18.10.2018 - 09:48 Uhr
Luhe/Luhe-WildenauOberpfalz

Lokal mit Tradition: Jägerschenke ist verkauft

"Ich habe gedacht, ich könnte bis 80 arbeiten, aber die Knochen machen nicht mehr mit." Deshalb sperrt Maria Krämer Ende des Monats die Jägerschenke in Luhe am Forst zu. Einen Käufer hat sie im Ort bereits gefunden.

Noch steht Maria Krämer Tag für Tag als Wirtin in der Jägerschenke in Luhe am Forst, in der sie auch aufgewachsen ist. Doch die Tage des Lokals mit den großen Fenstern und dem riesigen familienfreundlichen Garten sind gezählt. Das Haus ist verkauft.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

"Es ist mehr ein weinendes als ein lachendes Auge", sagt die Wirtin. Die Eltern haben 1949 die Jägerschenke als kleines Speiselokal errichtet, 1956 umgebaut und mit damals modernen Fremdenzimmern ausgestattet. Seit sie 1975 mit Mitte 20 das Ausflugslokal übernahm, hat Krämer es in Schuss gehalten. Der Sohn lernte Koch, sollte das Haus weiter führen. Er entschied sich dagegen, wurde Berufssoldat, hilft aber der Mutter in der Gaststätte. "Eigentlich wollten wir anbauen. Das haben wir dann gelassen", erinnert sich Mama Krämer.

Jetzt verabschieden sich die Gäste von ihr, genießen noch einmal Schweine- und Sauer- oder Wildbraten, Salat und Knödel. Die Kinder nutzen den weitläufigen Garten unter den Birken zum Spielen, freuen sich, dass sie nicht mit den Eltern am Tisch sitzen müssen, sondern Schaukeln, Rutschen und Tretauto fahren können.

In der Voliere neben der Terrasse turnen die Nymphensittiche. Was aus ihnen wird, weiß Krämer noch nicht. In früheren Zeiten lebte hier 13 Jahre lang "Rosa". "Sie war nicht schön, aber alle Kinder haben sie geliebt", erinnert sich die Wirtin an das Schwein. "Als Zwergschwein habe ich sie gekauft und meinem damaligen Lebensgefährten geschenkt." Der wollte die Sau aber nicht. Also lief das Schwein zunächst frei im Garten herum, später kam es ins Gatter. "Sie ist immer dicker geworden, bis sie drei Zentner wog, krank wurde und starb." Auch bis zu zwölf Huskies hatten bei der Jägerschenke mal ein Zuhause. Der letzte wurde vor einem Jahr eingeschläfert.

Schon der Vater hatte alles in die Wege geleitet, um in den 70er Jahren das Lokal an den damaligen Landtagsabgeordneten Otto Benner für die SPD zu verkaufen. Maria arbeitete damals bei Glas Schöninger im Büro. Sie hätte den Kaufvertrag schreiben sollen. Bruder Günter habe die elterliche Gaststätte nicht gewollt. Als Konditor betrieb er ein Wieden ein Café. Maria: "Ich war mit dem Vater oben zusammengesessen. Er weinte. Da habe ich gesagt, ich nehm's, wenn es sonst keiner nimmt."

Heute sagt sie, dass sie den Fulltime-Job mit oftmals 16 Stunden am Tag gerne gemacht habe. "Wenn man gerne mit Gästen umgeht, ist Wirtin ein Traumberuf." Besonders viel Arbeit gab es zur Kirwa und zur Spargelzeit. Als einer der ersten baute Krämer auf gepachteten Flächen Spargel an. Vier Frauen stachen das Gemüse früh und abends. "Ich habe in der Garage um 5 Uhr die Stangen sortiert." Bis zu einem Zentner Spargel habe sie an manchen Tagen mit der Hand geschält. Im Keller der Wirtschaft gibt es immer noch ein Bassin, in dem früher die Karpfen schwammen, die im Winter auf den Teller kamen.

Ein Lob hat die Wirtin für ihre Helfer einschließlich Hausmeister Sandor Jozsa parat: "Ich hatte und habe gutes Personal. Die meisten waren jahrelang da." Die Speisekarte ist im Laufe der Jahre gewachsen, die Leute wurden anspruchsvoller. Sie selbst isst am liebsten Quark mit Kartoffeln und Hausmannskost. Die meisten Gäste seien angenehm gewesen. Mit gemischten Gefühlen erinnert sie sich an die Stammtische. "Alle Tage das gleiche G'waaf." Lange Jahre gehörte Schorsch, der in der Nachbarschaft wohnte, zur Jägerschenke dazu. "Als er eine Zeit lang in Amerika war, haben wir ein Bild von ihm an der Mauer neben der Terrassentür aufgehängt."

Ende des Monats kocht die Jägerschenkenwirtin zum letzten Mal aus. Die Monteure in der Pension dürfen noch bis Weihnachten bleiben. "Unsere Zimmer sind nicht nobel aber sauber." Für zwei ihrer Gäste sucht sie für die Zukunft günstige möblierte Unterkünfte. Sie selbst wird in Luhe eine Wohnung beziehen.

Mutmaßlicher Käufer der Jägerschenke ist die Firma Elektro Guber in Luhe. Für eine Stellungnahme war dort aber niemand zu sprechen.

Maria Krämer verkauft ihr Elternhaus, die Jägerschenke in Luhe am Forst, und setzt sich nach 44 Jahren als Wirtin zur Ruhe.

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