11.04.2021 - 11:25 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Egerland-Museum: Auf den Spuren der Vergangenheit

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Die wertvollen Exponate des Egerland-Museums wandern bald an einen optimalen Lagerplatz. Vorher ist einiges an Recherchearbeit nötig.

Der Historiker Robert Grötschel zeigt in einem ehemaligen Depotraum, wie er bei seiner Recherche vorgeht.
von DTRProfil

Hinter den verschlossenen Türen des Egerland-Museums ist es trotz Lockdown-Auf-und-Ab heiß hergegangen. Mehrere Ausstellungen waren für die Besucher vorbereitet, mussten aber wieder abgesagt werden. Nebenher fanden große Reinigungsaktionen statt. Die wertvollen Exponate wurden mit Spezialwerkzeugen gesäubert und aufgearbeitet. Nun stehen wichtige Baumaßnahmen im Herzen des Museums, die schon 2015 begannen, kurz vor der Vollendung. In einem neuen Depot mit ausgeklügeltem Einrichtungskonzept können künftig unzählige Raritäten unter optimalen Bedingungen gelagert werden.

Über 23 000 Inventarnummern

Robert Grötschel leistet schon seit circa einem halben Jahr die wichtige Vorarbeit. Er begibt sich auf eine spannende Spurensuche und hält seine Forschungen in Wort und Bild fest.

Im Egerland-Museum haben sich in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche historische Stücke angesammelt. „Bisher wurden 23 000 Inventarnummern vergeben. Unter manchen dieser Nummern verbergen sich aber teilweise hunderte Einzelstücke in einem Konvolut“, erzählt der Historiker. Über 4000 Gemälde, Collagen, Druckgrafiken und Skulpturen habe er im vergangenen halben Jahr in die Hand genommen. Zu vielen Objekten gebe es nur eine Karteikarte, aber noch keinen Artikel in der EDV-Datenbank.

Detaillierte Recherchearbeit

Hier kommt Robert Grötschel ins Spiel: „Ich sammle fehlende Informationen, fotografiere die Objekte, messe sie aus und analysiere das Material. Hinter vielen Stücken ist eine interessante Geschichte verborgen.“ Diese versuche er zu erkunden. „Einigen anonymen Bildern konnte ich Künstler zuordnen.“ Bei besonders interessanten Stücken nehme er bei den Recherchen auch Kontakt mit den Spendern und Künstlern auf. Nicht selten komme hierbei eine besondere historische Bedeutung zu Tage.

„Letzten September fand ich zwei Porträts ohne Künstlernamen“, erinnert sich Grötschel. Ihm sei aber ein identischer Malstil bei Werken von „Hans Landgraf, Steinau“ aufgefallen. Über diesen Maler gebe es jedoch keine Informationen in der Literatur oder dem Internet. Seine Recherchen führten Grötschel zur Familie Landgraf bei Arzberg. Dort habe er die Geschichte der Künstlers erfahren: „Johann Landgraf wurde 1911 in Eichelberg (Dubina) bei Eger geboren, auf der anderen Seite der Grenze bei Hohenberg. Er wurde Porzellanmaler und besuchte die Fachschule für Porzellanindustrie in Selb.

Danach lebte er wieder in Liebenstein (Libá). Nach der Vertreibung arbeitete er in Porzellanfabriken der Region. 1997 starb er in Waldsassen. Die Egerländer Gmoi kannte ihn als Zitherspieler, und er fertigte für sie viele Porträts. Aber aus Bescheidenheit signierte er seine Werke selten.“ Mit diesen Informationen konnte der Historiker die Beschreibung der Werke abschließen und eine neue Künstlerbiografie anlegen.

Historische Schätze wie diese werden demnächst in den neuen Depoträumen verwahrt. Alles wird an festen Plätzen nach einem Stellplan gelagert. So können die Stücke auch nach Jahrzehnten unverändert wiedergefunden werden. Besondere Exponate benötigen auch besondere Lagerbedingungen. „Gemälde auf Leinwand und Spannrahmen oder Rahmen hängen wir auf Auszüge, fahrbare Gitter“, sagt Grötschel. Diese dürften nicht liegend gelagert werden. Die Malschicht aus Öl und Acryl vertrage keinen Druck. Lichtempfindliche Grafiken und Aquarelle bekämen einen Platz in Schubladen. In den riesigen Rollregalen würden die leichten, aber großvolumigen Objekte wie Schals, Hüte und auch Schmuck verstaut. „Empfindliche Stoffe lagern wir mit Seidenpapier ausgestopft in Kartons. Deren Papier muss dem Material entsprechend säurefrei oder gepuffert sein. Basisches Material, was Säure entzieht.“

Auch das Lagerklima sei entscheidend: „Die Räume verfügen rundum über eine Fußleistenheizung. Die gesamte Wand wird beheizt“, sagt Grötschel. Feuchtigkeit könne sich nicht niederschlagen, und auch Staubverwirbelungen seien ausgeschlossen. Zusätzlich sorge eine Klimaanlage mit Filter für den Luftaustausch. Sollte trotz alledem Feuchtigkeit auftreten, befördere ein Luftentfeuchter das Wasser nach außen.

Umbau kostet 3 Millionen Euro

Die Gesamtkosten der Arbeit am Museum belaufen sich auf fast drei Millionen Euro. Der Freistaat Bayern fördert die Maßnahme mit über 2,2 Millionen Euro. Allein der Umbau im Untergeschoss schlägt mit etwa 400 000 Euro und die entsprechende Einrichtung mit circa 110 000 Euro zu Buche.

Dass dies gut investiertes Geld ist, darüber sind sich Museumsleiter Volker Dittmar und Oberbürgermeister Oliver Weigel einig. „Es wurde viel Geld im Museum investiert. Umso bitterer ist es, dass die Bevölkerung das Museum und das 2019 eröffnete Museums-Café im Egerland-Kulturhaus nicht besuchen kann“, sagt Weigel. Auch der Museumsleiter hofft, dass bald wieder Besucher die Unikate bestaunen können. Die Umbauarbeiten seien zumindest auf der Zielgeraden. Die Gäste könnten sich zudem auf digitale sowie traditionelle Sonderausstellungen und neue Medienstationen freuen.

Brotbacken im 18. Jahrhundert in Grafenwöhr

Grafenwöhr
Museumsleiter Volker Dittmar, Oberbürgermeister Oliver Weigel und Historiker Robert Grötschel bestaunen die neu installierten Rollregale.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.