18.10.2019 - 13:37 Uhr
MehlmeiselOberpfalz

Inserate und Geschichte

Zeitungsleser wissen mehr: Anzeigen zur Allerweltskirwa zeigen, wie in Mehlmeisel auf die Kirwa aufmerksam gemacht wurde.

Allerweltskirwa: Originelle Anzeigen deuten auf die Feierlichkeiten hin.
von Gisela KuhbandnerProfil

Das alte Zeitungsblatt vom 14. Oktober 1929 hatte Arnold Matt (verstorben) einmal auf dem Dachboden seines Hauses gefunden. Es enthält eine Reihe von originellen Inseraten aus Mehlmeisel und Fichtelberg "samt einer Anordnung des "Gemeinderats Neubau zum Volksbegehren Freiheitsgesetz". Die Anzeigen erzählen vom damaligen Leben in den Dörfern an der "Allerweltskirwa", vom Essen, Trinken und vom Tanzboden, wo die Musik bis spät in die Nacht hinein spielte.

Allerweltskirwa: Bild vom Kirchweih-Dienstag im Jahr 1929.

Originell und kreativ preisen die Geschäftsleute und Wirtshäuser zur "Kirwa", die immer am dritten Wochenende im Oktober gefeiert wird, ihre Waren und Handwerkskunst an. Da heißt es zum Beispiel: "Bin weder Fräulein, bin weder schön. Doch Gänserupfen tu' ich versteh'n. Ein Braten mit Federn, das ist kein Kirchweihschmaus. Drum wendet euch an Anna König im Klausenhaus. Die reißt sie raus". Das Gasthaus zum Hirschen bot "prima Gerstensaft und pickfeine Gerichte vom "Ochsen- und Kalbfleisch" an.

Wenn es also am Wochenende in Mehlmeisel wieder heißt "Wer hout Kirwa, mir hom Kirwa", dann weiß man zum einen, dass die Bevölkerung - obwohl größtenteils nicht mit Reichtümern gesegnet - zu feiern wusste und sie damals schon viel von der Zeitungswerbung hielt: Wer also die Zeitung las, war bestens informiert, wusste, wo es die "schönste Tanzmusik" und "Prima-Weizenmehl" gab, wer "moderne Tappen" macht und die "alten flickt".

Allerweltskirwa: Originelle Anzeigen deuten auf die Feierlichkeiten hin.

Allerdings fasste die Allerweltskirwa ohne kirchlichen Hintergrund in einem streng katholischen Ort wie Mehlmeisel relativ spät Fuß und hat nichts mit christlichem Brauch zu tun. Dazu informiert der Mehlmeiseler Hobby-Heimatforscher und Chronist Josef Wiche:

"Erst im Jahre 1866 wurden alle Kirchweihtermine auf den 3. Sonntag im Oktober konzentriert. In Bayern legte damals ein königlicher Erlass die einzelnen Kirchweihfeste auf dieses Datum zusammen. Vorher hatte jede noch so kleine Pfarrei ihre eigene Kirchweih oder das Patrozinium ihrer Kirche gefeiert. Praktisch-pragmatische Gründe haben diesen Allerweltskirchweihtag also hervorgebracht. Doch in manchen Gegenden regte sich Widerstand. Viele Dörfer dachten gar nicht daran, ihr originäres Kirchweihfest aufzugeben - und feierten am Weihegedenktag ihrer Kirche einfach noch einmal. Heutzutage wird der dritte Oktobersonntag als gewöhnlicher Sonntag im Jahreskreis liturgisch begangen, der verordnete zentrale Kirchweihsonntag nur noch in jenen Kirchen gefeiert, deren Weihetag man nicht kennt. Dort, wo der Weihetag der Kirche bekannt ist, wird er auch tatsächlich an diesem Tag beziehungsweise am Sonntag darauf begangen. Das Brauchtum einer echten Kirchweih richtet sich nach dem Patron der Ortskirche."

So wird die Mehlmeisler Kirchweih an Johanni gefeiert. Die Hüttstadler begehen ihr Patronatsfest an St. Veit, die Unterlinder Kirchweih ist an Mariä Himmelfahrt, Fichtelberg feiert ihr Patrozinium an Mariä Geburt.

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