Erster Schritt zur neuen Polizei-Hochschule: Unterkünfte in Kastl eingeweiht

Die ersten Bewohner ziehen am 2. März ein. Voll war's aber schon am Mittwoch in der künftigen Polizei-Hochschule in Kastl: Zwei Minister, ein Regierungspräsident und viele Ehrengäste feierten die Einweihung des Unterkunftsgebäudes.

Die Klosterburg Kastl wird zur Hochschule für den öffentlichen Dienst/Fachbereich Polizei: Mit der Einweihung des ersten Unterkunftgebäudes ist der erste Bauabschnitt geschafft. Zur Freude von (von links) Finanzminister Albert Füracker, Innenminister Joachim Herrmann, Bürgermeister Stefan Braun, Polizeidirektor Stefan Beil und stellvertretende Projektleiterin Marion Irlbacher.
von Heike Unger Kontakt Profil

Drinnen wär's zu eng geworden angesichts der großen Zahl an Gästen. Die versammelten sich deshalb vor dem neuen Unterkunftsgebäude in der Klosterburg Kastl. Der historische Komplex wird seit zwei Jahren saniert: Hierhin soll ein Teil der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern/Fachbereich Polizei vom bestehenden Standort Sulzbach-Rosenberg ausgelagert werden. Mit der Einweihung des Unterkunftsgebäudes am Mittwochmorgen ist der erste Bauabschnitt des 60-Millionen-Euro-Projekts geschafft. Die ersten künftigen Polizei-Führungskräfte sollen hier bereits am 2. März die 60 Zimmer beziehen. Sie werden hier während ihres Studiums wohnen, anfangs allerdings zum Unterricht noch nach Sulzbach-Rosenberg pendeln, bis in Kastl alle weiteren nötigen Räume, von Unterrichtssälen bis zur Mensa, fertiggestellt sind. Dies soll 2023 der Fall sein.

Einweihung der neuen Polizei-Hochschulräume in Kastl

Die Bedeutung dieses Großprojekts unter Regie des Bayerischen Finanzministeriums, vertreten durch das Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach, wurde bei der offiziellen Schlüsselübergabe am Mittwoch deutlich: Neben dem Bauherrn, Finanzminister Albert Füracker, war auch Innenminister Joachim Herrmann nach Kastl gekommen, ebenso wie der Oberpfälzer Regierungspräsident Axel Bartelt, Polizeipräsident Norbert Zink und viele weitere Repräsentanten aus Politik, Bauverwaltung und Polizei. Stolz präsentierte Ingbert Hoffmann, als Fachbereichsleiter der Polizei der Vertreter der Hochschule, die neuen 60 Zimmer für die Studierenden. Auch wenn die schon bald einziehen, sei die Einweihung nur der erste Teil des Projekts. Bis zu dessen Vollendung sei "noch einiges zu tun". Dann werden hier 120 Polizei-Hochschüler studieren.

Vom Rechnungshof gerügt

Finanzminister Albert Füracker erinnerte daran, dass die Klosterburg, die dem Freistaat gehört, zuletzt lange leer gestanden habe. Nicht nur Bürgermeister Stefan Braun habe lange darauf gedrungen, eine neue Nutzung zu finden: "Wir sind bis zum Rechnungshof gerügt worden", bis endlich doch "eine gute Lösung gefunden" worden sei. Kastl wird nun der dritte Standort des Fachbereichs Polizei der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern – neben den beiden bestehenden, Fürstenfeldbruck und Sulzbach-Rosenberg.

Aufgrund der großen, zum Teil erst während der Arbeiten entdeckten Schäden an der historischen Bausubstanz ist diese Sanierung aufwendig. "Eine sehr komplizierte Baustelle", sagte Füracker. Dabei gehe es hier nicht um "Luxus für die Polizei", sondern darum, Menschen, die in ihrer Arbeit "den Kopf für andere hinhalten", eine gute Ausbildung durch entsprechende moderne Einrichtungen zu bieten. Mit der Investition von rund 60 Millionen Euro setze die Staatsregierung ihre "Heimatpolitik" fort, die nicht nur die großen Städte im Blick habe, sondern auch im ländlichen Raum "qualifizierte staatliche Arbeitsplätze" enstehen lasse.

Polizei als gefragter Arbeitgeber

"Die Klosterburg Kastl sei ein "ganz wichtiger Teil im Konzept für die Ausbildung der Polizei", betonte auch deren Dienstherr, Innenminister Joachim Herrmann. Man habe schließlich "erfreulich starke Bewerberzahlen" im Polizeidienst. Deshalb habe man auch keine Nachwuchs-Probleme, wie Herrmann erfreut feststellte: "Wir können uns die Bewerber aussuchen", es gebe sieben- bis achtmal mehr Interessenten als Stellen. Es sei schon bemerkenswert, wenn in Zeiten einer quasi-Vollbeschäftigung "junge Leute sagen, ich möchte Polizist werden". Für den Minister auch ein Zeichen, dass die Polizei "ein hoch angesehener Arbeitgeber ist".

