13.01.2021 - 12:44 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Kleiner Lichtblick im Lockdown

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Seit Montag können Verbraucher Waren bei den Händlern vor Ort abholen. Die Geschäftsleute sind dankbar dafür, auch wenn sich damit das Loch in der Kasse nicht stopfen lässt.

Frey-Mitarbeiterin Johanna Pfohl händigt den Kunden gern die Tüten mit der bestellten Ware an der Abhol-Station aus.
von Autor FPHProfil

Dankbar greifen viele Geschäftsleute in Marktredwitz nach dem Strohhalm, den ihnen die bayerische Staatsregierung endlich reicht. Denn erst seit Montag ist es den Händlern gestattet, ihren Kunden Waren vor dem Laden auszuhändigen. Bislang konnten sie gewünschte Bestellungen nur nach Hause liefern, was ihnen zusätzlich zu dem empfindlichen Geschäftsrückgang im Lockdown einen enormen Zeit- und Kostenaufwand bescherte.

„Es ist eine kleine Erleichterung“, sieht Gernot Plischke vom gleichnamigen Elektronik-Geschäft einen minimalen Lichtblick. Trotz des Lockdowns seien alle 14 Mitarbeiter derzeit beschäftigt. „Wir werden zwar nicht als systemrelevant angesehen, aber letztlich sind wir es doch. Es gehen ja auch während des Lockdowns Kühlschränke, Waschmaschinen oder Telefone kaputt. Das sind alles wichtige Dinge, die im Alltag funktionieren müssen. Da sind wir dann sofort für unsere Kunden da.“ Außerdem müssten die Waren derzeit umetikettiert werden, weil die Mehrwertsteuer wieder auf 19 Prozent gestiegen ist. Die Plischke-Kunden könnten sich im Online-Shop die Ware aussuchen oder einen Blick ins Schaufenster werfen. „Auch per Telefon ist die Bestellung möglich.“ Die Ware werde dann am Seiteneingang übergeben.

Vor allen Häusern hat der große Mode-Anbieter Frey, der neben Marktredwitz drei weitere Kaufhäuser in der Oberpfalz hat, eine Abhol-Station eingerichtet. Das berichtet Hausleiter Lothar Rödel. „Man kann dann entweder läuten oder anrufen. Die Nummern stehen an der Abhol-Station. Ein Mitarbeiter wird dann zur Tür kommen, um die gewünschte Ware auszuhändigen.“ Frey hat sich während des Lockdowns mit Online-Bestellungen über Wasser gehalten. „Doch das ist nicht das Gleiche“, sagt Rödel. „Die Kunden haben ja hin und wieder eine Rückfrage.“

Dafür habe Frey auch einen Whatsapp-Chat eingerichtet. „Wir haben trotz Kurzarbeit immer Mitarbeiter für jedes Problemchen im Haus“, versichert der Chef der Modehäuser. Das System "Click & Collect" bezeichnet er als Erleichterung, wenngleich er nicht nachvollziehen könne, dass seit vor Weihnachten nur Lieferungen nach Hause erlaubt waren. „Das ist eine Ungleichbehandlung, denn im Lebensmittel-Einzelhandel kommen die Menschen ja noch viel näher in Kontakt als sie dies beim Abholen der Ware von uns kämen.“ Dennoch sei man froh über diese Möglichkeit, „auch wenn es unsere Probleme nicht löst“. Zumindest bleibe man so stärker mit den Kunden in Kontakt.

Beate Fischer, Chefin der Buchhandlung Budow, ist froh darüber, dass sie den Laden nur allein mit ihrem Mann führt – ohne Personal. „Sonst hätten wir massive Probleme. Wir zahlen uns momentan auch keinen Lohn. Aber allzu lange geht so etwas nicht.“ Täglich steht das Ehepaar von 10 bis 16 Uhr im Laden, um telefonische Bestellungen entgegenzunehmen oder Stammkunden zu beraten, denen der Lesestoff ausgegangen ist. Zu Weihnachten sei das Geschäft glücklicherweise gut gelaufen, „weil wir tolle Kunden haben“. Allerdings sei es sehr anstrengend gewesen, die ganze Ware auszuliefern. „Da ist man für ein Taschenbuch schon mal 20 Minuten unterwegs“, rechnet Beate Fischer vor. „Ohne die Hilfe unserer Kinder hätten wir das nicht bewältigt.“ Erfreulicherweise werde im Lockdown wieder mehr gelesen. "Click & Collect" sei eine kleine Hilfe.

