder der enge Kontakt zu den Tieren auf den Körper der Kinder auswirkt. So habe ich mich dann erkundigt und eine Ausbildung zur Reittherapeutin gemacht.

ONETZ: Was fasziniert Sie an der Reittherapie?

Sabine Gruber: Dass man alleine im Umgang mit den Therapietieren so viel erreichen kann. Ich habe immer schon gerne mit Pferden gearbeitet. Wahrscheinlich habe ich das Virus in die Wiege gelegt bekommen, da mein Papa Lorenz Kraus aus Tännesberg gelernter Hufschmied ist.
Ich freue mich und bin sehr glücklich darüber, dass ich durch meine Arbeit mit den Tieren, Menschen, mit denen es das Schicksal nicht so gut meint, eine große Unterstützung zu ihrem Wohlergehen leisten kann. Man bekommt von den Klienten in der Therapie aber auch sehr viel zurück, insbesondere schöne Momente.
Trotz alledem bleibt die Reittherapie gerade auch für den Therapeuten selbst ein Knochenjob, sowohl körperlich als auch psychisch.

ONETZ: Wie wird man Reittherapeut?

Sabine Gruber: Ich habe ab 2013 die dreijährige Ausbildung zur Reittherapeutin und diverse Zusatzausbildungen in Larrieden bei Ansbach im Pädagogik- und Therapiezentrum gemacht. Im Blockunterricht mit Praktikum und vielen Prüfungen wie Longierabzeichen, Reitabzeichen, Sachkundenachweis, Trainerassistenz im Westernreiten, Westernreitabzeichen und Trainer B im Sport für Menschen mit geistiger Behinderung. Es war eine sehr schöne Zeit.

ONETZ: Worauf ist bei der Therapie zu achten?

Sabine Gruber: Ich lege sehr viel Wert auf Sicherheit und einen guten Umgang mit dem Pferd. Ruhe und Zeit spielen hier eine sehr große Rolle. Ich bilde mich regelmäßig fort und investiere sehr viel Zeit in die Ausbildung der Pferde. Die Pferde müssen der Größe der Klienten angepasst sein. Ich habe vom Shetlandpony über ein Reitpony, ein Isi-Mix (Isländer-Mix; Anm. d. Red.) und zwei Esel bis zu den beiden Haflingern alle Größen. Zwei Renten-Ponys fungieren als Hof-Maskottchen.

Therapeutisches Reiten für Schlaganfallpatienten

Weiden in der Oberpfalz

Mehr zu Sabine Gruber

Für Jugendliche oder größere Klienten stehen auf dem Therapiehof Gruber für die Reittherapie zwei Haflinger zur Verfügung.
Nicht nur Pferde in allen Größen sind bei Reittherapeutin Sabine Gruber im Einsatz, sondern auch Hund Lotti sowie zwei Esel und ein Streichelzoo mit Hasen, Meerschweinchen und Co..
Hintergrund:

Reittherapie

  • Reittherapie ist gedacht für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit sozialen, seelischen und körperlichen Entwicklungsstörungen oder Behinderungen.
  • Die Förderung steht dabei im Mittelpunkt. Das Reitenlernen ist eher nebensächlich.
  • Reittherapeutin Sabine Gruber empfiehlt für weitere Informationen die bayerische Landesvereinigung für Therapeutisches Reiten in Feuchtwangen (Telefon 09857/975490, E-Mail blvthr[at]onlinehome[dot]de, www.blv-therapeutisches-reiten.de). Hier sind auch alle Therapeuten zu finden, die eine fundierte Ausbildung erhalten haben.
  • Öffentliche Träger, die die Kosten der Reittherapie übernehmen, helfen ebenfalls bei der Suche nach einem Therapeuten mit fundierter Ausbildung in der Nähe weiter.

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