17.12.2019 - 17:20 Uhr
Luhe-WildenauOberpfalz

SPD Luhe-Wildenau räumt kampflos das Feld

Seit der neuen Doppelspitze der Bundes-SPD überschlagen sich überregionale Medien wieder mit Abgesängen auf die Sozialdemokratie. In diese Klagelieder einstimmen könnte auch der Ortsverein Luhe-Wildenau.

Einst war die SPD auch in Luhe-Wildenau groß und stolz. Doch vor der anstehenden Kommunalwahl verschwindet sie völlig in der Versenkung.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Wie es aussieht, wird die SPD am 15. März bei der Bürgermeister- und Gemeinderatswahl nicht zur Wahl stehen. Dabei stellte sie 24 Jahre lang den Bürgermeister und zuletzt 4 Marktratsmitglieder. Die Gründe für den Niedergang sind vielschichtig und liegen zum Teil darin begründet, dass sich die Parteimitglieder nicht grün sind. So richtig herausrücken will damit aber niemand.

Vorsitzender Karl Hauser sieht das Problem vor allem in der Überalterung des Ortsvereins. Die meisten der 36 Mitglieder seien über 50 Jahre, er selbst sei bereits 68. "Die Jugend geht zu den Schwarzen, zur Jungen Union und der Feuerwehr", bedauert Hauser, dass die SPD in den örtlichen Strukturen der großen Gemeindeteile Luhe und Oberwildenau nicht mehr so tief verankert sei.

Hätte man rechtzeitig gegensteuern können? "Vor fünf Jahren ist einiges schiefgelaufen. Da sind gegenüber den Jungen auch Versprechen nicht gehalten worden, dass man den Weg freimacht." Konkreter wird Hauser nicht. Vorwürfe, dass die Partei den Bürgermeistersessel nach dem Rückzug Karl-Heinz Preißers kampflos räumt, erhebt er nicht. Mit Bastian Braun, dem Geschäftsführer der Software-Schmiede Valeo IT, sei ein potenzieller Nachfolger bereitgestanden. "Aber es hat keiner wissen können, dass sein Geschäft so gut geht", sagt Hauser. Brauns Firma ist stark auf Expansionskurs, er habe Standbeine in Mexiko und Rumänien, erklärt Preißer. "Zurzeit ist er wieder in Manila auf den Philippinen."

So einer hat keine Zeit für das Bürgermeisteramt, auch wenn es - da hauptamtlich - auf den ersten Blick attraktiv ist. Folglich scheint als einziger Kandidat CSU-Mann Sebastian Hartl das Rennen bereits gemacht zu haben. "So etwas hat es noch nie gegeben", hadert Preißer mit der Situation. Gar kein weiterer Bewerber und erst recht keiner aus dem größeren Gemeindeteil Luhe, so etwas gehe gar nicht: "Das ist eine Schande für mich und die ganze Gemeinde."

Hätte man rechtzeitig gegensteuern können? "Ich weiß es auch nicht, es hat Austritte und lange keine Versammlung mehr gegeben, es hat sich nichts getan." Da klingt bei Preißer der Wunsch nach mehr Dynamik durch. Auch ein "gewisses Problem mit der Leitung" lässt er anklingen. "Aber der Hauptpunkt ist die Zusammenlegung der Ortsvereine Luhe und Oberwildenau. Ich war da auch dafür, aber das hätten wir korrigieren müssen. Wir wären schlagkräftiger, wenn wir das rückgängig gemacht hätten." Mit dieser Position stehe er aber allein auf weiter Flur.

Letzteres bestätigt Christine Roth, die beim Zusammenschluss der Ortsvereine 2007 zur ersten gemeinsamen Vorsitzenden gewählt wurde. Hätte sie rechtzeitig gegensteuern können? "Ich weiß es nicht, ich bin im Januar 2018 ausgetreten." Und das nach 40 Jahren Mitgliedschaft in der SPD und nach 30 Jahren im Gemeinderat. "Das war ein schwerer Schritt. Es hat persönliche Gründe auf lokaler Ebene", räumt Roth ein.

Sie und weitere SPD-Mitglieder werden wohl versuchen, über die sich neu formierende "Bürgerliste" (wir berichteten) im Marktrat unterzukommen. Das empfiehlt auch Preißer. Bastian Braun kandidiert auf der Liste der CWU Neudorf, einer CSU-Unterstützungsgruppe.

Und was macht der amtierende Rathauschef? "Im Großen und Ganzen weniger", sagt Karl-Heinz Preißer. Er ist 64 und steht noch einmal auf der SPD-Kreistagsliste. Seine Lehraufträge in Regensburg und an einer hessischen Fachhochschule sowie die Prüfertätigkeit bei der IHK Regensburg will er dagegen etwas zurückfahren. "Aber mir wird nicht langweilig. Ich habe Waldbesitz und mir eine schöne Wohnung in Polen gekauft, in einer alten Mühle im Riesengebirge, direkt am Fuß der Schneekoppe. Dort möchte ich in Zukunft öfter sein."

Das ist eine Schande für mich und die ganze Gemeinde.

Bürgermeister Karl-Heinz Preißer

Bürgermeister Karl-Heinz Preißer

Noch eine Liste:

Freie Wähler

Christoph Hösl ist der einzige Marktrat der Freien Wählergemeinschaft in Luhe-Wildenau. Er betont, dass die neue Bürgerliste mit den Freien Wählern nichts zu tun habe. Die Freien wollten selber am 8. Januar im Naabtalhaus eine Liste mit 16 Kandidaten präsentieren. „Zwei Leute könnten wir dazu schon noch gebrauchen.“ Einen Bürgermeisteraspiranten habe der Ortsverband jedoch nicht. (phs)

Pläne für eine neue Liste in Luhe-Wildenau

Oberwildenau/Luhe-Wildenau

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