Herrmann gab zu, dass ihn die Einweihung in Kastl auch "ganz persönlich emotional berührt": Er erinnere sich noch gut, als ihm, als er noch "ein kleiner Bub" war, sein Vater, der aus Amberg stammt, die Klosterburg zeigte. Damals sei diese noch das Ungarische Gymnasium gewesen. Was jetzt aus dem historischen Komplex geworden sei, sei "phänomenal". Im nun fertigen ersten Bauabschnitt seien überwiegend Einzelzimmer entstanden, aber auch "Familienzimmer für Studierende mit Kindern".

Anspruchsvolles Bauprojekt

Auch Herrmann betonte, es sei "ausgesprochen anspruchsvoll, diese alte Klosterburg herzurichten". Damit spielte er auf den teilweisen schlechten Zustand der Bausubstanz an. "Manches haben wir erst gesehen, als wir den Putz runtergekratzt haben." Auch wenn es aufwendig sei, sei die Klosterburg "ein wirklich erhaltenswertes Denkmal", das man "für die Zukunft bewahren" müsse. So füge "sich hier viel zusammen" – Tradition, Geschichte und Zukunft.

Klosterburg Kastl wird Polizei-Hochschule: Ein Besuch auf der Baustelle

Kastl im Landkreis Amberg-Sulzbach

Roman Beer, beim Staatlichen Bauamt der Bereichsleiter Hochbau, freute sich, dass "nach 15 Jahren Leerstand" nun neues Leben einziehe in die Klosterburg – und darüber, dass aus der "eigentlich geplanten kleinen Schlüsselübergabe" durch den Besuch zweier Minister ein ganz besonderer Termin geworden sei. Er verwies auf manche Überraschung, die das Projekt schon beschert habe – sei es durch archäologische und kunsthistorische Funde oder durch Altlasten aus der jüngsten Vergangenheit. Das jetzt eingeweihte Unterkunftsgebäude, das ehemalige Mädcheninternat des Ungarischen Gymnasiums, stehe "auf Grundmauern aus der Frühgotik". 2023 werde die neue Hochschule "eine der modernsten" ihrer Art sein.

Für Kastl "das wichtigste Projekt"

"An einem geschichtsträchtigen Ort wird auch heute Geschichte geschrieben", betonte ein stolzer Bürgermeister Stefan Braun. Die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts sei "das wichtigste Projekt" der vergangenen Jahrzehnte in Kastl. Dem Drama des insolvenzbedingten Endes des Ungarischen Gymnasiums nach 48 Jahren sei nach vielen vergeblichen Versuchen, eine neue Nutzung zu finden, eine Chance gefolgt. Als er im Juni 2016 erfahren habe, dass der Freistaat Liegenschaften suche, habe er sie genutzt und Kastl als möglichen Standort für die Polizei-Hochschule gemeldet.

Ein bisschen wiederhole sich die Geschichte der Klosterburg jetzt, merkte Braun an: Schließlich habe es hier einst schon einmal "einen Gendarmerie-Posten" gegeben, freilich nur mit drei Beamten. "Aber immerhin auch mit zwei Dienstwohnungen." Nun würden hier künftig 60 Polizisten wohnen. "Die Marktgemeinde Kastl ist stolz darauf, einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit in Bayern zu leisten. Die Bevölkerung freut sich darauf, ein guter Gastgeber für angehende Kommissare zu sein."

Klosterburg Kastl: Sanierung mit Überraschungen

Kastl im Landkreis Amberg-Sulzbach
Info:

Zwei Bauabschnitte

Ein Teil der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern – Fachbereich Polizei, Standort Sulzbach-Rosenberg wird nach Kastl verlagert. In der Klosterburg, die seit 2006 nicht mehr genutzt wurde, entsteht damit der dritte Polizei-Hochschulstandort, neben Sulzbach-Rosenberg und Fürstenfeldbruck. Das Raumprogramm umfasst nach Auskunft des Staatlichen Bauamts Amberg-Sulzbach eine Nutzfläche von rund 4800 Quadratmetern in vier Gebäuden. Im jetzt eingeweihten ersten Bauabschnitt (1100 Quadratmeter) ist ein Unterkunftsgebäude entstanden.

Der frühgotische Kastenbau war einst ein Vorratsgebäude, nach 1808 Polizeistation und Amtsgerichtsgefängnis. Mitte der 1960er-Jahre wurde es laut Bauamt entkernt und um ein Geschoss aufgestockt, als Mädcheninternat des Ungarischen Gymnasiums. Jetzt sind hier 60 Einzelzimmer mit Nasszellen, Gemeinschafts-, Technik- und Lagerräume entstanden.

Zum zweiten Bauabschnitt (3700 Quadratmeter Nutzfläche) gehören das Hauptgebäude (ehemaliger Klosterbau/denkmalgeschützt), ein Lehrsaalgebäude (errichtet um 1980) sowie ein Torwärtergebäude.

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