Mit Kind, mit Hund oder einfach allein zum Durchatmen: Der Wald ist bei Spaziergängern beliebt. Viele von ihnen wissen inzwischen längst, dass Wölfe im Manteler Forst und in den Wäldern um Grafenwöhr zuhause sind. Doch wie verhält man sich, wenn man tatsächlich auf einen Wolf oder gar ein ganzes Rudel trifft? Die Regierung der Oberpfalz will Waldbesuchern nun an beliebten Spazierrouten mit Infotafeln samt Verhaltenstipps weiterhelfen.
Im Januar beginnt die Paarungszeit der Wölfe, die jungen Tiere aus dem Vorjahr erkunden immer mehr selbstständig den Wald. "In der Folge kann es zu seltenen Begegnungen mit einem Wolf kommen", teilt Pressesprecherin Kathrin Kammermeier von der Regierung der Oberpfalz mit. "Ob und wo man einem Wolf begegnen könnte, ist dabei nicht vorhersehbar", heißt es in der Pressemeldung. Und auch, wenn Wölfe Menschen eher meiden, könne es vereinzelt auch tagsüber auf ein Aufeinandertreffen in Siedlungsnähe kommen.
Wenn der Hund auf den Wolf trifft
Robert Werner, Förster bei den Bayerischen Staatsforsten am Forstbetrieb Schnaittenbach, zuständig für das Forstrevier Mantel, ist schon mehrmals im heimischen Forst einem Wolf begegnet. Das letzte Mal war er mit seinem Hund gerade aus dem Auto gestiegen, als er plötzlich einen Wolf sah. "Manche Hunde haben Angst, wenn sie einen Wolf riechen", weiß Werner. Daher hat er seinen Hund kurzerhand wieder ins Auto gepackt. Und der Wolf? Der ist einfach weiterspaziert.
Gerade die Konstellation von Hund und Wolf ist unvorhersehbar. Die Regierung der Oberpfalz empfiehlt Hundebesitzern, ihren Hund im Wolfsgebiet – insbesondere in der nun bevorstehenden Paarungszeit von Januar bis März – an der Leine zu führen. "Im Fall einer Begegnung sollte man seinen Hund eng bei sich, am besten hinter sich halten. So stellt er für Wölfe eine Einheit mit dem Menschen dar und wird anders wahrgenommen", so der Ratschlag. Das bestätigt auch der Förster. Robert Werner meint: "Wenn der Wolf eine menschliche Witterung riecht, ist er eher skeptisch. In der Regel ist er nur neugierig." Solche Infotafeln sind für den Förster auch ein Novum. Wichtig sind sie trotzdem, wie er findet, um die Leute zu "sensibilisieren". Die Tafeln mit fünf Hinweisen werden nun im Kerngebiet im Manteler Wald aufgestellt.
"Wolfsgebiet" steht auf dem Schild
Doch wenn Werner weiter erzählt, wo die Schilder konkret platziert werden sollen, wird auch ein kleines Debakel deutlich: Nicht immer sind die Tafeln direkt gut sichtbar an einem beliebten Wanderparkplatz passend. Gerade dann eher nicht, wenn sich in der Nähe zum Beispiel ein Spielplatz befindet. "Wolfsgebiet" steht schließlich in Großbuchstaben auf den Schildern. Bei dem einen oder anderen Spaziergänger werden die verschriftlichten Tipps noch einmal deutlich vor Augen führen, wo er sich gerade aufhält: Nämlich im "Wolfsgebiet". Könnte bei manchem Spaziergänger das mulmige Gefühl wegen eines möglichen Zusammentreffens sogar so stark sein, den Wald künftig zu meiden?
Andrea Sauer, als Revierleiterin des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) zuständig für den Privatwald im Revier Mantel, will möglicherweise vorhandene Sorgen und Ängste nehmen, wie sie im Gespräch mit Oberpfalz-Medien erzählt: Persönlich habe sie viel mehr Respekt vor einer Begegnung mit einer Wildsau als mit einem Wolf. Dass es Bedenken in der Bevölkerung gibt, bemerkt sie im Alltag an den Fragen, die ihr gestellt werden – zum Beispiel von Eltern mit Kindern, die im Wald spazieren gehen wollen. "Kann man überhaupt noch in den Wald gehen? Wie gefährlich ist der Wald?", wollen diese wissen.
Die neuen Schilder seien deshalb keine Panikmache. Sauer ist sich sicher: "Wenn man da ein bisschen ein Bewusstsein schafft, schadet das nicht. Wir werden damit leben, dass wir bei uns Wölfe haben. Der Wald ist so ein wichtiger Erholungsfaktor für uns Menschen." Sie fallen eigentlich nicht ins Beuteschema eines Wolfes, erklärt Sauer. Problematischer sehe sie ebenfalls wie Werner die Begegnung von Hund und Wolf. Gerät der Hund zwischen Wölfe, könnten sie ihn als Konkurrenz ansehen. Umso wichtiger sei es, grundlegende Verhaltensregeln zu kennen und den Hund im Wald anzuleinen. Denn eins darf man nicht vergessen: "Der Wald ist Balsam für die Seele", betont Sauer.
Mit dem Wolf zusammenleben
- Fünf Verhaltensregeln: Abstand halten, auf sich aufmerksam machen, Hunde anleinen, nicht wegrennen (Kinder an die Hand oder in den Arm nehmen), füttern verboten.
- Wolfsrudel: Ein Wolfsrudel hat im Durchschnitt ein 250 Quadratkilometer großes Territorium. Ein einziger Wolf kann leicht 20 Kilometer an nur einem Tag zurücklegen. In einem Familienrudel bleiben circa sechs bis zwölf Tiere.
- Wolfssichtungen: Hinweise an die Fachstelle "Große Beutegreifer am Bayerischen Landesamt für Umwelt" unter 09281/1800-4640, von 10 bis 16 Uhr, oder per E-Mail an: fachstelle-gb[at]lfu.bayern[dot]de





















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