11.01.2019 - 12:15 Uhr
Luhe-WildenauOberpfalz

Rindviecher gefährden Verkehr

Bei Luhe-Wildenau brechen elf schottische Hochlandrinder aus. Über Monate hinweg kann sie keiner wieder einfangen. Sie verstecken sich im Wald. Dann läuft eines der Tiere vor ein Auto.

Nach zwei Monaten in freier Wildbahn sind die schottischen Ausreißer- und Rückkehrer-Hochlandrinder nun in der Nähe von Vohenstrauß sicher untergebracht.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Das Hochlandrind stirbt, ein hoher Schaden am Auto entsteht, der Fahrer bleibt unverletzt. Die Ereignisse rund um die Rindviecher riefen das Landratsamt Neustadt/WN schon zuvor auf den Plan. Auf Anfrage teilt Pressesprecherin Claudia Prößl mit, es sei meist nicht möglich gewesen, die Rinder im Holz zu Orten. Von der Marktgemeinde Luhe bekam Halterin Martina Hagler den Bescheid, sie solle die Tiere wieder einfangen und dann "ausbruchsicher" unterbringen. Alle Bemühungen, die Rinder einzufangen, blieben aber vergebens.

Hagler erinnert sich, die Zeit war alles andere als einfach für sie: "Ab Dezember haben sie sich so tief im Wald versteckt, dass wir sie gar nicht mehr gefunden haben." Der 55-Jährigen ist es unerklärlich, dass die eigentlich so menschenfreundliche Herde immer scheuer wurde. Und so verursachten die Tiere in freier Wildbahn einige Probleme: Haben sich die Hochlandrinder aus dem Wald heraus getraut, dann machten sie die Staatsstraße zwischen Luhe und Wernberg unsicher.

Auto stößt mit Rind zusammen

Luhe/Luhe-Wildenau

Vorsicht Rindviecher

Dem Landratsamt Neustadt/WN zufolge haben die Hochlandrinder auf dieser Staatsstraße "zu gefährlichen Situationen und mehreren Unfällen mit - zum Glück - nur Sachschaden" geführt. In Absprache mit der Polizei habe die Verkehrsbehörde deshalb "zur Gefahrenminderung eine Geschwindigkeitsbegrenzung im betroffenen Bereich erlassen".

Einfangversuche gestalteten sich schwierig, denn so leicht wollten es die Rinder Martina Hagler sowie außerdem einem Tierarzt, dem Jagdpächter, der Polizei und dem Landratsamt nicht machen.

Umfangreiche Suchaktion

In einem Facebook-Beitrag beschreibt Hagler die vergangenen Wochen: "Die Tiere haben sich immer weiter vom Gehege entfernt. [...] Meine ganze Familie hat sich Tag und Nacht mit allen möglichen Mitteln und Suchaktionen bemüht. [...] Auch ein Pferdetrupp und eine Drohne waren im Einsatz", schreibt sie. Der gewünschte Erfolg blieb aus. Sogar Betäubungsgewehre halfen nicht, die Rinder zu fangen.

Am Freitag, 4. Januar, gegen 7 Uhr schließlich kam es auf der Staatsstraße zwischen Luhe und Wernberg erneut zu einem Autounfall mit einem der schottischen Hochlandrinder. Ein 53-Jähriger erfasste mit seinem Wagen eines der Tiere frontal. Der Fahrer hat sich dabei nicht verletzt. Am Auto entstand ein Schaden in Höhe von rund 21 000 Euro. Das Tier hat sich so schwer verletzt, dass es eingeschläfert werden musste. Stefan Moller von der Polizeiinspektion Neustadt/WN hat der hohe Schaden am Auto nicht überrascht. "So ein Rind wiegt nicht gerade wenig", sagt er am Telefon.

Zurück auf die Weide

Der Unfall scheint den restlichen zehn Rindern einen großen Schrecken eingejagt zu haben, denn laut Claudia Prößl vom Landratsamt Neustadt/WN sind diese "überraschenderweise" am selben Tag zur Nachmittagszeit "von alleine wieder zur früheren Weide gegangen".

Auch Martina Hagler sagt, dass die Tiere sehr intelligent seien: "Früher sind sie immer gleich auf uns zugelaufen, wenn wir mit dem Auto angekommen sind, weil sie wussten, dass es Futter gibt, fast so wie Hunde." In ihrem Beitrag auf Facebook bedankt sie sich bei der Freiwilligen Feuerwehr. Sie bedauere "von ganzem Herzen, dass es zu diesen Unfällen gekommen" sei, ist gleichzeitig aber froh, dass sich dabei keine Personen verletzt haben.

Künftig dürfte es den klugen Rindern nicht mehr so leicht gelingen, auszubüchsen. "Um keinen weiteren Ausbruch mehr zu riskieren, wurden sie betäubt und konnten anschließend in die Nähe von Vohenstrauß transportiert werden, wo sie nun gut und sicher untergebracht sind", teilt Landratssprecherin Claudia Prößl schriftlich mit. Martina Hagler hat die Tiere dorthin verschenkt, weil es mit den Auflagen immer schwieriger geworden sei. "Wir sind froh, dass die Rinder in gute Hände gekommen sind, das war die Hauptsache. Jetzt sind sie in Sicherheit." Und das Tempolimit auf der Straße bei Luhe ist hinfällig

Auto kollidiert mit Rind

Luhe-Wildenau

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.