Martin Gramsch, der den wohl größten Blumenhandel in der Umgebung führt, hat nie verstanden, wieso seine Kunden ihre Bestellungen nicht abholen durften. „Das wäre längst fällig gewesen, vor allem in der Weihnachtszeit“, betont er. Das sei keine Chancengleichheit für das Gewerbe gewesen, urteilt der Einzelhändler. Wohl gebe es noch immer einige Kunden, die sich scheuten, vor die Tür zu gehen. „Da liefern wir selbstverständlich weiterhin aus.“ Doch durch Abholsystem werde das Leben für die Geschäftsleute schon erleichtert, findet Martin Gramsch. „Das bietet auch dem Kunden wieder ein bisschen mehr Freiheit.“

Ein Nullsummen-Spiel konnte sich Gramsch nicht leisten. „Deshalb mussten wir Fahrtkosten und -zeit auf den Preis für die Blumen umlegen oder eben extra in Rechnung stellen. Wir haben schon geschaut, dass wir Lieferungen, die in einer Nachbarschaft liegen, möglichst zusammenlegen können. Das hat sich dann auch beim Preis bemerkbar gemacht.“ Obendrein sei jetzt die Mehrwertsteuer wieder angestiegen, das müsse man einfach weitergeben. „Sonst bringst du Geld mit.“

Bei Gramsch könnten die Kunden derzeit einzeln in einen drei mal drei Meter großen Wartebereich, um dort ihre Blumen in Empfang zu nehmen, klärt der Chef über das Prozedere unter Lockdown-Bedingungen auf. „Dann können wir ihnen den Strauß auch noch einmal zeigen, für den Fall, dass es Änderungswünsche gibt. Damit binden wir auch unsere Kunden wieder besser ein“, unterstreicht Martin Gramsch.

Annemarie Grass, Besitzerin der Boutique „Primavera“, hat täglich von 14 bis 16 Uhr einen Abholservice eingerichtet. „Die Kunden hatten am Wochenende Zeit, mein Schaufenster zu begutachten und sich dann die Sachen herausgesucht.“ Andere bestellten per Whatsapp oder E-Mail. „Das Ausliefern war schon ziemlich stressig, denn die Kunden wollen ja eigentlich eine persönliche Beratung.“ Die sei zwar jetzt auch nicht möglich, aber zumindest habe man mal wieder Kontakt zu den Kunden, wenn sie die Ware abholen. Letztlich sei dies aber ein Tropfen auf den heißen Stein.

Der Leiter des Hagebaumarkts, Alexander Spörl, ist froh, „dass es jetzt wenigstens so läuft“. Jeder Einzelhändler sei glücklich, wenn er nur wieder etwas mit Kunden zu tun habe. „Das ist doch unser Job!“ Über die Hälfte seiner Mitarbeiter sind zu hundert Prozent in Kurzarbeit, wie Spörl sagt. Um den Laden jetzt am Laufen zu halten und die Wünsche der Kunden zu erfüllen, seien sechs bis sieben Leute da. Was momentan gar nicht gehe, seien Pflanzen. „Aber Schlitten oder Bobs sind gut nachgefragt. Außerdem erkundigen sich die Kunden nach der vor Weihnachten bestellten Ware. Seit dem 17. Dezember waren wir ja komplett weg.“ Spörl sieht jetzt wieder ein „kleines Licht am Horizont“. Die Kunden könnten die Waren am Eingang abholen. „Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht zu Ende“, meint Alexander Spörl nachdenklich.

Erfahrungen aus Amberg mit "Click & Collect"

Amberg

Auch im Landkreis Tirschenreuth leiden die Einzelhändler unter dem Lockdown

Mitterteich
Hintergrund:

Mit Maske zum Abholen

„ Unterstützt unsere Marktredwitzer Händler!“ Mit diesem Appell richtet sich Sebastian Macht, Vorsitzender des Stadtmarketing-Vereins MAKnetisch, an die Bevölkerung.

  • Noch ehe die minimale Lockerung für den Einzelhandel am Montag angelaufen ist, hat Macht Tabellen auf der Internet-Seite (www.maknetisch.de/lockdown) angelegt, in denen sämtliche Läden zu finden sind, die derzeit ihre Pforten geöffnet haben dürfen.
  • In einer zweiten Liste sind jetzt die Geschäfte enthalten, die über "Click & Collect" einen Abholservice oder einen Online-Shop bieten. Durch eine Verlinkung kommen die Kunden mit einem Klick auf die Seiten der Händler.
  • Sebastian Macht bittet die Kunden, die den Abholservice nutzen, zur Sicherheit aller Beteiligten eine FFP 2-Maske zu tragen: „Wir wollen ja jedes Risiko vermeiden.“
Auch beim Elektronik-Händler Plischke können die Kunden ihre Ware abholen, und zwar am Seiteneingang.

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