16.03.2020 - 19:33 Uhr
MünchenOberpfalz

Markus Söder im Krisenmodus

Die Coronakrise hat Bayern im Griff. Um die Ausbreitung des Virus zu bremsen, legt die Staatsregierung den Freistaat weitgehend lahm. Ministerpräsident Söder setzt auf Krisenmanagement.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU, Zwieter von links) steht auf einer Pressekonferenz in der bayerischen Staatskanzlei zu den Auswirkungen der Coronavirus-Infektionen in Bayern zwischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Frei Wähler, links), Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU, Zweite von rechts) und Innenminister Joachim Herrmann (CSU).
von Jürgen UmlauftProfil

Im Regelbetrieb ist Markus Söder gerne für einen Spaß zu haben, manchmal sogar auf eigene Kosten. Seit aber das Coronavirus Bayern jeden Tag mehr in Geiselhaft nimmt, gibt es den schelmischen Söder nicht mehr. Die Lage ist ihm einfach zu ernst für Scherze und Spielchen. Als ihn während der Pressekonferenz zur Auslösung des Katastrophenfalls die Meldung erreicht, dass Hacker das Lernportal "Mebis" attackiert und in die Knie gezwungen haben, über das bei geschlossenen Schulen wenigstens ein Rest an Unterricht aufrecht erhalten bleiben soll, blickt Söder streng in die Kamera. "Mein dringender Appell: Das ist kein Spaß jetzt", betont er. Mit Nachsicht Söders können Witzbolde gerade nicht rechnen - im Gegenteil.

Es ist nicht nur ein Stresstest, sondern ein Stück weit ein Charaktertest. Wir können das nur bestehen, wenn wir alle zusammenhelfen, wenn jeder seinen Beitrag leistet, wenn wir Rücksicht nehmen, wenn wir einander vertrauen.

Markus Söder, bayerischer Ministerpräsident

Markus Söder, bayerischer Ministerpräsident

Seit zwei Jahren im Amt

Eigentlich hätte Söder an diesem 16. März Grund zu feiern. Auf den Tag genau vor zwei Jahren wurde er erstmals als Ministerpräsident vereidigt. Sein seither gezeigter Tatendrang wird nun jäh gestoppt. "Die Lage ist sehr ernst, sie ändert sich täglich - leider nicht zum Guten", beginnt Söder seine Pressekonferenz, die streng genommen keine ist. Denn Medienvertreter dürfen gar nicht erst in die Staatskanzlei hinein. Söder hält sich an die von ihm ausgegebene Losung. Es sei das Gebot der Stunde, soziale Kontakte "auszudünnen" und das öffentliche Leben herunterzufahren. Dazu gehört auch der von Söder gerne gesuchte Kontakt zu Journalisten. Die dürfen ihre Fragen nur per E-Mail an ihn richten. Auch der sonst hinterher übliche Smalltalk entfällt und seine spätere Pressekonferenz als CSU-Chef zum Ausgang der Kommunalwahl gibt es ebenfalls nur digital.

Markus Söder macht gerade einen Schnellkurs zum vertrauenswürdigen Landesvater, an dem sich alle auf- und ausrichten können, und zum entschlossenen Krisenmanager. Zwei Wochen ist es erst her, da hielt er einschneidende Maßnahmen zum Abwehr der Corona-Ausbreitung, wie sie in Italien ergriffen wurden, in Bayern für kaum vorstellbar. Aber Söder war offen für den Rat der Experten und hat erkannt, dass dem Virus alte Gewissheiten ziemlich egal sind.

Vergangene Woche kam der erste Aufschlag mit Schulschließungen und Veranstaltungsverboten, jetzt nun die schon fast ultimative Keule. Sogar das Dogma vom Verzicht auf eine Neuverschuldung hebt Söder quasi über Nacht auf. "Es wir noch manches auf uns zukommen, es kann noch sehr schlimm werden", begründet Söder seinen harten Kurs.

Söder will sich nicht irgendwann einmal vorwerfen lassen müssen, nicht genug gegen die Pandemie unternommen zu haben. "Es gibt keine Blaupause, kein Patentrezept, wie es funktionieren könnte", betont er. Deshalb könne er auch nicht versprechen, dass es die letzten Maßnahmen seien, und schon gar voraussagen, wie lange sie bestehen bleiben müssten. "Es gilt jetzt das Primat der Medizin", sagt Söder, dem Schutz der Bevölkerung müsse alles andere untergeordnet werden. "Ich bitte um Zusammenhalt, das ist nicht nur ein Stresstest, sondern ein Stück weit ein Charaktertest. Wir können das nur bestehen, wenn wir alle zusammenhelfen, wenn jeder seinen Beitrag leistet, wenn wir Rücksicht nehmen, wenn wir einander vertrauen."

Kommentar zur Coronakrise in Bayern

München

Hackerangriff auf "Mebis"

Genau deshalb ärgert ihn der für sich genommen kindische Hacker-Angriff auf "Mebis" so, genau deshalb fehlt ihm das Verständnis für Hamsterkäufe. Für die gebe es keinen Anlass, mahnt Söder und appelliert an die Bürger, "nur das zu kaufen, was man wirklich braucht". Er bittet auch eindringlich darum, Einschränkungen und Verbote nicht zu umgehen oder sich mit "Tricksereien" zum Beispiel bei den Staatshilfen für Unternehmen Vorteile verschaffen zu wollen.

"Das geht immer zulasten anderer", warnt er und kündigt konsequente Kontrollen der Behörden an. Dass ausgerechnet Söder einmal das solidarische "Wir" derart betonen und einfordern würde, ist auch so eine spannende Wendung der Coronakrise.

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